Bausünden sollen verschwinden

1975/76 wurde die Kirche letztmalig umfassend saniert. Damals wurde unter anderem der historische Fußboden durch einen neuen ersetzt.
 
Restaurator Veith Grünwald schaut sich die Bilderläher Kirche genau an. 5.000 Euro gibt es vom Bistum Hildesheim extra für die Reinigung der Figuren und Holzarbeiten.

2017 wird die katholische Kirche St. Michael in Bilderlahe 300 Jahre alt / Kirchgemeinde investiert einiges

Ein wahres Kleinod steht in Bilderlahe. 1717 wurde die katholische St. Michael-Kirche geweiht.

Erzengel Michael ist Namenspatron. Aus Bruchsteinen wurde sie erbaut. Auf dem äußersten westlichen Ende des beziegelten Satteldaches hat die Barockkirche einen Dachreiter mit beschieferter Spitze und Wetterfahne. Üblich ist sonst eher ein Turm. St. Michael ist zugleich die älteste Kirche des Seesener Stadtgebietes. 299 Jahre später – also ein Jahr vorm großen 300-jährigen Weihejubiläum – hat die katholische Kirchgemeinde umfangreiche Baumaßnahmen im Inneren vorgesehen. Denn das in die Jahre gekommene und voller Bausünden behaftete barocke Gotteshaus soll wieder zu einem Schmuckstück werden. Investiert wird einiges.
Pfarrer Ryszard Karp und der stellvertretende Kirchenvorstand, Christoph Görtler, sind sich einig, so wie jetzt kann das Gotteshaus nicht bleiben. Kitschige Engelsfiguren, die nicht hierher gehören, und vor allem Bausünden im Objekt sind den beiden Männern ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund hat die katholische Kirchgemeinde den Arbeitskreis Kirchenrenovierung gegründet. Sechs Personen gehören ihm an, darunter drei aus Bilderlahe. „Bei Bedarf werden wir weitere Personen dazuholen“, sagt Christoph Görtler. Der Landtagsabgeordnete Rudolf Götz und die Bilderläher Ortsbürgermeisterin Christiane Raczek (beide CDU) haben ihr Interesse bekundet.
Für die kleine Kirchgemeinde ist die geplante Sanierung ein Kraftakt. Immerhin werden insgesamt 74.400 Euro investiert. 49.800 Euro schießt das Bistum Hildesheim zu, die Restsumme von 24.600 Euro bringen die Seesener auf. „Alles angesparte Mittel“, sagt Christoph Görtler.
Damit die Sanierung glückt, haben sich die Seesener mit Architekt Klaus Dettermann einen versierten Fachmann ins Boot geholt. Er überzeugte die hiesige Kirchgemeinde unter anderem mit der Sanierung der katholischen Kirche Maria Königin in Seesen und der des Pfarrhauses in Bockenem. Zahlreiche Punkte hat Klaus Dettermann auf der Sanierungsliste stehen: So unter anderem ein neuer Farbanstrich in verschiedenen Grautönen, Entfernung des alten Beichtstuhls, der neben dem Eingang steht und nicht mehr gebraucht wird, Andeutung der Kommunionbank, neue Elektrokabel und eine neue Lautsprecheranlage. Zudem werden Witterungsschäden am Kirchturm beseitigt. Außerdem verschwinden die kitschigen Engel, die hier nicht hin gehören. „Irgendwann haben sie Mitglieder der Kirchgemeinde aufgestellt, ich habe sie gewähren lassen, doch jetzt verschwinden die Figuren“, sagt Pfarrer Ryszard Karp.
Fraglich ist noch, ob die größte Bausünde der Kirche – nämlich der Fußboden – beseitigt wird. Er stammt aus dem Jahr 1975/76, die letzte große Sanierung des Bilderläher Gotteshauses. Damals wurde der historische Sandsteinfußboden entfernt. Ein neuer sogenannter Betonwerksteinfußboden wurde verbaut. „Völlig unpassend für eine Barockkirche“, betont Christoph Görtler. Zusätzlich 68.000 Euro würde der Austausch kosten. Hier will die Kirchgemeinde einen Antrag bei der Wirtschaftsförderung Region Goslar (WiReGo) stellen. Ein Großteil der Summe erhoffen sie sich gefördert zu bekommen. Gibt es ein Nein aus Goslar, bleibt der Fußboden erst einmal drin.
Wann die Sanierungsarbeiten starten werden, steht noch nicht fest. Da der Innenbereich erneuert wird, wäre eine Winterbaustelle möglich. Nur eines ist klar, die Kirchgemeinde wird Firmen aus der Region beauftragen, sagt Architekt Klaus Dettermann. Am 28. September 2017 zum Kirchenjubiläum soll aber alles fertig sein.