„Ärgerlich, aber nicht zu ändern“

Was soll man da machen? Nicht nur Bürgermeister Martin Bartölke (zweiter von links) in der "Magistratsschänke" war über den Verlauf der Hansetage mehr als entäuscht.
 
Die Gruppe „Schabernack“ führte trotz Dauerregen ihr Konzert auf der kleinen Bühne im Mittelalterlager auf.

4. Bockenemer Hansetage fallen sprichwörtlich ins Wasser / Schon Sonnabend bauen die ersten Händler ab

Das Wasser ist eigentlich das Element der Hanse. Der Städte- und Kaufmannsbund gründete sich schließlich an der Nord- und Ostseeküste, um zuerst die Wasserwege zu schützen. Doch später ging es auch weiter ins Landesinnere und so wurde Bockenem am 10. Juli 1427 in den Hansebund aufgenommen.
Am vergangenen Wochenende hätten die Bockenemer auf das Wasser, das vom Himmel kam, aber gerne verzichtet. Nach achtmonatiger Vorbereitungszeit war alles bestens organisiert. Nur am Entscheidenden konnten die Verantwortlichen nichts ändern: dem Wetter. Sonnabend eröffnete Bürgermeister Martin Bartölke um 13 Uhr die 4. Bockenemer Hansetage noch im Trockenen. Für einen Sonnabendnachmittag war in den nächsten Stunden schon erstaunlich viel los auf den Straßen. Die Grundschule Bornum und die Zumbagruppe vom Euro-Fitnessstudio hatte bei ihren Aufführungen auf der Bühne in der Sitzmulde eine ansehnliche Zuschauerkulisse. Doch anschließend begann der Regen.
Zunächst flüchteten die Besucher in die Angebote in die Häuser. Das Museum freute sich über eine große Anzahl an Gästen. Und auch im Kulturladen genossen die Zuhörer bei Kaffee und Kuchen die Klaviermusik von Rainer Abraham. „Ich war angenehm überrascht. Die Leute haben gut zugehört und es war eine tolle Atmosphäre“, freute sich der Pianist. und auch Claus-Ulrich Heinke war mit dem ersten Tag zufrieden: „Auch unsere Zusammenarbeit mit dem MTV Bockenem lief sehr gut.“
Doch der erhoffte „kurze Regenschauer“ sollte dann nicht mehr aufhören. Die ersten Händler schlossen ihre Stände bereits am Nachmittag oder reisten ganz ab. Denn ab da blieben auch die Besucher aus. Am Abend zum „Public Viewing“ des Champions-League-Finals kamen immerhin noch einmal über 50 Fußballfans zur Bühne. Und auch die Goslarer Gruppe „Schabernack“ trotze dem nassen Wetter und führte ihr Konzert unter dem Motto „Musik und Feuer“ im Mittelalterdorf durch.
Überhaupt, die „Mittelalterleute“ waren zu bewundern. Sie hielten mit am längsten durch. „Schlechtes Wetter haben wir öfter, darauf sind wir vorbereitet. Es ist halt kein Schönwettercamping“, meinten beispielsweise Karen und Uwe Alge, die aus St. Andreasberg angereist und zum dritten Mal dabei waren. Mit viel Wolle und Leinen hielten sie sich trocken und warm. Ähnlich äußerten sich auch die anderen. Am Sonntag um 11 Uhr stellte ihnen Holger Pieper, Organisator von Seiten der Stadt, dann allerdings frei, zu fahren. Und das wurde auch höchste Zeit. Denn der Platz auf dem alten Friedhof gegenüber der Grundschule versank geradezu im Wasser. Mit Stroh und viel Muskelkraft wurden die Autos mit ihren Anhängern ins Rollen gebracht. So extrem viel Wasser ist dann auch für diese Gruppe ungewohnt. Trotzdem dachte keiner daran, früher abzureisen. Nur das Wikingerlager konnte nicht bleiben. Deren Zelte standen schon in der Nacht komplett unter Wasser.
Eine knappe Woche wird es wohl dauern, bis die Zelte nun wieder trocken sind. Bitterer hat es die Schmiede getroffen. Dort wurde ein Blasebalg nass: „Wenn wir Pech haben, müssen wir den komplett ersetzen. Dann beträgt der Schaden schon 300 Euro.“ Trotzdem habe es wieder Spaß gemacht. Organisatorisch sei alles gut gelaufen und der Platz besser als im vergangenen Jahr hinter der Kirche.
Ähnlich äußerte sich Jürgen Elsholz, der für die Fahrten mit dem historischen Zug von Hildesheim bis Bornum verantwortlich war. 700 Gäste hätten eine Karte kaufen müssen, um die Kosten auszugleichen. Knapp 400 wurden es. „Am Sonntag stellten wir die Fahrten unter das Motto ‘Sonderzug der guten Laune’ und das traf es auch. Wir und auch die Gäste hatten jede Menge Spaß“, berichtete Elsholz. Das machte den kleinen Verlust dann zumindest etwas gut. Er dankte der HAW für die Bereitstellung der Strecke. Die Mitfahrer kamen nicht nur aus der Region. Selbst aus dem Rheinland und Hamburg gab es Gäste.
Bis 16 Uhr hielten auf dem Markt die letzten Stände durch. „Knüppel-Rudi“ mit seiner Eichsfelder Wurst, der „Schweinemichel“ und auch die Kommunalpolitiker in der „Magistratschenke“ schlossen ihre Tore erst, als wirklich niemand mehr da war.
„Bisher hatten wir meist Glück mit unseren Großveranstaltungen. Diesmal ist es ins Wasser gefallen. Das ist ärgerlich, aber nicht zu ändern. Wir hoffen auf bessere Bedingungen im Jahr 2015“, zieht Holger Pieper ein Fazit.