Autobahnbrücke bei Mahlum in Schutt und Asche gelegt

An der Baustelle staubt es mächtig, aber beim Abbruch von 1000 Tonnen Beton ist das ja auch kein Wunder. (Foto: Vollmer)
 
Die ganze Nacht hindurch wird gearbeitet. Vier Bagger picken die Brücke weg. (Foto: Vollmer)

Vier Bagger picken die ganze Nacht hindurch um die Wette / Behinderungen auf Umleitungsstrecken

Von Michael Vollmer, Mahlum

Es ist genau 19.30 Uhr, als Straßenarbeiter am Sonnabend damit beginnen, die Ein- und Ausfahrt zur Autobahn bei Bockenem zu verriegeln. Auch an den Anschlussstellen Rhüden und Derneburg geht bald nichts mehr. Die Fahrzeuge werden von der Bahn gelotst, damit wenig später die Abbrucharbeiten von drei Brücken beginnen können. Sie müssen weg, damit dem Ausbau auf sechs Fahrspuren nichts mehr im Wege steht. Gleichzeitig bedeutet der Abriss eine logistische Meisterleistung sowohl für die Planer als auch die Bauarbeiter. Schließlich soll am nächsten Morgen um 9 Uhr nichts mehr bei Mahlum und Sillium an die Brücken erinnern.
Schon bald sind die ersten Schaulustigen an der Baustelle bei Mahlum, um das Geschehen zu beobachten. Die A7 ist wie leergefegt. Baumaschinen bestimmen das Bild. Mit Kameras halten die Zaungäste am Rande eines Feldes die historischen Bilder fest. Das laute Hämmern der Bagger dringt derweil monoton durch die Abendstunden. Einige Kilometer entfernt sind Spezialisten einer Fachfirma aus Osnabrück damit beschäftigt, die Sprengungen von zwei weiteren Autobahnbrücken vorzubereiten. 500 Löcher, die 50 Zentimeter tief sind, wurden bereits Tage zuvor gebohrt. Bis zu 200 Gramm Sprengstoff Ammon-Salpeter kommen hinein, um die Bauwerke dem Erdboden gleich zu machen. Gut 150 Kilogramm sind es pro Brücke.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Sicherheit. Niemand darf sich in einem Umkreis von 300 Metern aufhalten. Zu groß ist die Gefahr, von Betonteilen getroffen zu werden. 20 Sicherungsposten riegeln die Umgebung ab. In der Luft kreist ein Phoenix-Polizeihubschrauber. Ihm entgeht nichts, dafür sorgt die Wärmebildkamera. Sie nimmt insbesondere auch den nahe gelegenen Wald ins Visier.
Schließlich geben die Beamten grünes Licht für die Sprengung. Der Sprengmeister löst mit einem Horn das entsprechende Signal aus. Mittlerweile ist es etwa 22 Uhr als die erste Detonation erfolgt. Brücke eins sinkt bei Sillium in sich zusammen. Es dauert einige Minuten, bis der Staub sich gelegt hat und der Blick wieder frei ist. 1000 Tonnen Beton liegen nun auf der Straße. Doch so ganz glatt geht die Sprengung nicht. Ein mittlerer Pfeiler steht noch. Einige Sprengladungen haben nicht gezündet. Doch kurz darauf fällt auch die letzte Mauer. Die zweite Brücke geht in 600 Meter Entfernung wenig später zu Boden. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Bis zum Morgen muss der gesamte Schutt verschwunden sein.
Auch in Mahlum gehen die Arbeiten voran. Vier Bagger picken im gleißenden Scheinwerferlicht um die Wette. Lastwagen transportieren den Schutt im Minutentakt ab. Am nächsten Morgen sind alle Überreste verschwunden. Die Straßenmeisterei ist vor Ort, um die Fahrbahn zu reinigen. Doch die Aufräumarbeiten hinken dem Zeitplan hinterher. Der Termin 9 Uhr ist nicht mehr zu halten. Erst um 12.45 Uhr gibt die Polizei wieder den Verkehr in beide Richtungen frei. Doch da stauen sich die Autos bei Rhüden in Richtung Norden bereits auf 25 Kilometer Länge, in Höhe Derneburg sind auf der Richtungsfahrbahn Kassel immerhin zwölf Kilometer. Auf den Umleitungsstrecken kommt es zu Behinderungen. Kaum jemand hält sich an die offiziellen Umleitungsstrecken. Die Autofahrer vertrauen meist den Navigationsgeräten, die den kürzesten Weg anzeigen. Vor allem in Groß Düngen bekommen das die Bürger zu spüren. An der Ampelkreuzung nach Heinde geht es nur schleppend voran. Erst in den Abendstunden läuft auf den Straßen wieder alles normal.
Nach dem Großeinsatz auf der Autobahn können sich weder Bauarbeiter noch die Polizei lange ausruhen. Es ist geplant, schon in der Nacht zum kommenden Sonntag die alte Brücke an der Anschlussstelle Bockenem zu beseitigen. Dann heißt es wieder: Vollsperrung – auf der A7 geht nichts mehr. Und auf den Umleitungsstrecken wird wieder einiges los sein.