Nach historischem Vorbild gefertigt

Klaus Beyger schaut, ob auch wirklich alles richtig am und im Kehrrad sitzt.

Das in Badenhausen gefertigte Kehrrad dreht sich jetzt im 19-Lachter Stollen

In der etwa 12 mal 12 Meter großen Radstube des 19-Lachter-Stollens in Wildemann dreht sich wieder ein Kehrrad. Es wurde im Werk der Zimmerei und dem Sägewerk Fritz Hesse in Badenhausen von Zimmermann Klaus Beyger nach historischem Vorbild, ausschließlich aus heimischem Lärchenholz gefertigt.

Dieses Kehrrad hat einen Durchmesser von 9 Meter und ist 1,80 Meter breit. Auftraggeber für dieses besondere Projekt war die Kurbetriebsgesellschaft „Die Oberharzer“, weil sie es in den 19-Lachter-Stollen in Wildemann einbauen lassen wollte (der „Beobachter“ berichtete).
Als sich nach vier Wochen herausstellte, dass die Berechnungen und das Endprodukt vollends übereinstimmten, musste es für den Transport wieder in seine Einzelteile zerlegt werden. Denn dieses Rad, das anders als normale Wasserräder, Schaufeln in beide Richtungen aufweist, sollte ja in der Radstube des 19-Lachter-Stollens aufgebaut werden. Der dortige, etwa 100 Jahre alte Vorgänger, der sich erst für den Bergbau und dann für die Besucher drehte, war dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen.
Die Firma Möhle Kran-Service rollte mit großem Kran an und brachte die zwischen 1,60 und 9 Meter großen und mindestens 250 Kilogramm schweren Teile mithilfe eines mobilen Kranes und dem Einsatz von fünf Mitarbeitern direkt zum Mundloch des Stollens. Dort übernahm die Firma Schachtbau Nordhausen den Weitertransport. Sie brachte diese 12,15 Kubikmeter Kantholz und Bohlen mit viel Geschick und Fachwissen durch den nicht selten nur 1,40 Meter hohen und etwa 500 Meter langen Stollen bis zur Radstube.
Dort machten die funktionsunfähigen Wellenlauflager, die sich schon viele Jahrzehnte nicht mehr gedreht hatten, Probleme, welche allerdings von Mitarbeitern der Firma Hesse beseitigt wurden. Denn sie schafften es innerhalb einer Woche diesen Oldtimer von immenser Größe wieder gängig zu machen. Etwa ebenso lange brauchten sie für die Montage des Kehrrades.
Mittlerweile funktioniert das Zusammenspiel zwischen antiker Welle und neuem Kehrrad einwandfrei. Damit ist dieser Teil des Bergwerkes, der zu den wichtigsten Anlagen des alten Oberharzer Silberbergbaus zählte und ein Bestandteil des UNESCO-Welt-Kulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft ist, wieder für den Besucheransturm gewappnet. Die Hesse-Mitarbeiter und deren Chefin, Sabine Sprengel, sind stolz, einen Zeitzeugen so erstellt zu haben, wie es Zimmerleute vor vielen Generationen gemacht haben.