Barocker Hit im klassischen Gewand

Wann? 28.03.2015 20:00 Uhr

Wo? St. Pankratiuskirche, Bockenem DE
Mit ganzem Körpereinsatz: Die SingAkademie Niedersachsen beim Stimmtraining während der Proben für den „Messias“. (Foto: Möbus)
Bockenem: St. Pankratiuskirche |

SingAkademie Niedersachsen bringt Händels „Messias“ in Mozart-Fassung nach Bockenem

Händels „Messias“ gehört zu den bekanntesten Vokalwerken des Barock. Den eindrucksvollen Hallelujah-Chor darf man gar als echten Hit bezeichnen – jedenfalls heute, im 21. Jahrhundert. Zu Mozarts Zeiten war das Oratorium nur Insidern bekannt. Als er eine Notenschrift davon erhielt, war Mozart beeindruckt und wollte das Werk aufführen. Er schrieb sogleich eine eigene Fassung, die das barocke Meisterwerk mit dem Zeitgeist der Klassik kombinierte. Diese spezielle, selten aufgeführte Version bringt die SingAkademie Niedersachsen nun nach Bockenem. Am Sonnabend, 28. März ist sie um 20 Uhr mit dem „Messias“ in St. Pankratius zu erleben. Mit dem Konzert endet auch die Winterkirche, Gottesdienste und andere Veranstaltungen finden nicht länger im Gemeindesaal, sondern im „Ambergau-Dom“, der beeindruckenden St. Pankratiuskirche statt.
Eine Komposition verändern, um sie dem aktuellen Geschmack anzupassen: Heutzutage würde man das eine Respektlosigkeit nennen. Doch im ausgehenden 18. Jahrhundert war diese Praxis üblich und ein Zeichen großer Hochachtung für einen alten Meister. Claus-Ulrich Heinke, der künstlerische Leiter der SingAkademie, hat sich in Mozarts Bearbeitung vertieft und ist umso mehr davon begeistert. Die Sängerinnen und Sänger singen zwar die gleichen Noten, doch die Begleitung und besonders das Hinzukommen der Blasinstrumente gibt den bekannten Harmonien eine neue Wirkung. Bemerkenswert sei unter anderem der Einsatz der Bläser in den Arien, sagt Heinke.
Spannende Entdeckungen seien da möglich, kündigt der Dirigent an, Mozart habe das Werk „nicht radikal, aber deutlich verändert“. Auf der anderen Seite werde niemand vor den Kopf gestoßen: „Das Publikum bekommt durchaus seinen alten Messias, inklusive Hallelujah-Chor.“ Nach Bockenem und einem weiteren Konzert am 29. März in Mandelsloh geht es für die SingAkademie nach Österreich weiter, wo sie das Werk unter anderem bei einem Benefizkonzert im Wiener Stephansdom aufführen wird.
Der 80-köpfige Chor der SingAkademie, dessen Mitglieder aus ganz Norddeutschland kommen, kooperiert erstmals mit dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen. In diesem Orchester spielen Absolventen von Musikhochschulen und andere ambitionierte junge Musiker mit professioneller Ausbildung. „Ich erhoffe mir sehr viel davon“, sagt Claus-Ulrich Heinke über die Zusammenarbeit. Schon bei der Probenarbeit werde deutlich, dass die Mitglieder der Jungen Philharmonie eine höhere Motivation mitbrächten als manches routinierte Orchester.
Auch der Chor sei hundertprozentig bei der Sache, wie die bisherigen Intensiv-Probewochenenden gezeigt hätten: „Das ist eine sehr schöne und konzentrierte Arbeit.“ Stimmtechnik, Intonation und dynamische Feinjustierung stünden im Mittelpunkt, um das Werk trotz Mozart-Sound angemessen mit barocker Leichtigkeit präsentieren zu können.
Bei den vier Solisten vertraut die SingAkademie auf eine Mischung von überregionalen und regionalen Künstlern. Aus Hamburg und Berlin kommen die bundesweit aktiven Sopranistinnen Ilse-Christine Otto und Christiane Heinke, vom Ensemble des Theaters für Niedersachsen ist der Bassist Levente György dabei, und mit Georg Drake als Tenor komplettiert ein vielversprechender Absolvent der Musikhochschule Hannover das Quartett.

Vorverkaufskarten gibt es zum Preis von 18 (Mittelschiff) und 13 Euro (Seitenschiff) bei der MiA am Buchholzmarkt 12, in der Druckerei Lühmann, Marktstraße 2, Telefon (05067) 6363, oder per E-Mail unter vorverkauf@singakademie-niedersachsen.de. An der Abendkasse kosten die Karten dann 20 und 15 Euro.