(W)Irrungen der Midlife-Krise

Traumsequenz am Strand. Wohin soll die Reise der Protagonistin Eva gehen? (Foto: Niemann)
 
Die Reise im Zug entwickelt sich für Eva wie eine Reise in ihre Vergangenheit, bei der sich Traum und Wirklichkeit vermischen. (Foto: Niemann)

Theatergruppe Mixpickels feierte die Premiere ihres Stücks „Fahrt ins Glück“ – Weitere Aufführungen folgen

In der sogenannten Midlife-Crisis kann mit Männern und Frauen viel passieren. Und so bringt Ines Peinemann zusammen mit ihrer Theatertruppe Mixpickels in ihrer inzwischen fünften Theatersaison ein Stück auf die Bühne des Landhauses Finze in Badenhausen, bei dem es um die Irrungen und Wirrungen einer Frau in ihrer eher zur durchschnittlich gewordenen Ehe geht. Die Premiere des selbst geschriebenen Stückes von Ines Peinemann „Fahrt ins Glück“ kam beim Publikum sehr gut an.
Ausgerechnet an ihrem Geburtstag erfährt die Protagonistin Eva, gespielt von Conny Penezis, dass ihr Mann Rüdiger (Tom Tischer) eine Affäre hat, und das ausgerechnet mit ihrer Intimfeindin aus der Schule, Yvonne, gespielt von Doris Schneider. Die besten drei Freundinnen von Eva schenken ihr eine Fahrkarte ohne Zielort, was sich für Eva wie eine Reise zurück gestaltet, bei der Traum und Wirklichkeit miteinander verschmelzen.
Gut portionierter Wortwitz, trockener Humor und Situationskomik brachten viele Lacher aus den Reihen des Publikums. Besonders Doris Schneider brillierte in der Rolle der Geliebten, die sie gewollt übertrieben als moderne sexy Frau mit aber eher oberflächlichem und einfach strukturiertem Gemüt darstellte. Und auch wenn man als Zuschauer natürlich eher auf der Seite der Betrogenen war, konnte man nicht umhin, auch ein wenig Mitgefühl für die Geliebte zu haben, als Rüdiger per SMS mit ihr Schluss machte.
Eine kleine, aber sehr gelungene Rolle spielte Lothar Finze als Bahnschaffner, der vielleicht auch der heimliche Star des Abends war. Mit Berliner Dialekt und einer stoischen Ruhe hatte er viele Lacher, gerade auch aus der Situationskomik heraus, auf seiner Seite. Aber auch ernste Sequenzen hatte die Regisseurin Peinemann mit eingebaut. Jeweils abwechselnd aus der Sicht von Eva und Rüdiger, erfuhr das Publikum, wie sich die beiden anfangs mit Schmetterlingen im Bauch kennen lernten und wohin sich im Laufe der Jahre ihre einst so glückliche Beziehung entwickelte. Dem Stück fehlte im ersten Teil ein bisschen an Tempo, die Wortbeiträge folgten an einigen Stellen nicht schnell genug aufeinander, sodass vielleicht so manch gelungener Gag verschenkt wurde. Dies machte die Truppe jedoch im zweiten Teil wieder wett. Das Stück nahm mehr und mehr an Fahrt auf.
Gut ausgewählte Kostüme und Requisiten machten den Theatergenuss perfekt. Mit viel Liebe zum Detail war auch das Bühnenbild durch originelle Ideen gestaltet. Ob im Café, der Dorfschenke oder im Abteil des Zuges, der Zuschauer konnte sich ohne Ablenkung in die dargestellten Szenen hineinversetzen. Schön war auch, dass die Truppe bei den Szenen im Café sogar an Komparsen, nämlich weitere Kaffee trinkende Gäste, gedacht hatte, um das Bild noch realer erscheinen zu lassen. Auch die Darstellung der Traumsequenz am Strand ist dem Team sehr gut gelungen und zeugt von viel Einfallsreichtum.
Bei den weiteren Aufführungen der Mixpickels warten auf das Publikum zwei Stunden unterhaltsamer Theatergenuss, allerdings mit einem Ende, bei dem die eigene Fantasie gefragt ist. Weitere Vorstellungen im Landhaus Finze: 3. November, 4. November, 10. November und 11. November jeweils um 20 Uhr. Am 28. Dezember gibt es eine Aufführung im Kurgastzentrum Altenau, ebenfalls um 20 Uhr. Einlass anderthalb Stunden vor Beginn. Der Eintritt kostet 10 Euro. Karten gibt es beim Seesener Beobachter, Lautenthaler Straße 3, oder im Landhaus Finze in Badenhausen.