Ein Hauch von Großstadtflair in Badenhausen

Während Andy den Babysitter live ansingt, lümmelt sich Roy im Kinderwagen herum. (Foto: Bordfeld)
 
Im „Carte Rouge“ begrüßten die Künstlerinnen ihre Gäste in Rot. (Foto: Bordfeld)

Kim & Roy eröffnen Travestietheater „Carte Rouge“ in Café-Restaurant „Deutsches Haus“

Von Petra Bordfeld,
Badenhausen

Für einen Hauch Großstadtflair wird das Travestie-Theater „Carte Rouge“ in Badenhausen sorgen, welches im Spiegelsaal des Café-Restaurants „Deutsches Haus“ mit einer Premiere vom Feinsten eröffnet wurde. Die Inhaber Kim und Roy, alias Lothar und Thomas Finze, feierten diese zusammen mit Ricky aus Windhausen, Miss Starlight und Andy Maine aus Hannover sowie einem vor Faszination glühenden Publikum.
Die Gäste beider Geschlechter und vieler Altersstufen ließen sich auch nicht lange bitten, in dem mit roten Samt ausgekleideten Theater Platz zu nehmen um sich in die Welt der von Musik, Mimik und Gestik getragenen Verkleidungskunst entführen zu lassen. Nicht selten schlich sich bei der feurigen Show ein Gedanke ans „Pulverfass“ in Hamburg ein.
Wirkten die 16 Auftritte im ersten Teil des vielversprechenden und langanhaltenden Abends noch fast wie ein köstlicher Appetitanreger, sollten sich die 18 noch folgenden Auftritte als eine Aneinanderreihung von Höhepunkten herausstellen. Die „Damen“ verstanden es bei jedem Auftritt auf der Bühne oder im Publikum, die jeweiligen Persönlichkeiten überzeugend darzustellen. Dabei spielte jedes Kostüm in seiner Feinheit und in seiner überdimensionalen Aussagekraft eine wichtige Rolle. Und auch die Frisuren und das Make-Up zeugten von höchster Professionalität.
Nachdem die beiden „Hausdamen“ in feuerroter, langer Garderobe alle begrüßt hatten, stellte sich Kim als „Mutter der Nation“ vor, die durchaus mal aus dem bissig-feinen, humoristischen Nähkästchen plauderte. Sie schlüpfte aber auch sehr gekonnt in die Rolle der Hildegard Knef.
Roy hingegen fesselte alle mit seinen Körperbewegungen und insbesondere mit der Gelenkigkeit seiner Gesichtsmuskeln. Mal wuchs sie als Romina Power ihrem Al Bano im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf, mal legte sie einen atemberaubenden Spagat hin. Ganz groß aber die spitzfindigen Parts, in denen sie zum Baby und zum Kleinkind mutierte.
Ricky wiederum sang nicht nur das Lied „My Boy Lollipop“ von Millie Small, sondern sie machte auch mit dem Song „Mein Körper ist mein Kapital“ klar, dass dieser wahrlich eine sehr gute Anlage ist. Ricky ließ es sich aber auch nicht nehmen, Amy Winehouse auf die Bühne zu holen.
Miss Starlight, die edle Dame aus Hannover, verstand es sehr gut „Dicke Mädchen haben schöne Namen“, einen Hit der Kölner Band „Die Höhner“, in Szene zu setzen. Als „Schwangere“, die neben „farbenfrohen Drillingen“ auch Spitzfindigkeiten „gebahr“, hatte sie die Zuschauer ebenso im Griff.
Andy Maine begeisterte schon als Phönix aus der Asche, insbesondere allerdings als ein Tanzpaar. Denn sie hatte sich selbst zum Tanz aufgefordert und schwebte zur einen Hälfte als Mann und zur anderen als Frau über die Bühne. Dieses Bild und der Dialog beider Geschlechter war ein Erlebnis der ganz besonderen Art.
Die fünf Künstlerinnen begeisterten und überzeugten sehr wohl als Solisten als auch bei gemeinsamen Auftritten. Und so wunderte es keinen, dass neben dem Applaus auch Bravorufe zu vernehmen waren.
Dafür, dass alle den richtigen Ton und das richtige Licht erhielten, sorgten keine anderen als Volker, der als DJ schon fast zum Inventar gehört, und Eddy, der ein Zauberer mit dem Schein des Lichtes war.
Das Publikum nutzte übrigens die Gelegenheit der Pause und der After-Show-Party, mit den Künstlerinnen ins Gespräch zu kommen und sich auch mit ihnen ablichten zu lassen.