Wenn Wasser Zauberkäfte hat

Das Wasser aus dem hauseigenen Brunnen löste bei den Dorfbewohnern...
 
...unbekannte Verhaltensweisen aus.

Gelungene Premiere und Uraufführung zum 25-jährigenBestehen des „Bilderhäuser Dorftheaters“

Zum 25-jährigen Bestehen des Bilderhäuser Dorftheaters gab es eine Uraufführung: „Heberwasser oder L’eau d’Heber“. Schon der Titel weist darauf hin, dass Autorin Hildegard Reinecke viel Lokales in dem Stück verarbeitet hat und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen durchaus beabsichtigt sind.
Die sich regelmäßig bei Wirtin Helga Mutter (Diana Hoppe) in der gemütlichen Gaststätte (Bühnenbild: Eckehardt Hemmerich, Holzarbeiten von der Tischlerei Salau) treffende Stammtischrunde mit Heinz (Rainer Raczek), Bernd (Harald Brandt) und Sigi (Timon Hoppe) wird aus ihrem eher langweiligen Alltagstrott gerissen, als sie bemerkt, dass das Wasser des hauseigenen Brunnens wundersame Kräfte besitzt. Da wird man wieder jung, tanzt mit ungeahnter Leichtigkeit und schwebt auf Wolke 7.
Das sorgt für Unruhe im Ort; so ordnen die Ehefrauen von Heinz (Christiane Raczek als Dori) und Bernd (Ulla Müller als Anne) das nicht richtig ein und deuten dieses Verhalten fälschlicher Weise als sexuelle Entgleisung, der Pastor (Ulrich Gräbig) wähnt ein Geschäft für die Kirche und das benachbarte Gandersheim sorgt sich um Konkurrenz und sendet einen Kurmittel-Spion (Charles Reinecke als Hasewetter). Das Altenheim schickt mit Pfleger Burkhard (Markus Brandt) eine ganze Busladung lädierter Senioren (Renate Hoppe, Konny Geide, Hans-Ulrich Arnold, Peter Horn, Charles Reinecke, Inge Rangius, Rainer Raczek), die dank des Heberwassers wieder zu Hochform auflaufen. Bei all dem irritiert die demente, ständig durch die Gaststube laufende Mutter der Wirtin (Renate Hoppe oder Konny Geide). Allerdings bleibt die Wirkung des Wassers ausgerechnet dann aus, als der weltmännische Werbefachmann mit dem französischen Akzent Le Drois (Timon Hoppe) mit seinem Team (Markus Brandt als Assistent Pierre und Peter Horn als Kameramann) die Werbekampagne starten will. Da hilft schließlich nur die Wasseranalyse eines geschulten Fachmannes von den Versorgungsbetrieben (Hans-Ulrich Arnold als Dr. Hagemann), der dann mittels neuester Technik die ständige Neukonfiguration der Wassermoleküle und damit auch die sich permanent ändernde Wirkungsweisen feststellt – und die können sehr vielfältig sein!
Ein Stück mit sehr viel Komik, die von den Schauspielerinnen und Schauspielern optimal umgesetzt wird. So kann die Regie (Renate Hoppe und Hildegard Reinecke) mit dem Ergebnis äußerst zufrieden sein und auch Souffleuse Monika Lühmann kam kaum zum Einsatz. Das Publikum, das diesmal an einigen Stellen mitmachen muss, bedankte sich nach der Premiere mit lang anhaltendem Applaus für die kurzweiligen Stunden.
Da es beim „Heberwasser“ reichlich Licht- und Akustik­effekte gibt, ist die Technik (Stefan Loske und Susanne Vogel) hier voll gefordert. Viele Helfer haben im Verborgenen dazu beigetragen, dass dieses Jubiläumsstück ein solcher Erfolg wird. Da sind die fleißigen Bühnenbauer (Eckehardt Hemmerich, Heinz Müller, Friedrich Bellanger, Rainer Raczek, Harald Brandt, Charles Reinecke, Peter Horn), die Leihgaben vom Salon Koch, von dem Hotel Wilhelmsbad, den Gaststätten Scharn und Willers und vom Einkaufsmarkt Marquardt. Und schließlich ist da das unübertroffene Pausencatering unter der Regie von Inge Rangius und Ulla Müller.
Ein Banner mit einem neuen Logo (Thorsten Reinecke) weist am Eingang auf das 25-jährige Bestehen der Bühne hin und im Vorzelt hängen von Monika Lühmann zusammen gestellte Collagen, die die Stücke noch einmal Revue passieren lassen. So mancher Zuschauer erinnert sich da an Theaterabende und einige können sogar von sich behaupten, alle gesehen zu haben – ein wahrlich treues Publikum.
hr