Begeisterungsstürme in der St. Pankratiuskirche

Hauptorganisator Lothar Stark.
 
Auch „Six-Pack“, die Band des evangelischen Jugenddienstes, begeisterte das Publikum wieder.
 
Johanna Niebuhr im Interview mit Claus-Ulrich Heinke.

Benefizkonzert „Bockenem hilft“ ist wieder ein Riesenerfolg / Über 3.000 Euro eingesammelt

Nur selten erlebt es eine Kirche, dass sich die Besucher von ihren Plätzen erheben und „standing ovations“ geben. Am Sonntag war es in Bockenem aber wieder soweit. Zum Benefizkonzert „Bockenem hilft“ kamen in das Gotteshaus mehrere hundert Menschen und sorgten für eine tolle Atmosphäre.
Seit 1999 gibt es diese lose Konzertreihe bereits, diesmal geht das Geld an die dem Jane Furse Hospital angeschlossene Aids-Station im Nordosten von Südafrika. Vier Frauen arbeiten dort ehrenamtlich, Unterstützung vom Start gibt es kaum. Deswegen sind sie auf Spenden angewiesen. „Ihre Arbeit dort ist sehr wichtig. Wenn dort jemand Aids hat und dies bekannt wird, wird er oft von der Gesellschaft ausgeschlossen, bekommt keine Arbeit mehr. Da in Südafrika das soziale Netz meist aus Familie und Freunden besteht, ist es für diese Menschen besonders hart“, erklärt Ulrike Bourehil, die im vergangenen Jahr mit dem „Gospel Spirit – Join Hands“-Chor in Südafrika war. Daraus entstand auch die Idee, für die Aids-Station zu sammeln.
Die „Gospel Spirits“ sind ein Projektchor, der im vergangenen Jahr zunächst zwei Chöre aus Südafrika in Deutschland beherbergte und anschließend selbst mit 55 Leuten in das afrikanische Land fuhr. Die meisten Mitglieder sind von den Bockenemer „Gospel Unity“, aber auch von Chören aus der Umgebung stammen einige Sängerinnen und Sänger. Jetzt, ein Jahr später, trafen sie sich erstmals wieder und waren eine von vier Gruppen, die das Bockenemer Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.
Mit dabei war auch die Junge SingAkademie Niedersachsen. Die stellte einige Lieder aus ihrem neuesten Projekt vor. Am 27. Oktober wird die im Hildesheimer Goethegymnasium ein Musical aufführen. Eine Kostprobe ihres Könnens gaben sie nun schon einmal vorab zum Besten. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bockenem, war ebenfalls mit von der Partie. Mit unter anderem zwei Stücken aus „Der König der Löwen“ hörte man von dem Orchester mal ganz unübliche Töne. Aber auch das passte und wurde von den Besuchern mit begeistertem Applaus aufgenommen. Spätestens als Hauptorganisator Lothar Stark das Publikum mit einbezog, war die Stimmung kurz vor dem Überkochen.
Auch „Six-Pack“, die inzwischen gut bekannte Band des evangelischen Jugenddienstes, sorgte im zweiten Teil des Konzerts für gute Laune und riss die Zuschauer mit. Sehr informativ war auch das Interview, dass Ulrich Heinke mit Johana Niebuhr führte (siehe unten). Die Spendensumme, eingesammelt in der Pause, verkündete „Hausherr“ Pastor Ralph Thomas Strack: „Ich möchte gleich doppelten Dank aussprechen. Zum einen an alle, die, in welcher Form auch immer, am Konzert beteiligt waren. Und natürlich an alle Spender. Es sind insgesamt über 3.000 Euro – allein heute Abend kamen 2.000 Euro zusammen.“ Die weiteren Gelder kamen bereits im Vorfeld von Privatpersonen, der Volksbank Bockenem-Seesen und der Hildesheimer Friedrich-List-Schule in.
Wie das Geld genau übergeben wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall nicht über eine Organisation, sondern direkt vor Ort. Erst einmal wird auch noch weiter gesammelt. „Wir erwarten noch einige Geldeingänge“, erläuterte Lothar Stark. „Nehmt etwas von der afrikanischen Fröhlichkeit, die wir hier heute gespürt haben, mit in den Alltag hinaus“, rief Ralph Thomas Strack den Gästen zu. In der Pause sorgte die Freiwilligenagentur MiA für die Verköstigung der Besucher. Auch diese Einnahmen gehen als Spende nach Südafrika.
Zum Abschluss sangen alle gemeinsam „Heal the world“ von Michael Jackson. Die Zeile „make it a better place“ – „macht sie zu einem besseren Ort“ – hatten sich an diesem Abend alle fest vorgenommen und, zumindest zu einem kleinen Teil, auch umgesetzt.

