Anbau für die Bockenemer Grundschule?

Das Gesicht der Grundschule Bockenem könnte sich im vorderen Bereich deutlich verändern. Vor dem rechten Anbau soll nach dem Plänen des Architekten Michael Aselmeier ein weiteres Gebäude entstehen.

Erster Entwurf vorgestellt / Kosten bei zirka 2,3 Millionen Euro / Computerraum wird nach Drehleiter-Stellprobe geschlossen

Wenn es nach dem Willen von Michael Aselmeier geht, bekommt die Grundschule in Bockenem einen weiteren Anbau.

Als beauftragter Architekt hat er im Rahmen der jüngsten Jugendausschusssitzung einen ersten Entwurf vorgestellt, wie die drei großen Bereiche Brandschutz, Inklusion und Ganztagsschule bewältigt werden könnten.
Dabei betonten sowohl er, als auch die Ausschussmitglieder, dass die vorgestellten Pläne nur ein erster Entwurf seien und sich daran noch einiges ändern könne. Allerdings, der Zeitplan ist ehrgeizig. Schon im Haushalt 2014 sollen die Mittel eingeplant werden. Die Ausschreibung könnte dann im Februar passieren, was sich auch günstig auf die Kosten auswirken dürfte. Die sind immens. Eine erste Schätzung für alle Maßnahmen beläuft sich auf zirka 2,3 Millionen Euro. Da sind zum Beispiel das neue Mobiliar noch nicht mit einberechnet.

Neuer Anbau im vorderen Bereich ist geplant

Das neue Gebäude soll nach den Plänen des Architekten auf den Schulhofbereich vor dem 60er-Jahre-Anbau gebaut werden. Dort könnten dann eine Mensa inklusive Küchenbereich und Fachräume untergebracht werden. Ansonsten sind im Erdgeschoss vier Klassenräume mit angeschlossenen Intensivräumen vorgesehen. In letzteren wäre dann eine Einzelbeschulung im Sinne der Inklusion möglich. „Somit hätten wir im Erdgeschossbereich für jeden Jahrgang eine Klasse und die Inklusionsanforderungen wären erfüllt“, erklärt Bürgermeister Martin Bartölke.
Im Obergeschoss könnten insgesamt sechs Klassenräume und ein weiterer Intensivraum eingerichtet werden. Im Obergeschoss des neuen Anbaus wäre die Verwaltung untergebracht, die damit auch näher an das Geschehen her­anrückt. Im Dachgeschoss, wo die Verwaltung bisher ist, wäre Platz für das Archiv oder einen Konferenzraum.
Eine weitere Neuerung wäre die Verbindung zwischen allen vorhandenen Gebäuden und auch im Obergeschoss. Der kleine Gang zwischen Alt- und 60er-Jahre-Bau würde verschwinden. „Damit ist dann die Brandschutzvoraussetzung erfüllt, dass jedes Gebäude zwei Ausgänge haben muss“, erläutert Aselmeier seinen Plan. Dann wäre auch das Problem mit dem Dachgeschoss behoben, denn von dort ginge es über das Flachdach der Verbindung in das Dachgeschoss des Nebengebäudes: „Für Erwachsene ist das ein durchaus übliches Mittel. Und Unterricht soll im Dachgeschoss ohnehin nicht mehr stattfinden“, so der Architekt.

