„Bei unserer Ankunft habe ich Kälte und Schnee vermisst“

Die fünf jugendlichen Mitglieder des Ensembles "Lukomorje" aus der russichen Stadt Gelendjik: von links) Dimitry (12 Jahre), Pawel (14 Jahre), Anne (12 Jahre), Anastasia (11 Jahre) und nochmal Anastasia (16 Jahre).

Fünf russische Jugendliche und ihre (Musik-)Erfahrungen in Deutschland / Heute Konzert im evangelischen Gemeindehaus Bockenem

Bockenem (dh). Womit verbinden russische Jugendliche Deutschland? "Mit Schnee," fällt Anastasia spontan ein. Sie ist eines von fünf jugendlichen Mitgliedern des Ensembles "Lukomorje" aus Gelendjik, welches zur Zeit durch Niedersachsen und Hessen tourt (der "Beobachter" berichtete). Die Sechzehnjährige ist zum zweiten Mal in Deutschland und bei ihrem ersten Besuch im Dezember 2010 war das ganze Land mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Diese suchte sie nun vergeblich. Immerhin, die Kälte ist inzwischen angekommen. Auch in ihrer Heimatstadt Gelendjik an der russischen Schwarzmeerküste bibbern die Menschen momentan, was eher ungewöhnlich ist. Minus 15 Grad sind sie normalerweise nicht gewohnt.
Pawel, 14 Jahre alt, fielen vor allem die vielen Klaviere auf. Kein Wunder, schließlich ist er der Pianist der insgesamt neunköpfigen Gruppe (zu den fünf Jugendlichen kommen zwei Ehepaare hinzu) und hat als solcher schon zahlreiche Preise gewonnen. Seinen Geburtstag feierte er ebenfalls hier und wurde mit einem Ständchen von Claus-Ulrich und Heidrun Heinke geweckt, dort ist die Gruppe während ihrer Tour untergebracht. Auch Anastasia wird das noch erfahren, sie erlebt ihren 17. Geburtstag am vorletzten Tag des Aufenthaltes. Gleich zwei Konzerte stehen dann auf dem Programm. Überhaupt, die gut dreiwöchige Tour ist vollgepackt mit Terminen. Schülerkonzerte, Seniorenkonzerte, Kammerkonzerte, Workshops. 22 Auftritte und drei Workshops, hinzu kommen Empfänge, zum Beispiel beim Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens. Doch sie machen es gerne, denn das Publikum in Deutschland ist angenehmer. In Russland tritt die Gruppe meist in Sanatorien auf. Davon gibt es in der Kurstadt Gelendjik einige. Während der Auftritte ist es meist laut, viele Anwesende hören nicht zu und kommen und gehen, wann sie wollen. Hier sei das anders, die Zuhörer ruhiger und am Ende gibt es meistens noch Geschenke. Daher würden die Jugendlichen auch gerne noch einmal wiederkommen, sofern sie eingeladen werden.
Doch zunächst geht es in Kürze erst einmal zurück in die Heimat. Und dann heißt es lernen und versäumten Schulstoff nachholen. Besonders für Anastasia. Sie ist im letzten Schuljahr und schreibt im Sommer ihre Abschlussarbeiten. Anschließend soll es zum Studieren nach St.Petersburg gehen.
Auf was werden sich die Jugendlichen besonders freuen, wenn sie zurück nach Hause kommen? Freunde, Familie und Haustiere werden genannt. Und gibt es auch etwas, was sie aus Deutschland vermissen werden? Saubere Städte, fällt ihnen ein. Viele nette Menschen ebenso. Pawel wünscht sich die technologische Entwicklung Deutschlands für seine Heimat und allen zusammen wird das deutsche Essen fehlen. Kuchen oder Nutellabrötchen sind eben International.