Heimweh nach Südafrika - Johanna Niebuhr verbrachte ein Jahr im Land am Kap und sehnt sich dorthin zurück

Ein Jahr hat Johanna Niebuhr über die Hermannsburger Mission in einem Township in Südafrika gelebt. „Ein Township ist eine Art Dorf, in dem fast ausschließlich Schwarze wohnen. Sie wurden zu Zeit der Appartheid angelegt und bestehen bis heute.“ Im August diesen Jahres zurückgekommen, hatte Johanna sofort Heimweh nach der Offenheit, Toleranz und Fröhlichkeit der Südafrikaner. Für sie war es zudem eine Reise „back to the roots“, denn ihr Vater stammt aus dem Land. „Im ersten halben Jahr lief es nicht so gut, ich hatte keine Arbeit und Probleme mit der Gastfamilie. Aber in dieser Zeit konnte ich viel nachdenken, habe einiges über mich gelernt und meinen eigenen Weg gefunden“ erzählte Johanna Niebuhr. Beeindruckt habe sie die Offenheit, mit der sie empfangen wurde. Anfeindungen habe sie, als einzige Weiße, überhaupt nicht erlebt.
Gearbeitet hat sie schließlich bei einem Blindenprojekt, in dem blinde und halbblinde Menschen aus Holz unter anderem Körbe herstellen. Sie hat für das Marketing gesorgt und einen kleinen Stand aufgebaut, damit die Produkte auch verkauft werden können.
Ebenfalls aktiv war sie in einem Weisenhaus. Eine Armut wie dort, habe sie vorher noch nicht erlebt: „Die Kinder wurden direkt von der Straße dorthin geholt. Leider fehlte das Geld und auch die Organisation war mangelhaft. Schließlich musste es geschlossen werden.“ Daraus zu schließen, dass alle Südafrikaner arm wären, wäre jedoch falsch: „Das ist genauso ein Vorurteil, wie die Afrikaner denken, alle in Europa wären reich. Spenden dorthin würden diesen Eindruck zwar weiter verstärken. Doch wenn konkrete Projekte unterstützt würden, werde die Hilfe auch gerne angenommen. Entwicklungshilfe, die in großen Summen überwiesen werde, komme oft nicht dort an, wo sie benötigt werde.
Die Idee, der Aids-Station unter die Arme zu greifen, findet sie gut. „Zwar ist die Ausgrenzung der Aids-Infizierten nicht mehr so stark, wie noch vor einigen Jahren, aber es existieren auch heute noch viele Gerüchte über die Krankheit. So wird sie teilweise als Gottesstrafe angesehen. Da der Glauben eine große Rolle spielt werden die Leute entsprechend behandelt.
Ob sie in Deutschland bleibe oder zurück nach Südafrika gehe, könne sie noch nicht sagen: „Trotzdem es vielen Menschen dort nicht gut geht, sind sie viel lockerer. Für eine Fußstrecke, für die man zehn Minuten brauchen würde, braucht man eine Stunde, weil man immer von allen Seiten angesprochen wird.“ Das vermisse sie doch schon sehr.