Der böse „schwarze Mann“ lauert im Chatroom

Die sozialen Netzwerke und Videoplattformen haben viele Vorteile, doch der Schein trügt. Kinder sind im Internet zahlreichen Gefahren ausgesetzt, und die Eltern wirken oft machtlos. Grafik: Farabella
 
POK Volker Hahn hielt einen exzellenten Vortrag über die Gefahren, denen Kinder im Internet ausgesetzt sind. (Foto: Strache)

Volker Hahn, Präventionsbeauftragter der Polizei Osterode, hält Vortrag über die Gefahren im Internet

Von Maximilian Strache,
Badenhausen

Facebook, twitter, MeinVZ, SchülerVZ, myspace, youtube, myvideo, Lokalisten, Wer-kennt-wen, ICQ und Skype. Längst hat die schiere Anzahl sozialer Netzwerke, von Videoplattformen und Chatprogrammen dazu geführt, dass viele Eltern den Überblick verloren haben, die technische Komponente einmal ausgeklammert. Viele können sich einfach keine Vorstellung mehr davon machen, was ihre Kinder im Netz treiben und welche Plattformen gerade angesagt sind. Dabei ist es von ungeheurer Bedeutung, dass die Elterngeneration der heute sechs- bis 18-Jährigen Schritt hält mit der medialen Entwicklung. Denn das Internet ist heute bei Weitem nicht mehr nur ein Tummelplatz für Technik-Nerds. Das Internet birgt vor allem jede Menge Gefahren, vor denen Kinder beschützt werden müssen.
Das weiß insbesondere auch Polizeioberkommissar Volker Hahn, Präventionsbeauftragter der Polizei in Osterode. Im Rahmen der Präventionstage der Oberschule Badenhausen hielt er deshalb einen Vortrag vor den Eltern der Schüler, um für dieses Thema zu sensibilisieren. „Sie müssen wissen, dass der böse schwarze Mann nicht unbedingt in Badenhausen lauert. Der böse schwarze Mann lauert heute vor allem im Internet. Und der kann bisweilen noch sehr viel gefährlicher sein, als Sie sich vorstellen.“ Mit diesen Worten leitete Hahn seinen knapp zweistündigen Vortrag vor etwa 15 Eltern ein. Dabei ging er aber nicht mit Samthandschuhen vor, sondern präsentierte den Eltern ein ungeschminktes Bild der virtuellen Realität. Er zeigte auf, wie schnell Kinder mit rechtsradikaler Propaganda in Kontakt kommen, pornografische Inhalte aufstöbern oder gewaltverherrlichende Spiele und Videos konsumieren können.
Dem Thema Cyber-Mobbing, das primär durch den Film „Homevideo“, in die gesellschaftliche Debatte transportiert wurde, widmete sich der Präventionsexperte ausführlich. In dem Film, der auf einer wahren Begebenheit basiert, wird beschrieben, wie ein Junge von 15 Jahren von seinen Mitschülern über das Internet derart gemobbt und drangsaliert wird, dass er am Ende nur noch den Freitod als Ausweg sieht. In diesem Zusammenhang erläuterte Hahn auch, dass es sich dabei nicht um ein Phänomen handele, was vor Ort keinen realen Bezug habe; im Landkreis Oste­rode laufen monatlich zwei bis drei Cyber-Mobbing-Fälle bei der Polizei auf. Ferner machte Hahn auch deutlich, dass die Gefahr nicht ausschließlich darin zu suchen ist, dass die Kinder Opfer einer solchen Attacke werden, sondern dass sie selber zum Täter avancieren. „Es spielt dabei keine Rolle, ob Kinder ihre Mitschüler im realen Leben oder in der virtuellen Welt drangsalieren. In beiden Fällen handelt es sich um eine Straftat, die mitunter scharfe Konsequenzen zur Folge haben kann“, so die Worte Hahns. Ferner müssten sich die Eltern klar machen, dass der heimische Computer in solchen Fällen zum Tatmittel wird. Soll heißen, die Polizei hat im Rahmen ihrer Ermittlungen die Möglichkeit, das Gerät zu konfiszieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Geschäftsrechner des Vaters handelt oder um das Gerät des Kindes, welches vom Konfirmationsgeld angeschafft wurde.
Auch den Datenschutz klammerte der Präventionsexperte nicht aus. „Was einmal ins Netz gelangt ist, kommt da nie wieder raus. Das muss Ihnen und Ihren Kindern bewusst sein“, so der Appell in Richtung der Eltern. Deshalb, so Hahn, müsse im Vorfeld genau abgewogen werden, was Kinder von sich und ihrem Leben im Netz preis gäben.
Mehrfach betonte der Polizeioberkommissar, dass es nicht darum gehe, den Kindern den Umgang mit dem Internet zu verbieten, sondern vielmehr darum, die Kinder auf ihren Wegen im Internet aktiv zu begleiten. „Mit stoischer Verbots-Pädagogik erreichen Sie gar nichts“, so der klare Hinweis. Vielmehr müsse den Kindern auf einfühlsame Art klar gemacht werden, dass die Nutzung des Internets schwerwiegende Folgen für das weitere Leben haben kann.
Volker Hahn mahnte auch die Intensität der Internetnutzung als Gefahrenquelle an. „Wenn ihr Kind mehrere Stunden pro Tag am Computer verbringt, hat das Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung. Ein geregelter Umgang bei der Nutzung sämtlicher Medien ist deshalb unumgänglich“, erklärte Hahn.