Auschwitz-Fahrt macht Zehntklässler zu Zeugen

Mit teilweise erschreckenden Eindrücken kehrten die Realschüler aus Auschwitz zurück. Zum Programm gehörte auch ein Zeitzeugengespräch mit einem Roma.

Führung im Stammlager, Erhaltungsarbeiten und Zeitzeugengespräch

Bockenem (bo). 19 Schülerinnen und Schüler des kürzlich verabschiedeten 10. Jahrgangs der Wilhelm-Busch-Realschule in Bockenem haben die Gedenkstätte Auschwitz besucht. Zentrale Bestandteile der Fahrt waren Führungen im Stammlager und in Auschwitz-Birkenau sowie das Gespräch mit einem Zeitzeugen.
Im Stammlager wurde die Gruppe konfrontiert mit Zeugnissen des Massenmordes. Obwohl die Ausstellung nur einen kleinen Teil der gesammelten Haare, Schuhe, Koffer, Brillen und weiteren persönlichen Gegenstände der Häftlinge umfasst, hinterließ sie bleibenden Eindruck. Überall wurde die Brutalität und Grausamkeit gegenüber den Menschen sichtbar. Erschrecken lösten die Stehzellen, die Gaskammer mit dem Krematorium und die Fotos aus.
Birkenau entsetzt schon durch seine Größe von etwa 160 Hektar. In einer dreieinhalbstündigen Führung sahen die Jugendlichen die Baracken, die Rampe, die Überreste der Gaskammern und Krematorien. Ihnen wurde bewusst, dass es sich bei Birkenau um einen riesigen Friedhof handelt, denn überall findet sich Asche der Menschen, die im Lager umkamen.
An einem Nachmittag beteiligten sich die Schülerinnen und Schüler an Erhaltungsarbeiten auf dem Gelände. Damit zeigte die Gruppe ihren Respekt gegenüber den Opfern und trug ihren Teil zur Erhaltung der Stätte bei. Die Jugendlichen nutzten überdies die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Dokumenten, wie beispielsweise Transportlisten, im Archiv der Gedenkstätte zu informieren. Auch diese sind Beweise für das Geschehene und geben Auskunft über die Opfer. Beeindruckt waren die Zuhörer von dem Gespräch mit dem Zeitzeugen H. Patschkowski. Er ist Roma und war als Kind aus politischen Gründen in Auschwitz inhaftiert. Das hat ihm das Leben gerettet, da er als Roma sicher getötet worden wäre. Seine ganze Familie wurde in Auschwitz ermordet. Patschowski, der bis heute unter den Folgen seiner Inhaftierung leidet, machte den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass es ihre Aufgabe ist, zu erzählen, was sie in Auschwitz gesehen und gehört haben. Nach dem Zeitzeugengespräch informierte eine Vertreterin des polnischen Verbandes der Roma über deren Geschichte und jetzige Situation.
Weitere Programmpunkte waren eine Stadtführung in der Stadt Oswiecim, die Besichtung der örtlichen Synagoge und des jüdischen Friedhofes. Außerdem wurde die ehemaligen Hauptstadt Krakow besucht.
Die Jugendlichen stellen sich die Frage, wie es heute noch Menschen geben kann, die diesen Teil der Geschichte verleugnen, wo es doch so viele Beweise dafür gibt. Dennoch – selbst an ihrer eigenen Schule wird deutlich, dass manche einfach nicht begreifen wollen. Kurz nach der Rückkehr wurden Nazischmierereien und Hakenkreuze entdeckt. Gerade deshalb ist die Motivation der Gruppe nochmal gestiegen, über ihre Eindrücke in anderen Klassen auch anhand eines selbstgedrehten Videos zu informieren. Am Eingang einer Ausstellung im Stammlager stand der dazu passende Spruch: „Wer die Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie noch einmal zu durchleben.“
Die Reise war überhaupt nur möglich geworden durch die finanzielle Unterstützung des DGB Hannover, des Generalvikariates Hildesheim und von Bündnis90/Die Grünen. Dafür sind die Jugendlichen sehr dankbar.