Dem Fachkräftemangel rechtzeitig begegnen

ranz-Michael Hemesath als Vertreter des Landkreises Osterode, Schulleiter Wilhelm Roddewig, Julia Koblitz, Leiterin der Koordinierungsstelle Bildung-Beruf, Gipswerk-Betriebsleiter Uwe Schridde und Bernd Becker, Prokurist und Personalmanager bei der Piller Group, bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung (von links). (Foto: Strache)
 
Die konjunkturellen Aussichten für den Landkreis Osterode für die nächsten Jahre sehen düster aus. Deshalb müssen wir unbedingt die Fachkräfte in der Region halten. Franz-Michael Hemesath Leiter der Stabsstelle, Bildung, Wirtschaft, Regionalplanung (Foto: Strache)

Oberschule Badenhausen unterzeichnet Kooperationsvertrag des Projektes SchulBetrieb

Von Maximilian Strache,
Badenhausen

Der Übergang von der Schule in den Beruf hat in den letzten Jahren einen massiven Bedeutungszuwachs erfahren. Grund dafür sind unter anderem die immer lauter werdenden Beschwerden der Betriebe über ausbildungsunfähige Jugendliche und junge Erwachsene. Im Landkreis Osterode hat es sich deshalb die Koordinierungsstelle Bildung-Beruf als eine Abteilung der Stabsstelle Bildung, Wirtschaft und Regionalplanung zur Aufgabe gemacht, den Übergang mit verschiedenen Projekten zu unterstützen. Die Koordinierungsstelle versteht sich dabei als Interessenvertretung für alle beteiligten Akteure, die den Übergangsbereich von der Schule in das Erwerbsleben im Landkreis Osterode gestalten.
Das Projekt SchulBetrieb gehört zu dieser Projektgruppe und sieht es vor, Lernpartnerschaften zwischen regionalen Schulen und Betrieben zu etablieren. Im Landkreis Osterode wurden bereits vier dieser Lernpartnerschaften verwirklicht. Am Mittwoch kam mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Firma Rump & Salzmann Gipswerk Ührde, der Piller Group und der Oberschule Badenhausen eine fünfte Lernpartnerschaft hinzu.
Während einer kleinen Feierstunde in der Mensa der Badenhäuser Oberschule trafen sich nun Vertreter des Landkreises, der Schule, der beiden Firmen und des Arbeitsamtes, um die Vereinbarung zu unterzeichnen und sich über ihre Erwartungen und Wünsche auszutauschen.
Schulleiter Wilhelm Roddewig machte in seiner kurzen Ansprache deutlich, dass er sich von der Partnerschaft vor allem Hilfe bei dem Thema „Berufsrealismus“ erwartet. „Leider haben auch wir viele Schüler in unseren zehnten Klassen, die sich nicht mit den Realitäten der Berufswelt auseinandersetzen. Deshalb erhoffen wir uns, dass die Experten aus den Betrieben in die Lehrerrolle schlüpfen, um Anreize und Transparenz zu schaffen“, so Roddewig. Ferner wünscht sich der ambitionierte Schulleiter Hilfestellungen bei dem Thema „Fachkräftegewinnung“, sowie bei dem Verfassen von professionellen Bewerbungsschreiben. „Ich könnte mir vorstellen, dass das Wort eines Personalmanagers in manchen Bereichen größeres Gewicht hat, als das unserer Lehrer“, sagt Roddewig. Besonders große Hoffnungen setzt der Pädagoge auch in die Fachleute der Piller Group. „Ich hoffe, dass uns die Mitarbeiter der Piller Group mit ihrem Wissen in Fächern wie Physik und Technik unterstützen, und wir den Schülern somit den Nutzen und Wert der Naturwissenschaften an Beispielen der Berufspraxis verdeutlichen können“, wünscht sich der Schulleiter.
Franz-Michael Hemesath, als Vertreter des Landkreises Osterode und Leiter der Stabsstelle Bildung, Wirtschaft und Regionalplanung, machte in seinem Redebeitrag auf die enormen Bildungslücken im Landkreis Osterode aufmerksam und stellte die Bedeutung des Projektes SchulBetrieb heraus. Dabei stützte sich der Verwaltungswissenschaftler auch auf aktuelle Zahlen seiner Behörde. „Im Landkreis Osterode verlässt etwa jeder neunte Schüler die Schule ohne einen Abschluss. Zudem wird sich der Fachkräftemangel in unserer Region in den nächsten Jahren aufgrund drastisch sinkender Schülerzahlen deutlich verschärfen“, so die Prognose von Hemesath. Weiter machte der Fachmann deutlich, dass jeder vierte Schüler als nicht ausbildungsfähig gilt. „Wir müssen schon sehr viel früher ansetzen, wenn wir die wenigen Jugendlichen später als Fachkräfte in der Region halten wollen. Zudem dürfen wir es nicht zulassen, dass eine derart große Anzahl von Schülern hinten runter fällt und somit der Gesellschaft und der Region nicht mehr zur Verfügung steht“, so die deutliche Meinung des Bildungsexperten.
In dem Projekt SchulBetrieb sieht der Stabsstellenleiter die Chance, die Weichen rechtzeitig zu stellen. Der Verknüpfung von Theorie und Praxis im Rahmen der Lernpartnerschaft misst Hemesath in diesem Zusammenhang deshalb große Bedeutung bei. Von den Kooperationen zwischen Betrieben und Schulen im Landkreis Osterode verspricht sich der Verwaltungsfachmann also eine nachhaltige Stärkung der Wirtschaftsregion Osterode.
Bernd Becker, Prokurist und Personalmanager bei der Piller Group, erwartet sich von der Lernpartnerschaft vor allem ein größeres Interesse an den Produkten der Piller Group von Seiten der Schüler. „Wir verstehen diese Kooperationsvereinbarung zunächst einmal als ein Experiment. Vor allem werden wir natürlich für neue Ansätze offen sein und uns nicht verschließen“, sagt der Prokurist.
Auch Uwe Schridde, Betriebsleiter beim Gipswerk Ührde, hofft durch die Lernpartnerschaft die Arbeit der Firma bekannter zu machen. „Unser Betrieb ist aufgrund der besonderen Geologie hier vor Ort prägend für die gesamte Region. Hier wird bereits seit Jahrhunderten Gips und Dolomit abgebaut. Mir geht es also in erster Linie darum, Vorurteilen entgegenzuwirken und den Schülern zu erläutern, dass wir in einem hochtechnisierten Arbeitsumfeld tätig sind“, erläutert Schridde. Ferner möchte der Betriebsleiter die Begeisterung der Schüler und ihren Horizont erweitern. „Es gibt ja nicht nur den Beruf als Verkäufer oder Maler. Wir bilden beispielsweise seit etwa einem Jahr selber aus. Bei uns kann man den Beruf des Aufbereitungstechnikers Naturstein erlernen, das wissen viele nicht.“
Julia Koblitz, Leiterin der Koordinierungsstelle Bildung – Beruf, forderte alle Beteiligten auf, das Projekt ernst zu nehmen und vor allem auch auf den Nutzen der Partnerschaften im Sinne einer späteren Evaluation zu achten. Nur so, da ist sich Koblitz sicher, kann das Projekt wirklich eine nachhaltige Strahlkraft für die gesamte Region entfalten.