Begeisterung über die „neue, alte“ Kirche

Alle Plätze waren bei der Wiedereröffnung der St.-Pankratius-Kirche besetzt. Einige Besucher mussten sogar stehen. (Foto: Vollmer)
 
Die rund 90 Musiker begeisterten die Besucher. (Foto: Vollmer)

Kein Platz bleibt frei bei der Wiedereinweihung der St.-Pankratius-Kirche

„Die Bockenemer haben ihre St.-Pankratius-Kirche lieb“, ist Pastor Ralph Thomas Strack fest überzeugt. Schließlich waren nach der umfassenden Sanierungsmaßnahme mehr Besucher zur Wiedereinweihung gekommen als es eigentlich Plätze gab. Einige mussten sich mit einem Stehplatz begnügen. Allenfalls Ostern oder Weihnachten wird es ansonsten so eng.

„Beinahe ein Jahr hat uns die Kirche gefehlt. Für die Gemeinde ist das heute ein bedeutender Anlass“, erklärte Ralph Thomas Strack, nachdem er gemeinsam mit dem Kirchenvorstand in die Kirche eingezogen war.
Am Ende war es für alle Beteiligten eine Punktlandung. Gerade noch rechtzeitig haben die Handwerker ihre Arbeiten in dem 600 Jahre alten Gotteshaus erledigt. Anschließend waren zahlreiche Helfer damit beschäftigt, in Windeseile alle Dinge wieder an ihren ursprünglichen Platz zu schaffen. Im Mittelpunkt der Sanierung standen große Teile des Daches. Das Holz befand sich in einem schlechten Zustand. Das Investitionsvolumen liegt bei 628.000 Euro. Den Löwenanteil davon trägt die hannoversche Landeskirche. Viel Zeit nahmen die Malerarbeiten in Anspruch (der „Beobachter“ berichtete). Die Gestaltung soll die gotische Bauweise besonders in Szene setzen.
Die Finanzierung der neuen Beleuchtungsanlage, mit der je nach Anlass bestimmte Akzente gesetzt werden können, musste die evangelische Gemeinde aber allein stemmen. Die Rechnung für die Pendelleuchten samt Steuerungsanlage beläuft sich auf 32.600 Euro. Spenden sind noch willkommen, obwohl bereits einige Zuwendungen von verschiedener Seite eingegangen sind. Bei dem Gottesdienst bekamen die Besucher schon einmal einen Vorgeschmack, welche technischen Raffinessen dahinter stecken. In der vergangenen Zeit hatte sich gezeigt, dass die inzwischen fast 50 Jahre alte Beleuchtung technisch nicht mehr auf dem erforderlichen Stand ist. Darüber hinaus genügte sie auch den heutigen Ansprüchen an eine angemessene Ausleuchtung des Kirchenraumes längst nicht mehr.
Die festliche Note bekam der Gottesdienst nicht zuletzt durch die 90 Musiker, die im Seitenschiff Platz genommen hatten. Neben dem Singkreis Diekholzen zählten Flöten und Blechbläser aus der Region sowie der Flöten- und Kirchenchor der St.-Pankratius-Kantorei zu den Mitwirkenden. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Kantor Christoph Pannek.
„Es ist ein bewegendes Gefühl, wieder auf der Kanzel zu stehen. Wir hoffen, dem Wesen der alten Kirche nahe gekommen zu sein“, sagte Pastor Strack in seiner Predigt. Das Innere strahle einen warmen freundlichen Glanz aus. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Inge Aldag, dankte unter anderem den Gremien des Kirchenamtes in Hildesheim, der Landeskirche, dem Amt für Bau- und Kunstpflege in Hildeheim sowie den zahlreichen Handwerkern, die eine hervorragende Arbeit hinterlassen haben. Das galt ganz besonders für den Bockenemer Malermeister und Restaurator Rolf Palandt. „Alles ist zum Glück rechtzeitig fertig geworden“, erklärte die Kirchenvorsteherin.
Ein Gruß galt der katholischen Clemensgemeinde für die Gastfreundschaft. Dort konnten zum Beispiel das traditionelle Weihnachtskonzert oder diverse Gottesdienste an den Festtagen stattfinden. „Die Kirchenvorstandsmitglieder waren fast täglich in der Kirche, zur Not auch mal in der Nacht“, betonte Inge Aldag. Auch Pastor Strack habe großes Engagement bei der Baumaßnahme bewiesen. Superintendentin Katharina Henking kann sich noch gut an ihren Besuch anlässlich einer Visitation in der Gemeinde erinnern. Da glich St. Pankratius einer Großbaustelle. Große Teile waren mit einem Gerüst versehen. „Es ist wieder Liebe auf den ersten Blick“, meinte die Superintendentin. Die Gemeinde habe eine Perle zurückgewonnen. Nun müsse das Haus kräftig genutzt werden.
An der Wiedereinweihung nahm auch der frühere Superintendent Dr. Hans-Christian Drömann teil, der von 1971 bis 1988 in Bockenem tätig war. „Der Anstrich ist wunderbar gelungen. Ich habe mich gleich wieder wie zuhause gefühlt“, erklärte der Hildesheimer. Noch gut sei ihm der bewegende Auftritt des Thomanerchores aus Leipzig in Erinnerung geblieben. Bürgermeister Martin Bartölke gratulierte ebenfalls zu der gelungenen Sanierung. Nicht zuletzt sei es für die Beteiligten ein finanzieller Kraftakt gewesen.
Vor dem Festgottesdienst nutzten zahlreiche Interessierte die Möglichkeit, an einer Kirchenführung mit Thido Saueressig vom Amt für Bau und Kunstpflege teilzunehmen. Dabei konnten sie auch Bereiche der Kirche in Augenschein nehmen, die sonst nicht zugänglich sind.