Zahlen lassen Haare zu Berge stehen

Bürgermeister Harald Dietzmann, Ausschussvorsitzender Jens Schimpfhauser, Fachbereichsleiter Joachim Grupe und Schulsachbearbeiter Oliver Schneider (von links) freuten sich, dass sich so viele Interessenten zur Ausschusssitzung eingefunden hatten.

Frage nach dem Weiterbestand der drei Grundschulen der Gemeinde Bad Grund

Bei allen Diskussionen um den Weiterbestand der drei Grundschulen in der Gemeinde Bad Grund müsse auch das Wort „Schließung“ ohne Angst in den Mund genommen werden, so Gemeindebürgermeister Harald Dietzmann während der Sitzung des Ausschusses für Schule und Kindergarten des Rates der Gemeinde Bad Grund am Dienstagabend.

Zu ihr waren die Schulleitungen, Elternvertreter, interessierte Bürger und ein Vertreter der Niedersächsischen Landesschulbehörde Braunschweig geladen und auch – mit einer Ausnahme – in großer Zahl erschienen. Der Gast aus Braunschweig hatte abgesagt.

Schülerzhalen in zehn Jahren um 25 Prozent gesunken

Bevor Fachbereichsleiter Joachim Grupe die Schulentwicklungsplanung mittels Zahlen, Daten und Fakten vorlegte, rief Dietzmann in dem überaus gut besetzten Sitzungssaal des Gemeinde-Rathauses in Windhausen in Erinnerung, dass in den zurückliegenden zehn Jahren die Schülerzahl um 25 Prozent gesunken sei. Diese negative Entwicklung werde sich weiter fortsetzen, weil zum einen die Bürger immer älter und zum anderen immer weniger Familien zuzögen oder blieben. Daran habe auch die Tatsache nichts geändert, dass die Gemeinde Ganztagsschulen sowie Krippenplätze und längere Öffnungszeiten in den Kindergärten eingerichtet hat.
Grupe legte anschließend offen dar, dass die Grundschulen Bad Grund und Gittelde zweizügig laufen und maximal jeweils in acht Klassenräumen 208 Schüler aufnehmen könnten, die Grundschule Eisdorf läuft einzügig und böte somit in vier Klassen 104 Schülern einen Lehrplatz. Allerdings sein man von den theoretischen Kapazitätsobergrenzen weit entfernt, und der Abstand werde bis zum Schuljahr 2019/2020 noch größer werden. Das zeige sich schon in den Geburtsjahrgängen. So hätten 57 Mädchen und Jungen vom 1. Oktober 2006 bis zum 30. September 2007 das Licht der Welt erblickt und drückten jetzt die Schulbank der ersten Klassen. Die Geburtenrate werde stetig sinken, so dass im August 2019 nur noch höchstens 46 Kinder eingeschult werden.
Seien zurzeit 80 Kinder in der Grundschule Bad Grund und 121 in der Grundschule Gittelde, zähle die Grundschule Eisdorf noch 67. Schaue man auf das Schuljahr 2019/2020, verringerten sich diese Zahlen auf 59 in Bad Grund, 74 in Gittelde und 37 in Eisdorf. So werden es beispielsweise in sechs Jahren in der gesamten Gemeinde noch 171 Schüler geben – weniger als die Grundschule Gittelde 1997/98 unterrichtete. Da waren es 191 Mädchen und Jungen.

Ernsthafte Diskussion muss in Gang gesetzt werden

Auch wenn einen das Zahlenmaterial die Haare zu Berge stehen lassen, müssten sich alle ernsthaft mit dieser Entwicklung auseinandersetzen und hinschauen, um eine ersthafte Diskussion in Gang zu setzen, wie in Zukunft mit dieser Situation umgegangen werden soll. Denn Familien mit großer Kinderzahl würden nicht mehr kommen.
Joachim Grupe ging aber auch auf den Raumbestand der Schulen ein, der sich nicht nur auf die Klassenräume beläuft. Bad Grund weise fast 2500 Quadratmeter auf, wovon einige untervermietet seien. Gittelde habe gut 2000 Quadratmeter aufzuweisen, wozu das Lehrschwimmbecken zählt, welche aufgrund vielen privaten Einsatzes vor der Schließung bewahrt wurde. Man dürfe aber nicht aus den Augen verlieren, dass der Zahn der Zeit weiter nicht nur an den Kacheln nage. Die Grundschule Eisdorf sei mit gut 1000 Quadratmetern die kleinste, die mit viel Geld sinnvoll aufgepeppt wurde.
Im Zuge weiterer Beratungen dürfe aber das Ziel – ein Handlungskonzept und einen Zeitplan – nicht übersehen werden. So stellte die Erfüllung der Erfordernisse für die Inklusion bis 2018 einen hohen Investitionsaufwand dar. Aber auch die Verbesserung der Ausstattung mit Mobiliar und Technik müsse im Blickfeld bleiben.
Joachim Grupe verwies darauf, dass die Anforderungen aus pädagogischen Konzepten ebenso eine Rolle spielen könnten, wie die Entwicklung von Standards, ein Raumprogramm und die Qualitätssteigerung. Auch wenn die Gemeinde Bad Grund sehr gute Schulstandorte habe, müsse der Wirkung auf Verbindungen zwischen Schule-Kindergarten-Sporthalle-Sportplatz mit in die Überlegungen einbezogen werden. Und auch, wenn es bestimmt kein einfacher Gedanke sei, müsse über die etwaige Schließung einer Schule und die dadurch entstehende Auflösungsproblematik und Nachfolgemöglichkeiten diskutiert werden.

Möglich, dass alle drei Schulen geschlossen werden

Harald Dietzmann mahnte in diesem Zusammenhang an, dass es durchaus geschehen könne, dass alle drei Grundschulen geschlossen werden, um dann in die Oberschule Badenhausen, deren Schulträger der Kreis Osterode ist, mit einzuziehen. Aus dem Grund müssten auch die Chancen und Möglichkeiten im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) mit der Stadt und dem Kreis Osterode mit einbezogen werden.
Dietzmann und Grupe wünschten sich in jedem Falle, dass das jetzt vorgestellte Zahlen- und Faktenmaterial dazu animiert, sich auf allen relevanten Ebenen mit der Thematik zu befassen und nach tragfähigen Lösungen für die Zukunft zu suchen. Anregungen und Vorschläge seien, so Grupe, ausdrücklich erwünscht.
In der anschließenden, ruhigen und kurzen Diskussion war festzustellen, dass die vorgestellten Daten erst einmal einen Überlegungsprozess ausgelöst hatten. Gastgeber und Gäste waren sich aber einig, erst einmal alle Fakten sacken zu lassen, um sich dann in absehbarer Zeit noch einmal zur Aussprache zu treffen. Vielleicht seien dann schon greifbare Ideen zu hören.