Gepäck für die letzte Reise

Ute Reinhardt, Thomas Waubke, Thomas Burghardt und Nele Bercht (von links) hielten Vorträge in der Badenhäuser St.-Martin-Kirche.

Ausstellung in der St.-Martin-Kirche mit Vorträgen von Thomas Burghardt, Ute Reinhardt und Nele Bercht

„Was würde ich mitnehmen, wenn Gott mir ein kleines Reisegepäck zugestehen würde?“ – unter diesem Motto gab es in der St.-Martin-Kirche in Badenhausen eine Ausstellung mit 30 Koffern, die Menschen im Alter von 13 bis 94 Jahren gepackt hatten. Im Rahmen dieser Aktion fand ein Abend mit kurzen Vorträgen von Kirchenvorsteher Thomas Burghardt, der Leiterin des Seniorenheimes „Charlottenhof“ Ute Reinhardt, der 19-jährigen Nele Bercht und Pfarrer Thomas Waubke statt.

Viele Besucher waren in die Kirche gekommen, um die Ausstellung zu begutachten und die interessanten Vortäge anzuhören. Umrahmt wurde der kulturelle Abend vom Organisten Peter Wendlandt, der auch einen Koffer gepackt hatte.
Den informativen Rednerreigen eröffnete Kirchenvorsteher Thomas Burgardt. Er gewährte Einblicke in die Geschichte der Bestattung, die sich im Laufe der Jahrtausende immer wieder verändert hatte. Er präsentierte unter anderem Bilder von 50.000 Jahre alten Höckergräbern, Grabbelgraben der Merowinger, ein Gräberfeld aus dem Mittelalter und die Habsburger Gruft.
Ute Reinhardt, Leiterin des Alten- und Pflegeheims „Charlottenhof“ in Badenhausen, erinnerte daran, dass sich in früheren Zeiten die Verwandten um den Verstorbenen gekümmert hatten.
Der Tod sei früher so etwas wie ein Gemeinschaftserlebnis gewesen. Ein selbstverständlicher Umgang mit einem Todesfall und Verstorbenen sei heute kaum denkbar, weil man es schlicht verlernt habe. „Obwohl Leiden und Tod zu unserem Leben dazugehören und vor allem der Tod unausweichlich ist, erleben die meisten Menschen nicht mehr, dass Sterben normal ist und erlösend sein kann”, so Ute Reinhardt.
Im Rahmen ihrer Tätigkeit im Alten- und Pflegeheim „Charlottenhof“ versucht die Leiterin Tabus mit ihren Mitarbeitern aufzubrechen. Sterbebegleitung habe hier einen großen Stellenwert. Durch Projekte mit Schulklassen, Kindergärten und Konfirmanden werde versucht, den jungen Menschen den Umgang mit alten und kranken Menschen nahezubringen.
Die 19-jährige Nele Bercht machte mit einer Zusammenfassung ihrer Seminararbeit über Sterbehilfe deutlich, dass dieses Thema durchaus auch von jungen Menschen wahrgenommen wird. Sie verwies darauf, dass es neben der in Deutschland verbotenen aktiven Sterbehilfe auch die passive Sterbehilfe und die legale indirekte Sterbehilfe gibt.
Sie zitierte den Standpunkt der Evangelischen Kirche in Deutschland, die ihr Augenmerk auf die palliative Begleitung im Sterben richtet.
Pfarrer Thomas Waubke betonte, dass jeder ausgestellte Koffer eine persönliche Visitenkarte sei, welche sowohl die eigene Lebensgeschichte als auch Bilder widerspiegelte, wie sich die Besitzer ein Leben nach dem Tod vorstellen.