Arbeitskreis soll gebildet werden

Der Marktplatz sollte nach den Vorstellungen der Planer und vieler Bockenemer nach seiner neuerlichen Umgestaltung künftig kein „Parkplatz“ mehr sein. (Foto: Klaube)

Innenstadtsanierung soll auch ohne Förderprogramm angegangen werden / Vorschläge für Leitbild gesucht

Noch in den nächsten Wochen soll nach Mitteilung von Bürgermeister Martin Bartölke und Ortsbürgermeister Siegfried Berner ein Arbeitskreis gebildet werden, der sich mit der fertiggestellten Altstadtuntersuchung und dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept auseinandersetzen soll.

Dazu liegen in der Summe 370 Druckseiten DIN A4 vor. Diesem Arbeitskreis sollten Mitglieder des Rates, des Ortsrates, interessierte Bürger und Vertreter von Vereinen und Verbänden angehören. Aufbauend auf diesen Beratungsergebnissen würde es dann später bei der Umsetzung einen speziellen Ausschuss geben.
Es steht also viel Arbeit an, und der Bockenemer Ortsbürgermeister, der zweifellos vieles federführend handhaben wird, ist nicht zu beneiden. Ganz wichtig wird es sein, dass die Mitglieder dieses Arbeitskreises sich mit den Inhalten der Untersuchung vorher eingehend ausein­andersetzen. Wer dazu nicht gewillt ist, der wäre fehl am Platze. Es geht nämlich nicht um Einzelmaßnahmen, etwa das Auswechseln von Platten auf dem Buchholzmarkt oder wie momentan stattfindend, dass Aufbringen einer Teerdecke in der Königstraße. Es geht vielmehr um die Gestaltung der Königstraße mit Blick auf die gesamte künftig anzustrebende Städtebausituation der Kernstadt und um Gleiches für den Markt.
Heißt es in dem Untersuchungspapier beispielsweise, dass die verkehrliche Erschließung eines großen Teils der Kernstadtstraßen große Probleme biete, in etlichen Bereichen Nutzungskonflikte und Nutzungsüberlagerungen vorlägen, die Aufenthaltsqualitäten eingeschränkt seien und es an angemessenen verkehrsberuhigenden Maßnahmen fehle, so wird dem Markt ein ganz miserables Testat erteilt. Er sei zum Parkplatz mutiert, biete kaum Kommunikationsmöglichkeiten, zeige gastronomisch ein rudimentäres Angebot und einen erhöhten Leerstand von Ladenlokalen und sei aus städtebaulicher und aus freiraumplanerischer Sicht als unzureichend einzustufen.
Wenn nun ausgerechnet der Buchholzmarkt als eines der ersten Projekte angegangen werden soll und gar als Leuchtturm-Projekt apostrophiert wird, dann kann man sich vorstellen, was auf diesen Arbeitskreis zukommen wird. Dabei geht es beileibe nicht nur um eine neuerliche Marktumgestaltung, sondern vor allem auch darum, dort Geschäfte wieder zu beleben, wie auf der vergangenen Sitzung des Bockenemer Ortsrates ein Zuhörer in einem Beitrag völlig zu Recht anmerkte. Die diesbezügliche Antwort des Ortsbürgermeisters, dass man dazu auch mit dem Gewerbeverein sprechen müsste, dürfte angesichts dessen aktueller Schwäche wohl kaum als weiterführend gewertet werden können.
Die Komplexität dessen, was einen solchen Arbeitskreis künftig erwartet, skizzierte der Ortsbürgermeister mit dem Vortrag einiger der Untersuchungsergebnisse. Dabei bezog er sich auf die 17 Prozent der Leerstände im Kernbereich, auf die fehlende städtebauliche Verknüpfung von Markt und Lappenberg, für die es bereits Anfang der achtziger Jahre dem Rat einmal ein Konzept vorlag, auf die den heutigen Bedürfnissen und Anforderungen vielfach nicht entsprechenden Gegebenheiten der öffentlichen Verkehrsräume und auf das „Leuchtturm-Projekt Buchholzmarkt.“ Sein Fazit dazu: „Lasst uns mit dem Buchholz-Markt anfangen!“

Vorschläge für Leitbild werden gesucht

Das von den Planern in ihrer Kernstadtuntersuchung vorgeschlagene Leitbild der künftigen strategischen Entwicklungsziele der Stadt sollte unter dem Slogan „Bockenem – Stadt im besten Alter“ laufen. Das allerdings findet schon jetzt keine ungeteilte Zustimmung, und so läuft derzeit eine Meinungsbildung per Facebook, die von dem SPD-Ratsherrn und Haryer Ortsvorsteher Jörg Philipps angestoßen wurde. Die mittlerweile dort eingebrachten Vorschläge reichen von „Bockenem – Perle im Ambergau“ bis „Bockenem – für die beste Zeit im Leben“ oder von „Bockenem – nette Stadt mit Charme“ bis „Bockenem – neu entdecken.“ Der Phantasie sind folglich keine Grenzen gesetzt.
Dass über das Leitbild noch zu sprechen sein wird, wurde auch während der kürzlichen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses deutlich, auf der sich unter anderem der Ausschussvorsitzende Dr. Gerhard Bartels vehement gegen diesen Vorschlag aussprach. Vor allem der Begriff „Alter“ komme überhaupt nicht an und signalisiere nur Negatives. Doch nach einem dieser Slogan-Wahl begründenden Vortrag der Planerin Tanja Klein war es ausgerechnet Dr. Bartels, der zugab, dass dieser Vorschlag doch sehr gut durchdacht sei und Zusammenhänge aufzeige, auf die vor allem die für Bockenem interessante Zielgruppe der 50- bis 60-Jährigen ansprechen könne.
Eine recht lange Diskussion, die sich hieran anschloss, brachte dann aber doch insofern eine erste Klärung, dass man vorerst in dem zu stellenden Förderantrag auf einen Slogan verzichten, dafür aber später ein Leitbild formulieren wolle. Dazu riet auch der auf der Sitzung anwesende Uwe Mußgnug von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Ein solches Leitbild, so sein Fazit, müsse auf jeden Fall erkennbar sein.
Darüber gibt es jedoch offensichtlich überhaupt keine Klarheit. Während nämlich das Planungsbüro als strategisches Entwicklungsziel mit den Textabschnitten Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und bürgerschaftliches Engagement als Leitbild dieses „Bockenem – Stadt im besten Alter“ vorschlägt und dafür immer wieder auf die Zielgruppe derer im dritten Lebensabschnitt abhebt, wies der SPD-Fraktionsvorsitzende Siegfried Berner darauf hin, dass diese Formulierung kein Leitbild in der Hinsicht sein könne, aus der zu erkennen sei, was man in der Kernstadt letztlich in Zukunft anstrebe und wohin die Reise eigentlich führen solle. Ein solches Leitbild für die künftige Entwicklung habe man derzeit noch nicht und müsse es noch definieren.
Einig schien man sich dahingehend zu sein, die Sanierung der Innenstadt auch in dem Fall anzugehen, sollte Bockenem keine Aufnahme in dem Förderprogramm finden. Dazu der Bürgermeister Martin Bartölke: „Wenn nämlich die Stadt von innen stirbt, dann ist das definitiv schlecht für die gesamte Einwohnerschaft.“ Deshalb müsse man das Begonnene auf jeden Fall fortsetzen.
Das Förderprogramm, so wurde auf dieser Ausschuss-Sitzung noch einmal betont, ist mit 7,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von zehn bis zwölf Jahren angelegt.