Anwohner wünschen sich Kontrolle im "Tonkuhlenweg"

Die Mitglieder des Ortsrates Bockenem machten auch am Spielplatz in der "Allee" Station. Hier ging es unter anderem um die Anschaffung eines weiteren Spielgeräts. (Foto: Knoblich)

Unberechtigte Nutzung des geteerten "Schleichweges" / Bockenemer Ortsrat auf Tour

"Viele Autofahrer halten sich einfach nicht an die Schilder. Die rasen hier einfach durch", sagt Ulrike Kiehne. Als Anwohnerin des Tonkuhlenweges an der Peripherie der Kernstadt gehört sie zu den Unterzeichnern eines Schreibens, dem jetzt die Mitglieder des Ortsrates Bockenem auf den Grund gingen. Die Politiker machten sich im Rahmen ihrer jüngsten Sitzung auf den Weg vor Ort.
Der Tonkuhlenweg ist nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Ein Verkehrsschild weist darauf hin, dass die Durchfahrt ansonsten für Krafträder und mehrspurige Kraftfahrzeuge aller Art verboten ist. Soweit zur Theorie. In der Praxis sieht das ganz anders aus. Viele motorisierte Zeitgenossen "übersehen" das Schild geflissentlich. Vor nicht allzu langer Zeit war der Tonkuhlenweg noch ein holpriger Feldweg. Damals hatten die Anlieger geklagt über den aufwirbelnden Staub, der Fenster und Fassaden verschmutzte. Die Stadt, die den Weg für die Landwirtschaft vorhalten muss, handelte. So wurde der Weg vor ein paar Wochen geteert. "Das ist hier schon immer ein Schleichweg gewesen; durch die Befestigung ist er nun noch attraktiver geworden", machte Ulrike Kiehne vor Ort deutlich. Der Weg werde gern von Spaziergängern, inbesondere von Müttern mit ihren Kindern, von Joggern, Inlineskatern und auch vom AWO-Kindergarten gern genutzt. Vor dem Hintergrund des Durchgangsverkehrs könnte da schnell mal etwas passieren.
Vor Ort mit dabei war auch der stellvertretende Leiter des Bauamtes der Stadt, Holger Schrader. Nach seinen Worten habe ein hier aufgestelltes Geschwindigkeitsmessgerät aufschlussreiche Daten geliefert, bevor Unbekannte es schon kurze Zeit nach der Aufstellung funktionsuntüchtig machten. Pro Tag wurde der Tonkuhlenweg demnach im Mittel von 50 Fahrzeugen frequentiert. Die Geschwindigkeit liegt bei durchschnittlich 40 km/h, der schnellste hatte über 60 "Sachen" drauf. Nun möchte man erreichen, dass die Polizei in diesem Bereich stärker kontrolliert. Die Anlieger jedenfalls wollen die Augen offenhalten. Vielleicht lasse sich ja der eine oder andere "Wiederholungstäter" durch eine Anzeige abschrecken. Die Ortsratsmitglieder baten ferner darum, die Geschwindigkeitsmessanlage nach erfolgter Reparatur wieder aufzustellen.
Station machten die Mandatsträger anschließend auch im Reesenweg, unweit des DLRG-Vereinsheims. Dort soll auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche ein Blockheizkraftwerk entstehen. Nach Aussage von Holger Schrader habe dies etwa die Größe einer Fertiggarage. Es dient dazu, die Energie von der geplanten Biogasanlage umzuwandeln und damit unter anderem das Schulzentrum und das Schwimmbad mit Wärme zu versorgen. In diesem Zuge wird auch ein Schallschutzgutachten zu erstellen sein. Nicht ohne Grund wies Gertrud Berner (SPD) darauf hin, dass Geräuschemissionen nicht immer unmittelbar wahrnehmbar sein müssen; vielmehr könnten auch kaum hörbare niederfrequente Töne das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Der Ortsrat votierte einstimmig dafür, dass diese städtische Fläche verkauft werden kann.
Ein weiterer Abstecher galt dem Kinderspielplatz in der "Allee", einer von insgesamt 42 im gesamten Stadtgebiet. Gemäß dem festgelegten Mindestandard für die Spielplatzausstattung fehlt hier ein Spielgerät. Ein Sandkasten ist vorhanden, eine Schaukel, eine Rutsche und eine Federwippe auch. Nicht zu finden aber ist eine Wippe beziehungsweise ein anderes attraktives Gerät. Hier will sich der Ortsrat nun Gedanken machen, "schließlich wird dieser Spielplatz von sehr vielen Kindern gern genutzt", betonte Ortsbürgermeisterin Christina Philipps. Etwa 600 Euro stehen für eine Beschaffung zur Verfügung. Außerdem soll geprüft werden, ob die Metallrutsche – sie heizt sich durch Sonneneinstrahlung stark auf – nicht durch eine im Freibad ausgemusterte aus Kunststoff ersetzt werden kann.
Einstimmig sprachen sich die Mandatsträger auch für die vorgesehene Änderung des Bebauungplanes "Vogesberg" aus. Die Evangelische Jugendhilfe Bockenem benötigt mehr Platz und plant hier eine Erweiterung ihrer Begegnungsstätte. Dafür würde dann auf einen geplanten Spielplatz an dieser Stelle verzichtet.