Gegenwart Christi gefeiert

Von der katholischen Kirche in Bilderlahe aus steuerte der Prozessionszug die vier Altare an.
 
Gläubige (links) verlesen am ersten Altar „Unter den Linden“ Fürbitten.

Katholiken begehen Fronleichnam / Prozession durch Bilderlahe

Die katholischen Kirchen auf der ganzen Welt, und somit auch die Seesener Gemeinde, feierten am vergangenen Donnerstag das Hochfest Fronleichnam. Es ist ein christlicher Feiertag, der in Deutschland nur von Katholiken begangen wird. Er wird zehn Tage nach Pfingsten gefeiert, in diesem Jahr eben am 4. Juni. Gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie in überwiegend katholischen Gemeinden in den Ländern Sachsen und Thüringen.

Im Mittelpunkt des Festes steht das Abendmahl mit dem eucharistischen Brot, das für die Katholiken ein Realsymbol für die Gegenwart Christi ist. Diese Gegenwart wird an Fronleichnam in besonderer Weise gefeiert, indem eine in einem Gottesdienst geweihte Hostie in einer Monstranz, einem liturgischen Schaugefäß, in einer Prozession durch die Straßen getragen wird. An einigen Orten gibt es auch Fronleichnamsprozessionen zu Wasser.
Entlang des Prozessionsweges werden Straßen und Häuser festlich geschmückt, an manchen Orten kennt man die Tradition großer Blumenteppiche. Die Prozession macht Station an geschmückten Altären, wo aus den Evangelien vorgelesen, Fürbitte gehalten und mit dem eucharistischen Brot der Segen erteilt wird.
In Bilderlahe setzte sich der Prozessionszug nach der Heiligen Messe vor der Kirche in Bewegung. Zahlreiche Katholiken wohnten der Prozession bei. Am ersten Altar, der Unter den Linden aufgebaut war, verlas Pater Theo Aperdannier das Evangelium und Gläubige sprachen Fürbitten. Insgesamt wurde das Evangelium und die Fürbitten an vier Altaren verlesen.
Die weiteren drei Altare befanden sich am Wendehammer in der Dresdner Straße, am Petersberg/Neustadt und in der Leipziger Straße/Petersberg. Nach etwa einer Stunde kehrte der Prozessionszug zur Kirche zurück, wo zum Abschluss ein Gemeindefest stattfand. Hier gab es ein Kuchenbuffet sowie Bockwurst.
Das Wort Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen „fron“ und bedeutet „Herr“, „lichnam“ meint den lebendigen Leib. Die Einführung des Festes geht auf eine Vision der Augustinernonne Juliane von Lüttich (um 1191 bis 1258) zurück. Im Traum sah sie der Überlieferung zufolge den Mond, der einen sichtbaren dunklen Fleck aufwies. Sie deutete dies als Zeichen dafür, dass der Kirche ein Fest zu Ehren der Eucharistie fehle.
Bischof Robert von Lüttich führte das Fest für sein Bistum im Jahr 1246 ein. Im Jahr 1264 legte Papst Urban IV. fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern. Papst Johannes XXII. (1316-1314) sorgte dafür, dass das Fest in der gesamten abendländischen Kirche gefeiert wird.
Die Prozessionen entstanden in Deutschland. 1279 gilt als das Jahr der ersten Fronleichnamsprozession, die in Köln stattfand. Die Protestanten empfanden das Fest lange als „gegenreformatorische Machtdemonstration“. Vor allem in konfessionell gemischten Gebieten kam es immer wieder zu Spannungen. Martin Luther kritisierte, dass sich das Fest nicht biblisch begründen lasse und sprach vom „allerschändlichsten Fest“ und „eitel Abgötterei“. Das heilige Sakrament werde hier „zum Schauspiel“ umhergetragen.