Schule im Teufelstal wird 2016 geschlossen

Der Rat stimmte über den Beschluss der Schließung der Bad Grunder Grundschule ab. (Foto: Niemann)

Der Gemeinderat Bad Grund stimmte für die Schließung der Grundschule

Der Gemeinderat Bad Grund stimmte mit 17 Stimmen für die Beschlussvorlage, die Bad Grunder Grundschule zum Schuljahr 2016/2017 zu schließen. Vier Stimmen waren dagegen. Ab diesem Zeitpunkt wird dann die Gittelder Grundschule als Haupt- und die Eisdorfer Grundschule als Nebenstelle fungieren.

Im Vorfeld beantragte Jürgen Rähmer (Grüne), den Tagesordnungspunkt der Abstimmung abzusetzen, um mehr Zeit für weitere Besprechungen zu erhalten. Bei der großen Anzahl von Pro- und Kontrapunkten, hätten sich ihm viele Fragen und Ideen ergeben, die nicht berücksichtigt worden seien. Zudem habe man die Empfehlung des Arbeitskreises erst einen Tag vor der Schulausschusssitzung erhalten. „Hier biete sich jetzt die Gelegenheit zum Entschleunigen, um sich mehr Zeit zu nehmen“, so Rähmer. Auch Uwe Sommermeyer (SPD) meldete sich zu Wort und stellte einen Antrag auf Vertagung, da er und seine Ratskollegen Manfred von Daak und Peter Schwinger weiteren Beratungsbedarf sehen, da die beurteilten Fakten sehr dicht beieinander liegen würden. Ebenso bemängelte er, dass keine Gewichtung vorgenommen wurde. „Wenn ein neutraler unabhängiger Gutachter zu demselben Schluss gekommen wäre, könnten die Bad Grunder besser mit der Entscheidung leben“, betonte Sommermeyer. Harald Dietzmann informierte die Anwesenden, darunter auch etwa 70 interessierte Bürger, dass er eine Resolution des Ortsrates von Bad Grund erhalten habe, in der man den Gemeinderat dazu auffordere, die Grundschule Eisdorf zu schließen und stattdessen Bad Grund als Nebenstelle einzurichten.
Der Antrag auf Vertagung der Abstimmung wurde mehrheitlich abgelehnt. Petra Pinnecke (SPD) erklärte, dass sämtliche Kriterien untersucht und nicht unter Zeitdruck bewertet worden seien. Da die durch die Schließung einer Schule freiwerdenden Mittel für die beiden noch vorhandenen eingesetzt werden sollen, bat sie um Aufnahme eines zusätzlichen Beschlusspunktes, der regelt, dass der Arbeitskreis dem Rat bis Ende Juni 2015 Vorschläge zur nachhaltigen Qualitätssteigerung unterbreitet, um die Haushaltsmittel im Jahr 2016 rechtzeitig bereitstellen zu können. Die Aufnahme dieses Zusatzes wurde stattgegeben. Dass dieser Beschluss eine ernste und schwerwiegende Entscheidung sei, betonte Klaus Bock (SPD). Dennoch sei die Arbeit im Arbeitskreis für alle öffentlich und transparent und unter Beteiligung der Schulen und des Elternrates verlaufen. Dabei dankte er auch dem Arbeitskreis, der es sich nicht leicht gemacht habe. Einer der Gründe für eine Neubewertung ergebe sich für Jürgen Rähmer aus der Standortfrage. Bad Grund sei ein idealer Schulstandort, der nicht nur mit vielen außerschulischen Lernorten versehen sei, sondern auch verkehrsberuhigt liegen würde. Sein Rat richtete sich an die Ratsmitglieder aus Badenhausen, die diesen Beschluss irgendwann bedauern würden, da vorhersehbar sei, dass die Kinder aus Badenhausen inmitten der Grundschulzeit die Schule wechseln müssten. „Stellen Sie sich vor, die Kinder sind zwei Jahre in Gittelde. Dann müssen sie nach Eisdorf zur Schule, und nach der Schließung von Eisdorf in 2019 wieder nach Gittelde“, gab Rähmer zu bedenken, was den Verlust von Kontinuität und Geborgenheit bei den Kindern mit sich ziehe. „Der Beschluss entspricht den Mehrheitsverhältnissen im Gemeinderat“, behauptete Peter Schwinger (CDU).
Zudem sei ein Gerücht über einen anonymen potenziellen Käufer für das Schulgebäude mit Bedacht ins Gespräch gebracht worden. „Mich ärgert besonders der Vorwurf, dass aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Rat, die Entscheidung von Anfang an schon klar gewesen sein soll“, sagte Florian Panknin (SPD), „jedes Ratsmitglied entscheidet hier nach seiner eigenen Überzeugung.“ Er wünsche sich, dass der Eifer der Bevölkerung während dieses Prozesses weiter getragen würde auf die neuen Standorte, um die Schulqualität zu sichern und für die Kinder einen geschützten und behüteten Lehrraum zu schaffen. Eine quasi stellvertretende Entschuldigung richtete Harm-Heiko de Vries (CDU) an den Arbeitskreis. Es sei eine Unverschämtheit, was dem Arbeitskreis in der Schulausschuss- und der Ortsratssitzung von Bad Grund vorgeworfen wurde.
Zudem ging er auf die Argumente in der vom Ortsrat Bad Grund verfassten Resolution ein. „Es ist dreist, dem Rat Leerstandsfolgen vorzuwerfen, obwohl ihr in Bad Grund in den letzten Jahren die Kohle zum Fenster rausgeschmissen habt“, so de Vries.
Obwohl noch weitere Tagesordnungspunkte anstanden, schienen diese für einige Bürger nicht mehr von Interesse zu sein, da viele nach der Abstimmung den Raum verließen und dadurch den weiteren Verlauf der Sitzung störten.