Patientenverfügungen sind nicht erst im Alter ein Thema

Jürgen Bertram vom SoVD dankte Christel Franke mit einem Blumenstrauß für ihre Aufklärungsarbeit. (Foto: Kluge)
 
Behördenbetreuerin Christel Franke referierte über Patientenverfügungen. (Foto: Kluge)

Behördenbetreuerin Christel Franke hält Vortrag beim SoVD Badenhausen

Unfälle passieren immer nur anderen? Was aber, wenn man tatsächlich selbst betroffen ist? Was passiert mit mir, meinem Vermögen, wenn ich nicht entscheidungsfähig bin? „Wie sorge ich vor?“ war das Thema eines Beratungsgespräches mit Behördenbetreuerin Christel Franke, zu dem der Sozialverband Deutschland (SoVD) Badenhausen geladen hatte.

Von Camillo Kluge

Badenhausen. Als ganz besonders wichtig erachtete Franke die Vorsorgevollmacht. Von Bank- bis Behördenangelegenheiten müsse jemand die Berechtigung zum Handeln haben. „Wenn ich nicht mehr selbst entscheiden kann“, so Franke, „muss jemand das für mich dürfen.“ Denn ohne Vollmacht wird eine „rechtliche Betreuung“ eingerichtet – auch bei Ehepartnern. „Ohne Vollmacht geht gar nichts“, betont Franke, „da wird dann erst einmal ein mühsames Verfahren in die Wege geleitet.“
Die Vollmacht ist auch nicht erst nötig, wenn man alt wird. Sobald die Volljährigkeit eintritt und etwas passiert, muss entweder ein Bevollmächtigter da sein oder es wird jemand per Gericht bestimmt. Denn mit dem 18. Geburtstag obliegt dieses Recht nicht mehr den Eltern. Die Vollmacht gibt es als Vordruck im Internet, bei Behörden und auch bei Banken. „Banken und Sparkassen akzeptieren in der Regel nur die eigenen Bankvollmachten“, so Franke. Eine Vollmacht sollte bei den Papieren des Vollmachtgebers bleiben. Der Bevollmächtigte sollte jedoch in Kenntnis gesetzt werden, dass er bevollmächtigt ist und wo die Unterlagen liegen.
Und auch wenn jemand im Besitz einer Vollmacht ist, benötigt er dennoch für manche Handlungen eine gerichtliche Genehmigung. Bei Wohnungsauflösungen oder gar Immobilienverkäufen, die ja bei einer Heimeinweisung oder Ähnlichem durchaus notwendig sein können, ist dennoch eine richterliche Bestätigung notwendig. Auch empfiehlt Franke, die Vollmacht in regelmäßigen Abschnitten vorzuholen und zu prüfen, ob sie tatsächlich noch den eigenen Wünschen entspricht. „Sie sollten auch nur eine Person bevollmächtigen“, sagte Franke, bei mehreren müsse sonst immer die Zustimmung aller eingeholt werden. Und wer weiß, ob sich zum Beispiel bevollmächtigte Kinder immer einig sind? Und es bedeutet ja nicht, dass sich die Kinder nicht untereinander besprechen dürfen, „aber einer ist nur derjenige, der unterschreiben darf und als Ansprechpartner gilt“, so Franke.
Die Betreuungsvollmacht betitelte Franke als „abgeschwächte Vorsorgevollmacht“. Da werde die bevollmächtigte Person bei ihrem Tun rechtlich kontrolliert. Und eine notarielle Vorsorgevollmacht „ist sinnvoll bei größerem Vermögen“, so Franke.
„Die Patientenverfügung betrifft den Zeitraum, wenn es zu Ende geht“, erläuterte sie. Auch die „bleibt in meinem Schreibtisch“ bis sie benötigt wird. Ausgefüllt werden sollte sie aber unbedingt gemeinsam mit dem Hausarzt. Irgendwelche Pauschalsätze wie sie im Volksmund verbreitet sind, böten sich bei solch einem Thema nicht an. „Keine Lebenserhaltenden Maßnahmen verbietet auch eine Bluttransfusion“, nannte Franke ein Beispiel. Aber hier lobte sie die moderne Medizin, die nicht mehr mit aller Gewalt ein Leben in die Länge ziehe, wenn der Patient nur noch dahin sieche. In der anschließenden Diskussion mit den etwa zwei Dutzend Zuhörern wurde deutlich, dass die meisten eine Patientenvollmacht für wichtiger gehalten habe. Doch Christel Franke betonte: „Das Wichtigste, was wirklich jeder machen sollte, ist die Vorsorgevollmacht.“
Ausführliche Informationen und Downloads gibt es unter www.bmj.bund.de/publikationen und www.mj.niedersachsen.de.