Wandern auf dem Harzer Baudensteig ist der Gipfel

Blick vom Bismarckturm auf den Oderstausee. (Foto: bo)
 
Die Baude am Bismarckturm lädt zum Verweilen und schlemmen ein. (Foto: bo)

Ein einmaliges Naturerlebnis bietet der neue Wanderweg

Bad Grund / Herzberg (bo). Der Herbst hat seine schönen Seiten, keine Frage – aber Wandern auf dem neuen Baudensteig durch den Südharz ist der Gipfel.
Die lockeren 15 Kilometer von Sieber nach Bad Lauterberg führen zur Baude Bismarckturm. Neben dem Rundumblick gibt es beste Kost beim Hüttenwirt, und der hat sogar ein paar Überraschungen parat.
Die Waschbären warten schon: Vier Stunden ist Familie Suhrkamp heute Vormittag gewandert. In Sieber nördlich von Herzberg im Südharz ging es los auf dem neuen Baudensteig. „Lässig zu schaffen“, protzt Manfred, der Vater. Selbst seine achtjährige Tochter Clara sieht das so und ist stolz, die rund elf Kilometer bis zur Baude Bismarckturm ohne einmal Fußumknicken absolviert zu haben. Jetzt kann sie endlich die Waschbären an der Baude streicheln.
„Zwei von ihnen haben wir mit der Milchflasche groß gezogen“, erzählt Baudenwirt Heiner Scharfe „die Bären sind ganz zutraulich“. Er holt einen aus dem Gehege und legt ihn sich um den Hals. Clara streichelt das Fell. „Total weich“, kreischt sie vor Freude.
Der Wirt, der mit seiner Frau Anne seit 22 Jahren hier oben die Baude mit dem Weitblick führt, hat noch mehr Tiere zu bieten. Um die Beine streichen Katzen, aber das meinen die beiden nicht. „Der Vierzehnender war gestern Abend ein paar hundert Meter von hier zu sehen“, schwärmt Anne. Neben Hirschen, die selbst im Strahl der Taschenlampe des Baudenwirts nicht nervös werden, sind Rehe zu erleben, Füchse springen durchs Unterholz. „Auch Luchse gibt es hier“, erzählt Heiner Scharfe. Doch gesehen hat er bislang nur die Fährten, etwa bei Neuschnee.
Mutter Sabine Suhrkamp hat ein paar Blümchen gepflückt, ist hungrig, und als sie von der „Gewittertorte“ der Baudenwirtin erfährt, wird sie schwach. „Da nehme ich ein Stück“, bestellt sie rasch das hohe Sahneteil mit Rührteig. Vater Suhrkamp entscheidet sich fürs Holzfällersteak, die Tochter für die Harzer Platte. Weil die Baude 365 Tage im Jahr geöffnet hat – täglich von 9 bis 20 Uhr, für Gruppen auf Bestellung auch länger, hat Heiner Scharfe viele Möglichkeiten, auch Überraschungen anzubieten. Mal brät er feinste Kost in seiner Riesenpfanne, dann wirft er den Wintergrill an oder serviert auf Vorbestellung auch Kaninchen mit Knoblauch und Wein. „Wir lieben das gute Essen“, verrät er, und hat fast für jeden Geschmack des Wanderers etwas im Angebot.
Viele bleiben länger als geplant, denn zum Sattessen kommt noch das Sattsehen. Von der Terrasse aus fällt der Blick hinab vom 536 Meter hohen Berg auf Bad Lauterberg. Rechts erhebt sich der 422 Meter hohe Hausberg. Hinten im Dunst sind die Bleicheroder Berge zu erkennen. Ein malerischer Anblick zum Träumen. Clara taucht die Familie wieder ins Hier und Jetzt, als sie sagt: „Jetzt lass uns endlich auf den Turm gehen!“
Der Bismarckturm bietet oben von seiner Plattform, an der die weiße Fahne vom Baudensteig weht, einen grandiosen Rundumblick. „Da der Brocken“, stellt Vater Suhrkamp gleich fachkundig fest. Auf den Steinen unter dem Geländer sind kleine Schilder angebracht, die das, was in der Richtung zu sehen ist, benennen. Das bemerken Mutter und Tochter jetzt auch und blicken ins Fernglas. Der Ravensberg, der Große Knollen – von dort sind sie gerade gekommen – und der Oderstausee sind wunderbar zu erkennen.
Bevor die Familie die letzten zwei Kilometer dieser Etappe des 100 Kilometer langen Baudensteigs angeht und über den Hausberg dann per Seilbahn hinab fährt nach Bad Lauterberg zur Übernachtung, da hat der Wirt noch eine Besonderheit: Gehstöcke. Er baut selbst welche, aber 32 exotische Exemplare schmücken den Kamin in der Baude. „Ich habe sie mir aus aller Welt mitgebracht“, erläutert Scharfe. Sie zeigen höchst eigenwillige Köpfe, verraten etwas von den Sitten etwa in Thailand, Singapur oder Kenia. Andere kommen aus Bali, von den Cook-Inseln oder Sulawesi. „Da in Indonesien gibt es gar keine Wanderstöcke“, fängt der weit gereiste Wirt an zu erzählen, „aber ich habe ihn mir schnitzen lassen.“
Familie Suhrkamp ist überrascht und erfreut, so viel Neues erlebt zu haben. Heute Abend geht es zur Erfrischung ins Erlebnisbad. „Kirchberg-Therme oder Vitamar?“, fragt der Wirt noch. So erfahren sie, dass es in Bad Lauterberg sogar zwei Spaß- beziehungsweise Gesundheitsbäder gibt. Noch einige Kilometer bleiben ihnen, sich zu entscheiden.