Winterpause in der Wiemannsbucht

Das Harzer Rote Höhenvieh verbringt die Wintermonate in der Wiemannsbucht oberhalb von Bad Grund. (Foto: Fotos: Niemann)

Herde der Interessengemeinschaft Bergwiesen und Harzer Rotes Höhenvieh ist inzwischen auf 32 Tiere angewachsen

Von Frühjahr bis Herbst schmücken und pflegen die Tiere mit dem typisch rotbraunen Fell und ihrem ruhigen Gemüt die Bergwiesen in und um Bad Grund. Momentan befinden sich die Rinder der Interessengemeinschaft (IG) Bergwiesen und Harzer Rotes Höhenvieh jedoch in der Wiemannsbucht oberhalb von Bad Grund zur Winterpause. Sechs neue Kälbchen sind in diesem Winter dort geboren, sodass die Herde inzwischen aus 32 Tieren besteht.

Noch im Jahr 1996 stand es um den Erhalt des Harzer Rotviehs gar nicht gut, da es fast ausgestorben war. Inzwischen wachse der Bestand zwar langsam wieder, sagt Kai Wollenweber, Sohn des 1. Vorsitzenden der IG Reinhard Wollenweber, „Entwarnung kann man aber auch jetzt noch nicht geben“.

Zur Erhaltung dieser zu den ältesten und ursprünglichsten Nutztierrassen zählenden Art hat auch die Interessengemeinschaft mit beigetragen. Die IG besteht seit März 1999 und hat damals ihre Arbeit mit gerade mal zwei Bullen namens „Ulli“ und „Udo“ aufgenommen. „Auch wenn wir als landwirtschaftlicher Betrieb angemeldet sind, ist die Arbeit für uns wie ein Hobby. Jedes Tier hat einen Namen“, sagt Reinhard Wollenweber. Das älteste Herdenmitglied sei die 16-jährige „Röschen“, die dort ihr Gnadenbrot bekommt. Dennoch könnten nicht immer alle Tiere behalten werden, da die Ernährung besonders in den Wintermonaten durch Zufüttern von Heu, Stroh und Grassilage mit enormen Kosten verbunden sei. Zu einem gesunden Kreislauf gehöre eben auch der Verkauf und das Schlachten dazu, so der Vorsitzende. „Wie sagt man so schön: In der Landwirtschaft ist nicht viel Geld zu verdienen, aber satt zu essen.”

Die IG mit ihren 60 Mitgliedern gehört zum Kur- und Touristikverein Bad Grund und finanziert sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und mit Erlösen des Fleischverkaufs. Zudem veranstalten die Frauen mehrmals im Jahr einen Trödelmarkt. Mit den Einnahmen wird unter anderem das Winterfutter finanziert.
Die 32-köpfige Herde der Interessengemeinschaft besteht aus Rückzüchtungen des Harzer Roten Höhenviehs, Einkreuzungen mit Angus und Salers sowie bayerischem Fleckvieh. Momentan fährt Kai Wollenweber, der in Göttingen Agrarwissenschaften studiert, mindestens einmal am Tag hoch zu der Wiemannsbucht und versorgt die Tiere mit Futter und Wasser. „Das macht mir Spaß und gehört schon von früh an zu meinem Leben. Außerdem ist es schön, am Ende des Tages auf das Geschaffte zu schauen.”