105 Oberschüler feiern ihre erste gemeinsame Entlassung

Die drei Geehrten der Bürgerstiftung Bockenem-Ambergau: Lauritz Hübner, Nico Kuznig und Daria Hergert (von links). Überreicht wurden die Preise von Katharina Vieth (Mitte). Rektorin Dagmar Pallinger (rechts) freute sich über die Würdigung des Engagements. (Foto: bo)
 
Schulleiterin Dagmar Pallinger zog eine positive Bilanz der erreichten Leistungen und wünschte den 105 entlassenen Oberschülern alles Gute für die Zukunft.

"Auf die Ergebnisse können wir schon stolz sein"

Von Daniel Hinz
Bockenem

Ich erkläre euch hiermit für entlassen!“ Während ein solcher Satz in der Berufswelt eher Betroffenheit auslöst, quittierten die scheidenden Bockenemer Oberschüler ihn mit großem Jubel. Bevor Schulleiterin Dagmar Pallinger ihn sagen konnte, feierten Haupt- und Realschüler jedoch zunächst die erste gemeinsame Entlassungsfeier der verschmolzenen Ambergauschule und Wilhelm-Busch-Realschule.
Zu Beginn zeigte sich die Rektorin durchaus stolz über die Ergebnisse. Insgesamt wurden 105 Schüler – 43 aus dem Hauptschul- und 62 aus dem Realschulzweig – entlassen. Dreiviertel davon schafften einen Realschul- (52) oder sogar den erweiterten Realschulabschluss (26). 18 Schüler bekamen den Hauptschulabschluss überreicht, neun Abgänger verlassen die Schule ohne Abschluss. Diese können das nun noch an einer berufsbildenden Schule nachholen. 21 nun ehemalige Oberschüler haben bereits einen Ausbildungsplatz und gehen direkt in den Beruf.
„Haben wir unseren Bildungsauftrag erfüllt?“ fragte Dagmar Pallinger sich selbst und ihre Lehrerkollegen und -kolleginnen. „Konnten wir euch respektvollen und toleranten Umgang mit euren Mitmenschen, Verantwortungsbewusstsein und zivilgesellschaftliches Engagement vermitteln? Das alles steht nicht im Zeugnis, das müsst ihr fühlen“, rief sie ihren Zöglingen zu. Auch mit Niederlagen, das heißt, schlechten Noten, umgehen zu können, sei wichtig.
Schülersprecher Sebastian Thomas hatte sich mit seinen Mitschülern Gedanken darüber gemacht, was für sie eine gute Schule ausmacht. Eine gute Ausstattung und gutes Essen wurden häufig genannt, Vertrauenslehrer seien wichtig und ebenso der respektvolle Umgang miteinander. „Auch wenn wir das an manchen Tagen mal vergessen haben“, bemerkte er durchaus selbstkritisch.
Die Fördervereine zogen unter anderem Bilanz im Blick auf ihre Cafeteria: „Wir hatten für euch an 500 Tagen geöffnet und 1300 Arbeitsstunden geleistet. Dabei haben wir 10.000 Waffeln gebacken, 13.000 Obstspieße verkauft, 24.000 Sandwiches und 36.000 halbe Brötchen vorbereitet. Wir haben euch die ganze Schulzeit über begleitet und hoffen, dass ihr euch auch in einigen Jahren noch ein bisschen an uns erinnern werdet.“
Anschließend wurden von zwei Stiftungen Preise für besondere Leistungen vergeben. Bürgermeister Martin Bartölke war als Vertreter der Hartmut & Suse Weule-Stiftung anwesend. Ausgezeichnet wurde Adnan Hesso aus der 10a des Hauptschulzweiges. Er wurde geehrt für soziales Engagement und seine hervorragende Durchschnittsnote von 1,5. Für die Bürgerstiftung Bockenem-Ambergau vergab Katharina Vieth drei Preise. Daria Hegert bekam ihn für ihre Tätigkeit als Klassensprecherin und ihr Engagement bei dem Projekt „Schüler helfen Schülern“. Nico Kuznig betreute Computerkurse für Erwachsene und hilft einer älteren Frau unentgeltlich regelmäßig bei ihren Einkäufen. Als dritter wurde Lauritz Hübner geehrt, der immer wieder für die technische Durchführung von diversen Schulveranstaltungen verantwortlich war.
Bevor die Abschlusszeugnisse ausgegeben wurden, gab es noch eine Reihe von Dankesworten. Schüler dankten ihren Lehrern und den weiteren Schulmitarbeitern, aber auch die Pädagogen bedankten sich bei ihren Schülern für viele schöne Erinnerungen. Die Auschwitzgruppe, die von ihrem Besuch in der polnischen KZ-Gedenkstätte erst wenige Tage vor der Feier zurückgekehrt war, dankte den sie begleitenden Lehrern. Die teilnehmenden Schüler zeigten sich von dem Erlebten tief beeindruckt.
Sabine Meißner, Klassenlehrerin der 10a des Realschulzweiges, erinnerte aber auch an Schwierigkeiten, als sie die Klasse zu Schuljahresbeginn übernahm: „Am Anfang habe ich euch mit meiner Feststellung ‘Ihr seid keine Klassengemeinschaft’ geschockt. Oft hatten wir während des Jahres so unsere Probleme. Die Abschlussfahrt am Ende werde ich aber immer in Erinnerung behalten. So ruhig und harmonisch habe ich noch keine Fahrt erlebt. Ihr könnt also, wenn ihr nur wollt.“
Kurz darauf war es dann endlich so weit, die Ausgabe der Entlassungszeugnisse stand bevor. Von den Klassenlehrern namentlich aufgerufen, nahmen die Noch-Schüler ihre Urkunden in Empfang. Wenige Minuten später war ihre Schulzeit dann auch offiziell vorbei, was unter anderem am Abend beim großen Schulball gefeiert wurde. „ Bei einem Abschied gibt es immer ein lachendes und ein weinendes Auge. Lachend, weil man etwas geschafft hat und sich auf Neues freut. Weinend, weil man seine alte Umgebung, Freunde und Bekannte vermissen wird. Ich wünsche euch alles, alles Gute“, sagte Dagmar Pallinger und verabschiedete die Schüler in einen neuen Lebensabschnitt.