14 Jahre Wartezeit haben sich gelohnt

Imposantes Bild: Auf dem Buchholzmarkt trafen sich alle 67 Gruppen und zahlreiche Schaulustige, um den Festreden zuzuhören.
 
Beim Umzug am Sonntag ging es zunächst die Bönnier Straße hinauf, vorbei an zahlreichen Schaulustigen.

Bockenemer feiern sich und ihre 125-jährige Feuerwehr / Umzug mit 1500 Teilnehmern / Volles Festzelt

14 Jahre lang mussten die Bockenemer auf ein großes Feuerwehr- oder Schützenfest warten. Am vergangenen Wochenende war es endlich wieder soweit. Es schien, als müssten die Ambergauer das nun nachholen. Drei Tage lang ging es auf dem Festplatz an der Hachumer Straße hoch her. 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bockenem waren ein willkommener Anlass für die Feierlichkeiten. „Ich habe noch nichts Negatives gehört“, meinte ein trotz der Strapazen erfreuter Ortsbrandmeister Ulf Liewald gegenüber dem „Beobachter“.
Los ging es, wie bereits in der gestrigen Ausgabe berichtet, mit dem Kommers. Schon hier war das 1000 Quadratmeter große Zelt gut gefüllt. Der Sonnabend begann mit dem Kinderumzug an der Grundschule. Bei bedecktem, aber trockenen Himmel war der Zuspruch bereits sehr gut. „Der Zug wurde immer länger, damit hätten wir gar nicht unbedingt gerechnet“, erzählte Liewalds Stellvertreter Dirk Tegtmeyer. Vorneweg marschiere der Spielmannszug und die Jugendabteilung der Bockenemer Brandschützer. Über die Martin-Luther- und die Hindenburgstraße ging es direkt zum Festplatz, wo die verschiedenen Stände bereits auf die Besucher warteten.
Kinder- und Kettenkarussell wurden direkt in Beschlag genommen. Und auch der Autoscooter hat noch immer nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Im Zelt gab es kostenlosen Kaffee und Kuchen. Hier half der Bockenemer Ortsrat kräftig beim Verteilen mit. Rund 250 Laufkarten wurden von der Jugendfeuerwehr an anwesende Kinder ausgegeben. Sie konnten acht verschiedene Disziplinen absolvieren und sich dabei Preise verdienen. Bei Sackhüpfen, Eierlaufen oder Bobby-Car-Fahren hatten die Jüngsten unter den Besuchern viel Spaß. „Dank an alle Geschäftsleute aus Bockenem, aber auch der Umgebung, die mit ihren Sachspenden zum Gelingen beigetragen haben“, wollte Liewald die Spender nicht unerwähnt lassen. Die Musikklasse des Hildesheimer Goethegymnasiums sorgte für den musikalischen Beiklang.
Am Abend kamen dann die „Bayern Stürmer“ und sorgten für Partystimmung. Auch für sie war es eine Premiere: Erstmals trat die Band um ihren Haryer Chef Kai Philipps in voller Besetzung, dass heißt mit allen sieben Bandmitgleidern im Stadtgebiet auf. Ein echtes Heimspiel also. Und trotz des DFB-Pokalfinales waren die 850 Sitzplätze im Zelt schnell gefüllt. Zumindest so lange, bis die „Bayern Stürmer“ loslegten. Denn da wurde es auf den Stühlen auch schon wieder leerer, weil die Tanzfläche vor der Bühne vor lauter Tanzwütigen kaum Luft zum Atmen ließ. Nicht nur auf Kreuzfahrtschiffen, auf großen Schützenfesten oder in den USA weiß die Band für Stimmung zu sorgen. Auch in der Heimat klappte dies ganz vorzüglich. Bis tief in die Nacht hinein ging die Party. Weit über 1000 Besucher dürften am Sonnabendabend Zelt und Festgelände besucht haben, schätzt der Ortsbrandmeister.
Nach einer für viele vermutlich (zu) kurzen Nacht ging es am Sonntagmorgen gleich weiter. Spielmanns- und Musikzug zogen durch die Straßen und weckten die Bevölkerung für das Katerfrühstück.
Der nächste Höhepunkt war der Umzug, der um 14 Uhr startete. Eine logistische Meisterleistung musste zuvor vollbracht werden, um die 67 Gruppen in Reihe zu bringen. Ein Fahrzeug nach dem anderen brachte die Feuerwehrleute aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden. Die weiteste Anreise hatten die befreundete Wehr aus dem hessischen Söhrewald-Wellerode, wo der gebürtige Bockenemer Karl Brüdigam wohnhaft ist, sowie der Chef des Marinefluggeschwaders aus Cuxhaven, Wolfgang von Ahnem. Zirka ein Viertel der Gruppen waren aber auch Vereine aus Bockenem. Vorneweg liefen ab 14 Uhr der Musikzug Bockenem, die Ehrengäste und die fünf Ehrendamen. Dahinter reihten sich rund 1500 Personen ein und bildeten eine mehr als einen Kilometer lange Schlange. Eine halbe Stunde dauerte es, bis der Umzug vom Anfang bis zum Ende durchgezogen war.
Durch die Altstadt ging es an den beiden Altenheimen vorbei, durch die Martin-Luther-Straße und anschließend am alten Sportplatz entlang in Richtung Buchholzmarkt. So voll wie am Sonntag dürfte es dort noch nicht geworden sein. Denn neben den Umzugsteilnehmern sammelten sich dort auch zahlreiche Schaulustige ein und lauschten den Reden der Ehrengäste. Leider fing es währenddessen leicht an zu regnen, und hörte auch die nächsten Stunden nicht wieder auf. Doch alle hielten tapfer durch, auch wenn in den hinteren Reihen nicht viel zu verstehen war. Nach der Pause ging es mit einem Schlenker durch die engen Gassen (Wasserstraße, Königstraße, Winkel) wieder zurück zum Festplatz.
Nun wurde selbst das große Zelt viel zu klein für alle, die sich vollgeregnet erst einmal ins Trockene retten wollten. Auch draußen waren die Vordächer der Buden begehrte Plätze. Trotz des andauernden Regens ließen sich die Bockenemer und ihre Gäste die Stimmung nicht vermiesen. Drinnen musizierten die insgesamt sieben Musik- und Spielmannszüge aus Bad Salzdetfurth, Harsum, Nette, Itzum, Bockenem und der Fanfarenzug aus Harsum noch mehrere Stunden, ehe sie von einem DJ abgelöst wurden.
„Ich bedanke mich bei allen, die uns geholfen haben, dieses Fest auf die Beine zu stellen“, richtete Ulf Liewald seinen Dank gleich an eine ganze Reihe von Personen und Firmen. Er nannte die Stadt, den ASB, der drei Tage vor Ort war, aber glücklicherweise kaum zum Einsatz kam, die Polizei, den Familie Hartmut Schulz und Carrois (Festwirte), allen Feuerwehrleuten, den Gönnern und nicht zuletzt den Bockenemern für die fantastische Resonanz und das Schmücken der Straßen.
Angesprochen, ob solch ein Fest wiederholt werden könnte, meinte Liewald: „Das muss man abwarten. Es ist ein Riesenaufwand. In den nächsten fünf Jahren auf jeden Fall nicht.“ Wünschenswert wäre eine Wiederholung. Und, dass es nicht wieder 14 Jahre dauert. Denn wie zu sehen war, die Ambergauer haben sehnsüchtig darauf gewartet.