Zahlreiche Einsätze, Vorschläge und ein Protest

Kreisbrandmeister Frank Regelin.

Kreisbrandmeister Frank Regelin blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück / Zahl der fördernden Mitglieder steigt

Während der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Bad Grund legte Kreisbrandmeister Frank Regelin seinen Jahresbericht vor und kam gleich darauf zu sprechen, dass die 38 Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Osterode im vergangenen Jahr zahlreiche Einsätze hatten.

Es musste ein hohes Einsatzaufkommen im Bereich der Brand- und Hilfeleistungseinsätze abgearbeitet werden. Von daher sprach er zu Beginn seines Berichtes allen Mitgliedern in den unterschiedlichsten Ebenen aller Feuerwehren ein herzliches Dankeschön für den enormen Einsatzwillen und die herausragenden Leistungen aus.
Insgesamt hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr 1.224 Einsätze zu verbuchen, die sich wie folgt aufteilten: Zu den 586 technischen Hilfeleistungen kamen 201 Brandeinsätze, 147 Brandsicherheitswachen und 32 Alarmübungen. Den bedeutendsten Anteil an Hilfeleistungen habe das Hochwasser im Mai im Stadtgebiet Osterode und der Gemeinde Bad Grund eingenommen.
Das Jahr sei aber auch davon geprägt gewesen, Vorschläge zu erarbeiten, wie die Feuerwehren in Zukunft aufgebaut werden können. Ein Beitrag hierzu sei das überarbeitete Niedersächsische Brandschutzgesetz, welches am 18. Juli 2012 in Kraft getreten ist.
Insbesondere den Wegfall der Unvereinbarkeit vom Freiwilligen Feuerwehrdienst und dem Dienst in Werks- und Berufsfeuerwehren sowie die Zulassung von Doppelmitgliedschaften in unterschiedlichen Freiwilligen Feuerwehren seien als besonders positive Aspekte des neuen Brandschutzgesetzes zu nennen. Außerdem werde durch die Möglichkeit von Doppelmitgliedschaften – zum Beispiel in der Freiwilligen Feuerwehr des Wohnortes und in der Wehr des Arbeitsortes - die Zahl des einsatzfähigen Personals erhöht.
Die Anhebung der Altersgrenze von 62 auf 63 Jahre hält Frank Regelin im Hinblick drauf jedoch für weniger hilfreich. Vielmehr müsse ein deutlicher Schwerpunkt auf die Nachwuchsarbeit gelegt werden. Schließlich wurden die Kinder- und Jugendfeuerwehren als zentraler Bestandteil der Nachwuchsgewinnung in dem neuen Gesetz berücksichtigt. „Dies ist aber nur ein kleiner Bruchteil von den für die Feuerwehren und Städten sich ergebenden Änderungen“, gab Regelin zu bedenken. Die Feuerwehren erwarteten nun, dass aufgrund des neuen Gesetzes entsprechende Verordnungen und Satzungen erlassen werden.
Für die Kreisfeuerwehr und somit für die Feuerwehren im Landkreis Osterode war das zurückliegende Jahr von der vorliegenden Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode geprägt. Genau das erfordere auch in nächster Zeit intensives Einbringen.
In diesem Zusammenhang erinnerte der Kreisbrandmeister daran, dass die Feuerwehren im Februar 2013 auf die Straße gegangen sind, um in aller Sachlichkeit auf die Wichtigkeit des Leitstellenerhalts und weiterer standorterhaltender Notwendigkeiten aufmerksam zu machen. „Ich bin noch heute von der Teilnehmerzahl überwältigt, welche bei über 800 lag und aus den verschiedenen kreisangehörigen Hilfsorganisationen bestand“. Diese Aktion habe doch ganz deutlich gemacht, dass die Wehren vor allem gemeinsam stark sind.
Im Hinblick auf den Leitstellenverbund Goslar erinnerte der Sprecher daran, dass der Landkreis Goslar die 2009 mit dem Landkreis Osterode eingegangene Vereinbarung zum Betreib eines Leitstellenverbundes im Herbst 2013 gekündigt hatte. Zu diesem Zeitpunkt habe der Leitstellenverbund aber schon kurz vor seiner Inbetriebnahme gestanden.
