AGRAVIS eröffnet Betriebsstätte im neuen Gewerbepark

Die Symbolische Schlüsselübergabe für den neuen Standort der AGRAVIS. Es freuen sich Rainer Widdel, Daniel Müller, Andreas Laski und Alexander Nergonewitsch (von links).
 
Bockenems neue Wahrzeichen? Die neuen Getreidesilos sind weithin sichtbar.
3,5 Millionen Euro wurden in den neuen Standort investiert / Lagerstätte für 7.500 Tonnen Getreide

Bockenem (dh). Mit einer großen Feier hat die AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH die Eröffnung ihres neuen Standortes im Bockenemer Gewerbepark Süd begangen. Geschäftsführer Alexander Nergonewitsch begrüßte über 200 Gäste im Festzelt. Zufrieden äußerte er sich zugleich über das Wetter - strömenden Regen: "Bei Sonnenschein hätten wir sonst alle die Ernte einfahren beziehungsweise annehmen müssen und hätten hier nicht zusammensitzen können." Ab Dienstag solle es dann aber bitteschön trocken werden, so sein Wunsch. Insgesamt 3,5 Millionen Euro wurden in den neuen Standort investiert. "Mit fünf Mitarbeitern und einem Auszubildenden sind wir in Bockenem nun moderner, größer und leistungsfähiger aufgestellt", erklärte Alexander Nergonewitsch.
Allen ausführenden Firmen, darunter auch einige Bockenemer Betriebe, sowie den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dankte er für ihre Arbeiten. In einem halben Jahr sei ein Großteil der Anlage hochgezogen worden. Lediglich die Büroräume seien noch nicht ganz fertig. "Aber Ziel war es, die Ernte 2012 bereits in den neuen Räumlichkeiten annehmen zu können. Das haben wir geschafft!" Die ersten Lieferungen kamen bereits am vergangenen Dienstag. Die Landwirte Andreas Wecken aus Bornum und Jens Emmermann aus Nette weihten mit ihrem Getreide die neuen Silos ein.
"In den letzten Jahren gab es einige Strukturänderungen in der Landwirtschaft. Die Fläche pro Landwirt ist in Südniedersachsen auf über 100 Hektar angestiegen. Aber nicht alle Veränderungen fanden immer Anklang. Durch die Schließung von Standorten müssen einige Landwirte längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Aber das lässt sich nicht verhindern", so der Geschäftsführer.
Auch Jürgen Hirschfeld, der Vorsitzende des Getreideausschusses in Niedersachsen, sprach dieses Thema an. Die Landwirte seien froh, wenn sie ihr Getreide nicht direkt zu den Häfen liefern müssten, sondern es auch noch abseits der Flüsse und Meere im Landesinneren Annahmestellen gäbe. Aber, so mahnte er an, diese sollten auch erhalten bleiben. "Denn es bringt uns nichts, wenn die Getreidepreise, wie momentan, hoch sind, wir aber nicht an günstige Betriebsmittel wie Dünger oder Pflanzenschutzmittel herankommen." Dies ist in Bockenem nun gegeben. Rund um die Uhr können sich die Landwirte durch ein Kartensystem mit Flüssigdünger versorgen.
Nicht entgehen ließ sich die Eröffnung auch der Vorstandsvorsitzende des Mutterkonzerns AGRAVIS Raiffeisen AG, Dr. Clemens Große Frie. "AGRAVIS dokumentiert mit dieser Investition sein Engagement in seinem Kerngeschäft. Wir müssen ein gesundes Maß zwischen Bioenergie und Nahrung finden. Teller oder Tank heißt es da. Getreide sollte in erster Linie für die Nahrung zur Verfügung stehen," so der Vorsitzende. Er sprach auch die immer größer werdende Konkurrenz aus den Nachbarländern an: "Gerade die Skandinavier, Niederländer und Tschechen mischen auf dem deutschen Agrarmarkt inzwischen stark mit. Investitionen wie hier sind daher erforderlich, um unsere Schlagkraft zu erhöhen. Da wir vom Export leben, ist zudem die Beibehaltung des Euro sehr wichtig."
Bürgermeister Martin Bartölke freute sich selbstredend ebenfalls über die Ansiedlung. "Es war nicht immer ganz einfach, wir haben viele Gespräche geführt. Auch der Landkreis hat mitgewirkt und uns auf Probleme aufmerksam gemacht. Letztlich fiel die Entscheidung zu Gunsten Bockenems nicht, weil ich so gute Überredungskünste habe, oder die Bus- und Bahnanbindung so toll ist, sondern weil es betriebswirtschaftlich gepasst hat. Der neue Gewerbegebiet, die Nähe zur Autobahn, die Bedingungen haben gestimmt." Es gebe momentan zudem Gespräche mit einigen Unternehmen, um weitere Lücken im Gewerbepark Süd zu schließen.
Der neue Standort der AGRAVIS hat einen Getreidelagerraum mit einer Kapazität von 7.500 Tonnen und ist damit doppelt so groß, wie die alten Silos am ehemaligen Bahnhof. Pro Stunde können 250 Tonnen angenommen werden. Darüber hinaus ist ein 3.000 Tonnen großes Lager für gekörnten Dünger und eine 1.500 Quadratmeter große Umschlagsfläche gebaut worden.