Von der Erdanziehung und implodierenden Frauen

Désirée Nick während ihrer Lesung im Landhaus Finze in Badenhausen.

Kabarettistin Désirée Nick las im Landhaus Finze aus ihrem neuen Buch und sparte nicht mit offenen Worten

Mit frecher Berliner Schnauze, gnadenloser Ehrlichkeit und erfrischender Natürlichkeit sorgte die Kabarettistin Désirée Nick für einen äußerst lockeren Abend in fast schon familiärer Atmosphäre im Café Landhaus Finze in Badenhausen. Désirée Nick wirkte locker und natürlich und genoss es sichtlich, mit dem Publikum zu spielen und eine fast schon persönliche Beziehung aufzubauen.

Wie von ihr nicht anders gewohnt, sprach die Autorin schonungslos aus, was sie denkt. Wenn auch leicht überspitzt dargestellt, schien sie jedoch nicht weit von der Wahrheit entfernt zu sein, was sich durch viel Beifall und ausgiebiges Gelächter aus dem Publikum belegen ließ.
So konnten die anwesenden Männer erfahren, dass Frauen mit dem allseits bekannten Satz „Ich habe nichts anzuziehen“, während diese jedoch vor einem überfüllten Kleiderschrank stehen, eigentlich meinen, dass sie kein Kostüm hätten, das zu der heutigen Stimmung passe. Sowieso sei die heutige Mode dafür gemacht, einem das Leben gehörig zu vermiesen, so Nick, da die Kleidung für Frauen konzipiert sei, die scheinbar nur virtuell existierten. Schwule Designer seien da auch keine wirkliche Hilfe, da sie die Problemzonen der Frauen nur vom Hörensagen kennen und auch keinen Schimmer davon hätten, was die Erdanziehungskraft mit den sensiblen Körperteilen wie Po und Brüsten anstellen könne. „Mode hat eben einen großen Nachteil: es guckt oben der Kopf heraus.” Einmal im Jahr quetsche sie ihren Körper in ein Dirndl. Dafür müsse sie aber alles an die richtigen Stellen platzieren und ihre Brüste nach oben aufbocken. Schier ungerecht sei auch die Tatsache, dass Männer morgens immer noch genauso aussehen, wie sie abends zu Bett gegangen seien. Frauen hingegen scheinen ungerechterweise über Nacht zu implodieren.
In ihren Ausführungen sparte die Entertainerin mit ihrem frechen Mundwerk auch nicht an Selbstironie. „Wenn ich am Strand zwischen all den wohlgeformten Frauen wie Jennifer Lopez und Co. liege, findet mein Sohn mich sofort wieder.”
Am Ende ihrer Lesung forderte sie das Publikum auf, nicht schüchtern zu sein und Fragen zu stellen. Auf die Frage, ob sie bei so vielen Terminen keine Angst vor einem Burn-Out hätte, antwortete die Berlinerin frech, dass sie sich keine großen Pausen leisten könne, da „Er“ anscheinend kaum in der Lage sei, den Mindestsatz für den gemeinsamen Sohn aufzubringen. Der Vater ihres Sohnes ist Prinz Heinrich aus Hannover, der in Göttingen lebt.
Auch wenn ihr Buch „Neues von der Arschterrasse“ keinen großen literarischen Anspruch an den Leser stellt und im Grunde nur aus einer Aneinanderreihung von Substantiven und Adjektiven besteht, trifft die Autorin doch den Nerv ihrer Zielgruppe und zeigt die mehr oder weniger großen Miseren des Alltags auf, mit denen sich Frauen heute arrangieren müssten. Im Anschluss an die Lesung nahm sich die Kabarettistin dann noch Zeit für ihr Publikum, um Bücher und Autogrammkarten zu signieren. Sehr gerne stand sie auch für Fotos bereit. „Ich werde auf allen Fotos so tun, als wären Sie meine beste Freundin“, sagte die Nick mit ihrem charmanten Lispeln.