Jetzt hat Osterode zwar die modernste Leitstelle Südniedersachsens, jedoch - bedingt durch den Neubau einer Regionalleitstelle auf dem Gelände der Berufsfeuerwehr in Göttingen und deren voraussichtlichen Inbetriebnahme 2016 - sei das Aus dieser Leitstelle vorprogrammiert. Ein weiterer Aspekt hierfür ist aus seiner Sicht die schnell voranschreitende Einführung des flächendeckenden Digitalfunks. Denn für die Digitalfunkaufrüstung der Leitstelle müssten nochmals rund 200.000 Euro investiert werden. Genau diese Investition werde der jetzige Landkreis Osterode vermutlich nicht mehr tätigen, zumal Göttingen ja mit Inbetriebnahme der neuen Regionalleitstelle digitalfunkfähig sein wird.
Der Leitstellenerhalt in Osterode müsse trotzdem oberste Priorität haben. Dabei werde er sich auf die Vereinbarung des Gebietsänderungsvertrages berufen, in dem der Erhalt der Leitstelle als Redundanz, sofern die Kostenträger diesen mittragen, festgeschrieben ist.
Beim Gedankenaustausch mit den Kameraden in Göttingen sei es unter anderem um die Bildung von Brandschutzabschnitten gegangen, bei der Osterode ein vierter, eigenständiger Abschnitt werden muss. Auch die Eigenständigkeit der Kreisfeuerwehrbereitschaft Osterode dürfe nicht angefochten werden. Der Standort der feuerwehrtechnischen Zentrale ist übrigens gesichert und wird nicht mehr in Frage gestellt. Die digitale Alarmierung wird im ersten Halbjahr 2014 erfolgen.
Zur Mitgliederentwicklung legte Frank Regelin einige Zahlen vor. So sorgen flächendeckend im Landkreis Osterode 1.588 Mitglieder der Einsatzabteilungen in den 38 Ortsfeuerwehren und in zwei Werkfeuerwehren rund um die Uhr für den erforderlichen Schutz und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen und Betriebe. Im zurückliegenden Jahr waren es noch 1.694. Dahingegen ist die Zahl der fördernden Mitglieder erfreulicher Weise wieder angestiegen. Waren es 2012 noch 7.575, so waren es am 31. Dezember 7.664.
Im Landkreis sorgen die insgesamt 33 Jugendfeuerwehren mit 533 Mitgliedern für den nötigen Nachwuchs.
In den Feuerwehrmusik- und Spielmannszügen des Landkreises konnten 226 Mitglieder verzeichnet werden. Im Jahr zuvor waren es 223 .
Auf den Hochwassereinsatz in Magdeburg zu sprechen kommend, erinnerte Frank Regelin daran, dass 129 Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehrbereitschaft von der Dankbarkeit der dortigen Bevölkerung überwältigt gewesen wären.
Die Ausstattungskonzepte des Katastrophenschutzes müssten kritisch hinterfragt und überdacht werden. Allein schon, dass es seit der Grenzöffnung in Deutschland durch den Abbau der Luftschutzsirenen keine flächendeckende Warnmöglichkeit der Bevölkerung mehr gibt, stimmt nachdenklich und erfordert Handeln.
Abschließend dankte Frank Regelin den Arbeitgebern und ihren Arbeitnehmern. Sie haben den Mitgliedern der Feuerwehren den Einsatz für die Allgemeinheit überwiegend problemlos ermöglicht. Er dankte aber auch allen Mitgliedern für die geleistete Arbeit und schloss in diesen Dank ausdrücklich die Familienangehörigen mit ein, ohne deren Unterstützung diese ehrenamtliche Arbeit nicht möglich wäre.
Die Mitgliederwerbung und Nachwuchsförderung müsse künftig den höchsten Stellenwert einnehmen. Hierzu seien die bereits erarbeiteten Konzepte umzusetzen. Das Ehrenamt muss gestärkt werden, um es langfristig zu erhalten. Er forderte die Einwohner auf, Kontakt mit ihrer Ortsfeuerwehr aufzunehmen. „Aus Überzeugung werden die Feuerwehren des Landkreises Osterode am Harz auch in Zukunft ihre Pflicht erfüllen!” Mit diesen Worten schloss Frank Regelin die Veranstaltung.