Aus dem Dom zu Fritzlar zurück nach Bockenem

Museumsleiter Jörg-Dieter Besch beim Aufziehen der Weule-Turmuhr. Sie versah einst im Dom zu Fritzlar zuverlässig ihren Dienst. (Foto: Knoblich)
 
Der Fritzlarer Dom: In seinem Turm schlug ein "Herz" aus Bockenem.

Imposante Weule-Turmuhr nach Generalüberholung ab sofort im Bockenemer Museum zu sehen

Allmählich wird es eng im Bockenemer Turmuhrenmuseum; zumindest im Erdgeschoss. Hier befindet sich bekanntlich eine beeindruckende Sammlung von mittlerweile rund 70 imposanten Zeitmessern – alle aus der Produktion der namhaften Bockenemer Turmuhrenfabrik Johann Friedrich Weule und – manchmal auf abenteuerliche Weise – aus aller Welt wieder an ihren Entstehungsort zurückgekehrt. Seit neuestem erwartet die Besucher ein ganz besonderes Schmuckstück.

Von Karsten Knoblich

Bockenem. Wenn der rührige Museumsleiter Jörg-Dieter Besch durch sein „Revier“ schreitet, fach- und sachkundig zu jedem Exponat gerne die gewünschte Auskunft gibt, er auch mal spitzbübisch lächelt, wenn seinem Gegenüber beim Schlag der großen Glocke der Schreck in die Glieder fährt, dann merkt man ihm die Freude an, die ihm die Arbeit an seiner Wirkungsstätte bereitet. Und sein Blick verrät dann und wann auch ein wenig Stolz. Völlig zu Recht, denn Besch hat nicht nur konsequent und erfolgreich die Arbeit seines Vorgängers Heinrich Bothe fortgesetzt. Er hat der Einrichtung vielmehr mit immer neuen zur Schau gestellten Schmuckstücken, mit selbst initiierten (Dauer-)Ausstellungen und den lehrreichen, unterhaltsamen Museumsführungen für alle Altersklassen seinen Stempel aufgedrückt.
Nun ist die Sammlung historischer Turmuhren „made in Bockenem“ um eine Attraktion reicher. Zu bestaunen ist seit einigen Tagen das beeindruckende Herzstück jener Uhr, die viele Jahrzehnte zuverlässig im Turm des Domes zu Fritzlar (Hessen) anzeigte, was die Stunde geschlagen hat. Bei J. F. Weule produziert worden war sie im Jahr 1911. Sie ist nun die größte Weule-Uhr im Bockenemer Turmuhrenmuseum. „Sie ist uns vor einigen Jahren angeboten worden, und da konnte man einfach nicht nein sagen“, erinnert sich Jörg-Dieter Besch. Im Fritzlarer Dom vollbrachte die alte Dame wahre Höchstleistungen, musste sie mit ihrer Kraft doch gleich die Zeiger von vier Zifferblättern mit einem Durchmesser von jeweils etwa fünf Metern antreiben.
In den vergangenen zwei Jahren fristete die Uhr ein Schattendasein im Bockenemer Museums-Magazin. In liebevoller, teils kräftezehrender Arbeit wurde die rund 800 Kilogramm schwere Metallkonstruktion wieder aufgearbeitet und gangfähig gemacht. „Allein für das Rangieren des Uhrenstuhls waren vier kräftige Männer nötig“, so Besch. Der Museumsleiter würdigte insbesondere die Leistung von Hermann Poppe aus Volkersheim und von Hans-Jörg Drake aus Bockenem. Beide waren bei der Generalüberholung mit mechanischem Sachverstand zu Werke gegangen. Dem zentimeterdicken Schmutz auf den Zahnrädern beispielsweise wurde mit Waschbenzin zu Leibe gerückt. Jetzt präsentiert sich die Uhr wie aus dem Ei gepellt; fast so, als wäre die Zeit stehen geblieben, als hätte sie bei Weule gerade die Fertigung verlassen. Und das Beste: Es handelt sich hier nicht um eine Leihgabe, sondern um Museumseigentum.
Für den 19. April dieses Jahres kündigte Jörg-Dieter Besch übrigens eine besondere Veranstaltung an. An diesem Tag jährt sich nämlich zum 200. Mal der Geburtstag von Johann Friedrich Weule. Aus diesem Anlass wird der Ururenkel des Firmengründers, Prof. Dr. Hartmut Weule, in Bockenem erwartet. Mit ihm zusammen soll dann im Turmuhrenmuseum die Ausstellung „Weule und seine Zeit“ eröffnet werden.