Blüten – von opulent farbig bis schwarz-weiß

Dr. Matthias Harder bei der Einführung in die Ausstellung.

Vernissage „Lost Paradise“: 15 Künstlerinnen und Künstler stellen im Mönchehaus aus

Zwei Ausstellungsräume waren nötig, damit alle Kunstfreunde einen Platz fanden. Unter dem Titel „Lost Paradise“ stellen 15 Künstler ihre Blumenbilder im Goslarer Mönchehaus am Rosentor aus.
Dr. Bettina Ruhrberg begrüßte die Gäste mit der provokanten Frage, was denn Blumenbilder als ach so gefälliges Thema in einem Haus zu suchen hätten, das sich der modernen Kunst verschrieben habe. Doch Vorsicht, das Thema bietet beim Betrachten die verschiedensten Facetten. Die stellte Dr. Matthias Harder von der Helmut-Newton-Stiftung in Berlin in einer gründlichen Einführung heraus.
Alle Künstler haben die Möglichkeiten ihrer Kameras und Scanner ausprobiert. Da sind die opulenten farbigen Blüten von Luzia Simons vor schwarzem Hintergrund, die an alte Stillleben erinnern. Hans-Peter Feldmann hat einzelne Blüten vor farbigem Hintergrund fotografiert. Sie erinnern an liebliche Bilder aus dem Apothekenkalender. Kaiserringträger David Lynch hat bewusst nur die Struktur der Blütenüberflächen herausgerbeitet.
Martin Klimas zerschossene Vasen zeigten Momentaufnahmen. Während die Vase zerspringt, steht die Blüte noch in ihrer Unversehrtheit. Möglich wurde dies durch lange Belichtung.
Frauke Eigen, die bereits eine Ausstellung im Mönchehaus bestritt, steuerte zwei Schwarz-Weiß-Bilder bei. Eines mit Stoffblüten ist ohne Glas, um das Plastische hervorzuheben. Vergänglichkeit strahlt eine Serie von abgeblühten Blumen aus. Dass Blumen ein Sinnbild der Erotik sein können, zeigt die Serie von Miron Schmückle. Er fotografierte die Gewächse von der Rose bis hin zu Exotischem vor dem gleichbleibendem Ausschnitt seines eigenen Torsos.
Ganz ohne Skulpturen kommt man auch im Übergangsdomizil nicht aus. Das Künstlerpaar Paule Hammer und Sebastian Gögel schuf eine überdimensionale Vase mit heraushängenden Blüten. Sie zog die meisten Blicke auf sich. Luzia Simons und Christian Rothmann weilten unter den Gästen und erklärten, wie ihre Sujets entstehen. Luzia Simons scannt ihre Blüten, arrangiert sie zuvor aufwändig. Und dann kann es vorkommen, dass ihr etwas nicht gefällt und sie alles noch einmal neu zurechtlegen muss.
Alle 15 Künstler stellen die Blumen zugleich als etwas Vergängliches dar, ein verlorenes Paradies eben. „Lost Paradise“ geht auf ein Gedicht des Engländers John Milton zurück. Sämtliche Arbeiten stammen aus Berliner und Leipziger Galerien.
Das Geheimnis der Blumen kann man bis zum 23. September 2012 erkunden und in schönen Büchern nachem­pfinden. Matthias Harder hat selbst einen entsprechenden Band herausgegeben.
Dagmar Hoffmann