VBN-Delegiertenversammlung in Bad Grund

Stellvertretender Landesvorsitzender der VBN Gerhard Pape berichtet über die Situation des Bergbaus.
 
Aufmerksam verfolgen die Delegierten den Vortrag zur Lage des Bergbaus. (Foto: Kippenberg)

Stellvertretender Landesvorsitzender Gerhard Pape berichtet über die Lage des Bergbaus

Auf der Jahrestagung der Vereinigung der Berg, Hütten- und Knappenvereine Niedersachsen in Bad Grund referierte stellvertretender Landesvorsitzender Gerhard Pape über die Lage des Bergbaus in Niedersachsen und darüberhinaus. In Niedersachsen ist das Salz mit den Firmen Esco in Grasleben und K+S GmbH in Bokeloh die bergbauliche Stütze. Zur Wiedereröffnung des Werkes Siegfried in Giesen ist die Machbarkeitsstudie positiv ausgegangen. Die notwendigen Planfeststellungs- und Raumordnungsverfahren werden vorbereitet.
Rund 126.000 Fässer mit Atommüll lagern im Bergwerk Asse. Die Fässer sollen aus dem maroden Salzstock geborgen werden. Eigens dafür wird ein neues Bundesgesetz erlassen. Im Helmstedter Revier förderten rund 500 Bergleute gut 1,7 Millionen Tonnen Braunkohle.
In Niedersachsen liegen über 90 Prozent der nationalen Erdgas- und etwa ein Drittel der Erdöl-Produktion einschließlich Reserven in der Bundesrepublik, so Gerhard Pape. Bei der Erdöl- und Erdgasspeicherung ist Niedersachsen das Energieland Nr. 1 in der Bundesrepublik. In 2012 wurden etwa 7,5 Millionen m³ Erdgas und etwa 700.000 Tonnen Erdöl gefördert.
Im Gosetal bei Goslar wurden Bohrungen und Sucharbeiten nach Metallerze durchgeführt. Ergebnisse sind noch nicht bekannt.
Gerhard Pape fuhr in seinem Bericht fort und verwies auf die deutsche und weltweite Situation des Bergbaus. Der Verbrauch der Braunkohle in der Bundesrepublik nahm um fünf Prozent zu und liegt bei 56 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE). Diese Zunahme wird mit der Inbetriebnahme von drei neuen Kraftwerksblöcken begründet. Langfristig wird der Braunkohlebedarf sinken, weil Altanlagen vom Netz genommen werden. 2012 betrug der Anteil der Braunkohle am gesamten Energieverbrauch 12,2 Prozent; im Vorjahr waren es 11,6 Prozent.
Im Metallerzbau beantragte die Kupferschiefer Lausitz GmbH ein Raumordnungsverfahren zur Errichtung eines Bergwerks mit Tagesanlagen östlich der Stadt Spremberg. Die Firma Solar World führt die Erkundung von Lithium-Vorkommen im Erzgebirge durch. Es soll das größte Vorkommen von Lithium in Mitteleuropa sein.
Der Jahrzehnte lange Trend, dass in der Bundesrepublik keine Explorationsprojekte durchgeführt und Minen geschlossen werden, scheint gestoppt zu sein. Immer mehr Betreiber wollen Rohstoffe in der Bundesrepublik abbauen, so der stellvertretende Landesvorsitzende.
42.000 Tonnen Seltene Erden werden im Boden unter Storkwitz vermutet. Frühere Schätzungen sollen überprüft werden. Bisher besitzt China für Seltene Erden mit einem Wertmarktanteil von 97 Prozent faktisch ein Monopol, stellt Gerhard Pape fest.
In Deutschland wird wieder Graphit gefördert. Im niederbayrischen Kropfmühl liegt die einzige Graphit-Mine in der Bundesrepublik. Diese Mine hat ihre Förderung in 2012 wieder aufgenommen. Für 2013 sollen 1.300 Tonnen gefördert werden. Die Graphit Kropfmühl verarbeitet jährlich rund 25.000 Tonnen Graphit. Dieser Rohstoff wird überwiegend aus eigenen Minen in Afrika und Asien sowie aus Zukäufen eingeführt.
Deutschland entdeckt seine Bodenschätze wieder, führt der Referent aus. Er berichtet, dass die Deutsche Rohstoff AG in Gottesberg auf eines der weltweit größten Zinnvorkommen gestoßen ist. In bis zu 1.000 m Tiefe liegen auf 1,6 km² mindestens 115.000 Tonnen des Metalls. Nach aktuellen Weltmarktpreisen ein Wert von fast zwei Mrd. Euro. Ein weiteres Zinnlager im sächsischen Geyer wurde durch Probebohrungen erkundet. Hier lagern 44.000 Tonnen Zinn und 450 Tonnen Indium.
Sande, Kiese und Tone decken vollständig den heim­ischen Bedarf ab. Mit der Braunkohlenförderung liegt Deutschland mit 170 Mio. t/a weltweit an der Spitze. Deutschland ist mit drei Mio. Tonnen viertgrößter Förderer von Kalisalz und zehn Mio Tonnen Steinsalz. Die heimischen Lagerstätten decken 14 Prozent des Erdgasbedarfs und 2,5 Prozent des Erdölverbrauchs ab, so Gerhard Pape.
Die Bundesrepublik verabschiedet sich von der Steinkohleförderung an der Saar. 250 Jahre hat dieser Industriezweig das Saarland entscheidend geprägt. Der Verbrauch von Steinkohle erhöhte sich um 3,1 Prozent auf 57 Mio. t.
Der weltweit stetig wachsende Bedarf an elektrischen Strom hat eine größere Nachfrage an Kohle ausgelöst. Im Detail beleuchtete Gerhard Pape den Kohleverbrauch in Indien und China sowie in Japan.
Während in der Bundesrepublik sich vom Kohlebergbau verabschiedet wird, boomt dieser Zweig weltweit. Der Metallerzbau gewinnt wieder an Bedeutung. Diese Entwicklung lässt berechtigt hoffen, dass der Beruf des Bergmannes in Deutschland nicht ganz in Vergessenheit gerät.
Mit langanhaltendem Beifall der Delegierten wurde der informative und ausgewogene Vortrag des stellvertretenden Landesvorsitzenden der VBN, Gerhard Pape, belohnt.