40 Jahre alter Grader hilft beim Autobahnausbau

 

Bartold von Gadenstedt jun. macht altes Fahrzeug wieder fit / Hanomag-Jahrbuch vorgestellt

Störy / Volkersheim (vo). In dem neuen Jahrbuch der Hanomag-Interessengemeinschaft erzählen die Autoren auf über 140 Seiten manch eine Geschichte, die den Leser zum Erstaunen bringt. Da ist zum Beispiel von einem scheinbar ungleichen Duell auf der Autobahn die Rede, zu dem der Volkersheimer Bartold von Gadenstedt jun. angetreten war. Zum Fuhrpark des passionierten Sammlers gehört auch ein sogenannter Grader, der beim Wegebau zum Einsatz kommt. Als sich dann die Gelegenheit für den Volkersheimer ergab, ein doch recht selten gewordenes Stück aus den später 1960er Jahren zu erwerben, schlug der erfahrene Sammler gleich zu. Aufgrund des hohen Aufwandes dauerte es einige Zeit, bis er den Motor wieder zum Laufen bringen konnte.
Da der landwirtschaftliche Betrieb immer wieder großen Einsatz erfordert, blieb der Grader zunächst einmal unter einer Plane stehen. Im Frühjahr 2008 bot sich die Gelegenheit, einen halbwegs einsatzbereiten Hanomag „GR 11“ als zweite Option anzuschaffen. Die Maschine wurde 1969 an die Baufirma Leonhard Moll in München ausgeliefert, die am Bau des Olympiastadions beteiligt war. Von dort aus war die Maschine bei einem Pferdezüchter in der Nähe von Dormagen gelandet. Als der Volkersheimer den Tipp bekam, fuhr er schnurstracks in Richtung Ruhrgebiet. Wenige Tage später stand der Grader auf dem Hof in Volkersheim. Nach dem Erwerb der zweiten Maschine rückte der Hanomag-Fan dem Grader-Projekt mit neuer Energie zu Leibe. Alle Öle wurden gewechselt, die Glühkerzen geprüft, die Einspritzdüsen gereinigt – und schon lief der Motor wieder rund wie am ersten Tag.

Bauleute bestaunten Leistungsfähigkeit

Im Herbst 2008 drehte das Fahrzeug seine ersten Runden aus eigener Kraft. Nun konnte die Maschine auch für die eigenen Feld- und Waldwege eingesetzt werden. Dabei sammelte der Hanomag-Freund viel Erfahrung im Umgang mit seiner Maschine. Zu der besonderen Begegnung kam es dann an einem schönen Sommertag im August 2012 auf der Autobahn 7, genauer gesagt im abgesperrten Bereich der Baustelle. Dort läuft seit gut zwei Jahren der Ausbau auf insgesamt sechs Fahrspuren. Da Bartold von Gadenstedt durch die angrenzenden Felder die beteiligten Bauunternehmen bestens kennt, war ein Ortstermin vereinbart worden. Der betagte Hanomag GR11, von dem es vielleicht noch eine Hand voll gibt, sollte es an dem Tag mit einem aktuellen Fahrzeug aufnehmen. So gab der moderne Grader BG 160TA-4 durch sein eingebautes Navigationssystem den Weg vor. Quasi im Schlepptau zeigte der Hanomag dahinter eine beachtliche Leistung, die nicht zuletzt auch dem Fachwissen des Fahrers zu verdanken ist. Ein Abschnitt von etwa 1,5 Kilometern Länge war zu glätten und für das Aufbringen der ersten Asphaltdecke vorzubereiten. Beide Maschinen lösten diese Aufgabe auf Anhieb – wenige Tage später lag bereits der Asphalt darauf. „Es versetzte auch die aktiven Baufachleute ins Staunen, dass ein mit 40 Jahren und mit etwa 8000 Betriebsstunden doch verhältnismäßig alter Grader noch für so anspruchsvolle Aufgaben ohne Probleme einsetzbar ist“, berichtet der Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Horst-Dieter Görg. Für diesen besonderen Augenschmaus hätten die Arbeiter auch schon mal ihre halbstündige Mittagspause ausfallen lassen. Sie freute es, den Bau-Oldtimer bei der Arbeit zuzuschauen. Nun wartet aber noch der zweite Grader unter der Plane darauf, wieder zum Leben erweckt zu werden.
Die 13 Kapitel des Hanomag-Jahrbuchs befassen sich außerdem mit den verschiedensten Hanomag-Produkten, aktuellem Geschehen und Geschichten aus Hannover-Linden. Dazu gehören auch zahlreiche Bilder aus über 175 Jahren Unternehmensgeschichte. Die Hanomag-Freunde der Interessengemeinschaft kümmern sich seit mehr als 25 Jahren um die Traditionspflege dieser großen hannoverschen Marke.

Ein Kapitel ist den Störyern gewidmet

Ein Kapitel ist auch dem Technik-Forum Hanomag in Störy gewidmet. Dort sind Fahrzeuge, Motoren und allerlei Utensilien gut und trocken aufgehoben. Mit der Einrichtung einer kleinen Werkstatt ist es den Liebhabern der traditionsreichen Marke mittlerweile gelungen, eine Reihe von Hanomag-Fahrzeugen für vielerlei Präsentationen im Rahmen der „historischen Öffentlichkeitsarbeit“ herzurichten. Diese Aufgaben werden von Vereinsmitgliedern wahrgenommen. Als Freiwillige kümmern sie sich im Rahmen ihrer Freizeit auch um die Pflege der Autos. Die Hanomag-Exponate werden dann auf ausgewählten Messen und Veranstaltungen ausgestellt und möglichst auch vorgeführt. Es gehört mit zur Philosophie, Fahrzeuge nicht einfach in einer Ecke verstauben zu lassen, sondern möglichst auch viele davon in Betrieb nehmen zu können.
Das Buch „Hanomag in Wort und Bild – Das Jahrbuch 2013“, 144 Seiten, herausgegeben von Horst-Dieter Görg und Andreas Asche ist im Lemgoer Verlag, ISBN 978-3-9813824-26, zum Preis von 19,90 Euro erschienen.