„Besondere Anerkennung für besondere Verdienste“

„Besonderen Verdiensten gebührt auch eine besondere Anerkennung“: Landrat Reiner Wegner zeichnet Gustav Philipps (rechts) mit dem Bundesverdienstkreuz aus. (Foto: Knoblich)

Landrat Reiner Wegner zeichnet Königsdahlumer Gustav Philipps mit Bundesverdienstkreuz am Bande aus

Von Karsten Knoblich
Königsdahlum

Wirft man einen Bick auf die Vita von Gustav Philipps, dann drängt sich eine Frage geradezu auf: Was hat der Königsdahlumer, der in wenigen Wochen sein 76. Lebensjahr vollenden wird, eigentlich nicht gemacht? Um die Stationen seines jahrzehntelangen, vielfältigen Engagements auch nur ansatzweise zu notieren, sind mindestens zwei eng beschriebene Seiten im DIN A4-Format nötig. Grund genug, diese Lebensleistung entsprechend zu würdigen.
„Besonderen Verdiensten gebührt auch eine besondere Anerkennung“, betonte denn auch Landrat Reiner Wegner. Der Chef der Kreisverwaltung hatte sich am Donnerstag von Hildesheim aus auf den Weg nach Königsdahlum gemacht, um dort, in der Straße Anger 30, Gustav Philipps einen Besuch abzustatten. Und das nicht von ungefähr. Wegner hatte die angenehme Aufgabe, Philipps im Auftrag des Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszuzeichnen.
Vor dem feierlichen Akt hatte der Landrat an das Wirken des zu Ehrenden erinnert, der am 6. Mai 1936 in Bockenem das Licht der Welt erblickte. Nach dem Besuch der Volksschule in Bockenem absolvierte Gustav Philipps von 1951 bis 1954 eine Lehre als Industriekaufmann bei den damaligen Harzer Achsenwerken in Bornum und war dort dann auch bis zum Eintritt in den Ruhestand 1993 tätig, zuletzt als Versandleiter. Seit 1960 ist er mit Ehefrau Marlies verheiratet. Ein Sohn und eine Tochter gingen aus der Ehe hervor.
Wie nicht nur der Landrat, sondern auch Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke im Rahmen der kleinen Feierstunde betonten, sei vor allem Philipps’ ehrenamtliches Engagement auf heimatkundlicher und auf Vereinsebene beziehungsweise für die Aufrechterhaltung des Kulturgutes für die Ehrung ausschlaggebend gewesen. Hier nur ein paar „Beweisstücke“: 1955 bis 1965: aktiver Sanitäter im DRK; 1965: Wiedergründer des seit fast zehn Jahren ruhenden Männergesangvereins „Germania“, 20 Jahre dessen 1. Vorsitzender, seit 20 Jahren Ehrenvorsitzender; 1981: Gründer des Frauenchores Königsdahlum; 1981: Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Dorfgemeinschaftshaus Königsdahlum und deren Leiter bis 1992, dann Ehrenleiter; 1990: Mitbegründer der „Plattduitschen Frünne“ und seit 1993 deren Leiter, die pro Jahr etwa acht plattdeutsche Abende im Ambergau durchführen; 1993: Mitbegründer der Dahlumer Dorfmusikanten, deren Manager und Schlagzeuger bis zur Auflösung 2011.
„Neben seiner Arbeit im Vereinsvorstand hat er zahlreiche Bücher in dem typischen ostfälischen, plattdeutschen Dialekt herausgegeben“, so Reiner Wegner in seiner Laudatio weiter. Der Landrat erinnerte an die plattdeutschen Gottesdienste auf dem Weinberg bei Nette und am Dillsgraben sowie an plattdeutsche Vorträge, Lesungen und Theaterstücke, an denen Gustav Philipps mitgearbeitet und mitgewirkt hatte und die ihn regional bekannt machten. Nicht zu vergessen: Der umtriebige Königsdahlumer ist Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Ostfälisches Platt, im Verein für Heimatkunde Ambergau sowie im Heimatbund Hildesheim. Maßgeblich wirkte er außerdem an der Beschilderung des Königsweges für die Strecke von Neuhof bis zur Grenze Ortshausen mit.
Gewürdigt wurde zudem das publizistische Werk. In seiner Eigenschaft als Ortchronist und Ortsheimatpfleger, der der 75-Jährige von 1987 bis 2011 war, gab er das Buch „Die Dörfer im Ambergau – Königsdahlum und Wohlenhausen“ heraus; er sorgte für die Neuauflage des Buches „Siu sau, sau lachet wei im Ambergau“ von dem Königsdahlumer Heimatdichter Karl Steinmetz und brachte die Lebenserinnungen vom Monteur der Firma Weule, Theodor Löhmann, bis zur Druckreife.
Auch auf kommunalpolitischer Ebene war Gustav Philipps über Jahrzehnte sehr aktiv. Von 1976 bis 1997 war er Mitglied des Ortsrates Königsdahlum, davon 15 Jahre Ortsbeauftragter, drei Jahre Ortsbürgermeister und sechs Jahre stellvertretender Ortsbürgermeister. Außerdem übte er von 1991 bis 1996 ein Mandat im Rat der Stadt Bockenem aus, war Mitglied im Finanz- sowie im Sport- und Jugendausschuss.
Wenn es Gustav Philipps heute auch etwas ruhiger angehen lässt, eines hat sich nicht geändert. „Wenn man ihn sucht, dann findet man ihn fast immer im Keller“, sagt seine Tochter. Dort befindet sich sein Büro; das ist sein Reich, seine kreative Ideenschmiede. Und hier, das sei nicht vergessen, entsteht auch heute noch der eine oder andere Bericht für den Seesener Beobachter. Nur allzu verständlich also, dass der Landrat auch der Familie, allen voran Ehefrau Marlies, dankte, die so manche Stunde ohne den Hausherrn auskommen musste.