Bockenem jetzt wieder in Sächsischer Hanse

Unterschrift der Stadt Bockenem auf der 1,20 Meter langen Urkunde aus handgeschöpftem Papier (von links): Dr. Michael Fuchs (Halle), Bürgermeister Martin Bartölke, Michael Muchau (Halle) und der Bockenemer Hansebeauftragte Holger Pieper. (Foto: Klaube)
 
Neben der Fahne der Stadt hing gestern die der Hanse. (Foto: Klaube)

Bürgermeister Martin Bartölke unterschreibt 1,20 Meter lange Gründungsurkunde / Zusammenarbeit pflegen

Bockenem (LB). Die Anspannung war Bürgermeister Martin Bartölke anzumerken. Bei der mit Feder und Tinte zu leistenden Unterschrift auf der 1,20 Meter langen Gründungsurkunde des Sächsischen Hansebundes, die in ihrem oberen Teil in wohlgesetzter Schrift die Gründungsstatuten der neuen Vereinigung enthält, musste der Schriftzug ein angemessenes Bild zeigen. Deshalb wurde vorher erst einmal geübt. Doch die Aktion gelang hervorragend.
In das Bockenemer Rathaus war am gestrigen Mittwoch eine dreiköpfige Delegation aus Halle mit dem Hansebeauftragten Dr. Wilfried Fuchs, dem Ersten Vorsitzenden des Hallischen Kaufmannsvereins, Michael Muchau, und Yvonne Neuendorf als Vertreterin des Stadtmarketings Halle angereist. Ziel dieser Abordnung war es, die Unterschrift der Stadt Bockenem unter die Gründungsurkunde einzuholen. Noch am selben Tag sollte es mit gleichem Auftrag nach Hildesheim weiter gehen.
Die Stadt Bockenem war am 10. April 1427 der historischen Sächsischen Hanse beigetreten, der unter anderem Goslar, Magdeburg, Braunschweig, Halle, Hildesheim, Göttingen und Hannover angehörten. Der Zweck dieses Bundes bestand darin, den Handel in der Region zu fördern, die Handelswege zu sichern, Überfälle auf ihnen zu verhindern und sich des gegenseitigen Schutzes zu versichern.
In jüngster Zeit, genauer gesagt am 23. Mai dieses Jahres, hatten in Halle, in der Königlich Preußischen Saline, zwölf der insgesamt 40 Städte des historischen Sächsischen Hansebundes bekundet, die alte Vereinigung wieder aufleben zu lassen. Nach der derzeit laufenden Prozedur, der Einholung der Unterschriften, wird die feierliche Proklamation der neuen Vereinigung am 30. Juni auf dem 32. Internationalen Hansetag in Lüneburg erfolgen. Dort wird dann natürlich auch eine Abordnung aus der Ambergaumetropole mit dabei sein. Die Internationale (neue) Hanse hatte sich 1980 im niederländischen Zwolle konstituiert.
Nach den Worten von Dr. Fuchs verfolgt die neue Sächsische Hanse das Ziel, den Tourismus, die kulturelle Zusammenarbeit und die politische Verbindung zwischen den Mitgliedsstädten zu pflegen. Es ist angedacht, dass auch die Stadträte sich in spezifischen Fragen und Angelegenheiten untereinander austauschen sollten.
„Gemeinsam handeln, gemeinsam Handel“ – unter dieses Motto stellte Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke die Ausführungen in seiner Entgegnung. Bockenem sei zwar ein kleiner Partner in diesem Bündnis. Dennoch wolle man mit der Zeit zu anderen Mitgliedsstädten den Kontakt aufnehmen, und vielleicht ergäben sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht Geschäftsverbindungen zwischen Firmen und Unternehmen. Eine finanzielle Belastung der Stadt sei durch den Beitritt nicht gegeben, was die Mitgliedschaft wesentlich erleichtert habe. Bartölkes Resümee zum Schluss, bevor mit einem Glas Sekt angestoßen wurde: „Wir werden auf jeden Fall erst einmal mit dabei sein.“
Geschäftliche Verbindungen zwischen Bockenem und Halle hatte es in der Vergangenheit stets gegeben, worauf bei dieser Zeremonie der Bockenemer Hansebeauftragte Holger Pieper hinwies. So lieferte das Bockenemer Turmuhrenunternehmen Weule Uhren für verschiedene Hallesche Firmen, für die Hallesche Zeitung und für die beiden Kirchen St. Johanni und St. Laurenti. Auch im 18. und 19. Jahrhundert lassen sich geschäftliche Verbindungen zwischen beiden Städten nachweisen.