Computerraum wird vorerst geschlossen

Der derzeit dort untergebrachte Computerraum wird ab sofort geschlossen. Das ist das Ergebnis einer Drehleiterstellprobe am Montag. Zwar würden die Kinder relativ schnell aus dem Raum herauskommen ­– wenn denn die Leiter da ist. Da diese jedoch in Bad Salzdetfurth steht, dauert die Anfahrt zu lange. In Absprache mit dem Landkreis wird daher dort nun nicht mehr unterrichtet. Die Schule muss sich erst einmal mit dem mobilen Laptop-Wagen aushelfen.
Der Schulhof würde sein Gesicht erneut deutlich verändern. Zwar wäre weniger Platz, dieses allerdings durch die verringerte Schülerzahl infolge der Schulbezirksänderung ausgeglichen. Außerdem käme zum Anbau eine Treppe mit mehreren Ebenen, was der „Betonwüste“ mehr Pepp geben würde, so Aselmeier. Im vorderen Bereich soll eine Rampe, unter anderem für die Inklusion, gebaut werden.
Auf Anfrage des Ausschusses, ob auch andere Varianten als ein neuer Anbau angedacht wären, teilte Aselmeier mit, dass unter anderem auch die Dachböden beider Gebäude genutzt werden könnten. Allerdings wäre ein Anbau vermutlich trotzdem notwendig und auch die Kosten wären nahezu identisch. Denn in diesem Fall müssten die Dächer komplett erneuert werden.
Zum weiteren Zeitplan meinte der Planer, dass nach der Ausschreibung bereits in den Osterferien der erste Spatenstich erfolgen könnte. Ende 2014/Anfang 2015 könnten die Arbeiten fertig sein.
Ob es zum Anbau kommt, muss nun allerdings erst noch in den Fraktionen entschieden werden. Auch die Schule wird noch diskutieren, ob dieser für das pädagogische Konzept sinnvoll ist. Dies soll schnell geschehen, eine weitere Sitzung soll noch im Oktober stattfinden. Ob der Ausschuss dort schon einen Beschluss fasst, steht noch nicht fest. Denn vom ersten Entwurf bis zum endgültigen Bauantrag kann sich noch einiges verändern.
Auch die Eltern werden sicher noch einige Fragen haben. Das zeigte sich schon während der Sitzung. Die wurde von der Vorsitzenden Patricia Neddermeyer (SPD) nach der Vorstellung des Entwurfs für Fragen unterbrochen. Reichen die nur noch zehn geplanten Klassenräume aus (Bartölke: „Ja, weil die Schulbezirke geändert wurden und daher, soweit man es planen kann, nur noch jeder zweite Jahrgang dreizügig sein wird.“), wie sieht es mit der Anlieferung für die Küche beziehungsweise Abholung des Mülls aus (Aselmeier: „Kann über die Rampe erfolgen.“), wird die Technik erneuert (Aselmeier:  „Es wird einen neuen Heizungskessel geben und wo es möglich ist auch neue Leitungen verlegt. Ansonsten wurden die alten Gebäude erst gut gedämmt.“)? Diese, und sicher noch mehrere andere Fragen, werden in der nun folgenden Diskussion beantwortet und gelöst werden müssen.
Ausschussmitglied Ralf Marten (CDU) stellte die Frage zum Ganztagsbetrieb:  „Über dieses Thema haben wir uns bislang noch nicht unterhalten. Wie ist der aktuelle Stand?“ Sowohl Verwaltung als auch Schulleiter Jürgen Andre stellten fest, dass der Druck mittelfristig zunehmen werde, den Ganztagsbetrieb einzuführen. Daher sei es richtig, diesen in die aktuellen Planungen mit einzubeziehen.
Die erst einmal im Raum stehenden 2,3 Millionen Euro wird die Stadt, sollte sie sich für diese Variante entscheiden, wohl komplett selbst zahlen müssen. Zuschüsse seien nicht zu erwarten, teilte Bartölke mit. Auch das Strecken über mehrere Jahre, um den Haushalt 2014 nicht so sehr zu belasten, sei unpraktikabel, wie Michael Aselmeier sagte: „Einer Schule im Betrieb ist das nicht zuzumuten. Außerdem würde es dann eher noch teurer werden.“

Entscheidung der Parteien ist noch offen

Wie sich die Parteien letztlich entscheiden, ist noch offen. Alle sind sich aber sehr bewusst, dass an der Schule etwas geschehen muss, und dies nicht kostengünstig zu haben sein wird. Da nun erste Schätzungen bezüglich der Kosten vorliegen, kann in die konkreteren Planungen eingestiegen werden. Das Thema „Grundschule“ wird die Bockenemer in den nächsten Wochen bis zur Verabschiedung des Haushaltes 2014 noch öfter beschäftigen.
Die weiteren Punkte während der Sitzung waren schnell abgehandelt. Beschlossen wurde, dass der Kinderspielkreis „Weinbergschnecken“ in Nette auch im kommenden Jahr einen kinderanzahlunabhängigen Zuschuss von 5.000 Euro bekommt. Derzeit sind dort 13 der 18 Plätze belegt, weitere kommen aber im laufenden Kindergartenjahr noch hinzu. „Die Einrichtung wird gebraucht und ist im Stadtgebiet die kostengünstigste“, stellte Bereichsleiter Michael Loske fest. Die Auslastung der Kindergartenplätze im Stadtgebiet habe im letzten Jahr bei 98 Prozent gelegen.
Der Bürgermeister teilte mit, dass die Rauchmelder für die beiden Grundschulen bestellt und wie versprochen bis Ende der Herbstferien eingebaut seien. Zudem liegt ein Zuschussantrag des SV Bockenem 1919/08 für den Umbau seines Vereinsheims (ehemaliges Hausmeisterhaus der Hauptschule in der Karl-Binder-Straße) vor. Dieser wird in die Haushaltsberatungen für das kommende Jahr mit einbezogen.