Bockenemer besuchen Bioenergieanlage in Jühnde

Die Gäste aus dem Ambergau erfuhren in Jühnde, wie eine dezentrale Wärme- und Stromversorgung erfolgreich umgesetzt werden kann.

Dezentrale Wärme- und Stromversorgung im Blickpunkt / Bürger von Anfang an mit eingebunden

Bockenem/Jühnde (bo). Einiges zu sehen und zu erfahren gab es für eine 20-köpfige Gruppe, die auf Einladung des Bockenemer Arbeitskreises ökologische Energie das erste Bioenergiedorf der Bundesrepublik in Jühnde bei Göttingen besuchte. In gut drei Stunden wurden die Besucher – unter ihnen auch vier Mitglieder des Rates der Stadt und ein Ortsratsmitglied – über die Entstehung sowie die Realisierung des Projekts informiert.
Wichtigstes Ziel ist die eigenständige, dezentrale Wärme- und Stromversorgung des Dorfes. In der Biogasanlage werden die nachwachsenden und CO2-neutralen Energieträger in Form von Silage aus Weizen, Roggen, Tritikale, Mais und Gras zusammen mit Rindergülle vergoren. Das entstehende Gas dient als Treibstoff für das Blockheizkraftwerk. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Abwärme des Motors wird zur Wärme- und Warmwasserversorgung von 144 Haushalten (70 Prozent) Jühndes über ein dafür gebautes Nahwärmenetz genutzt (Kraft-Wärme-Kopplung). In der Heizperiode wird die Wärmeversorgung durch ein Holzhackschnitzelheizwerk unterstützt, für Extremsituationen steht ein ölbefeuerter Spitzenlastkessel in Reserve.
Initiiert wurde das Projekt vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung der Uni Göttingen. Bis zur ersten Strom- und Wärmelieferung vergingen gut fünf Jahre, erfuhren die Gäste aus dem Ambergau. Der Erfolg habe sich unter anderem deshalb einstellen können, weil neben den Technikern auch Soziologen und Psychologen dafür Sorge trugen, dass die Bürger von Anfang an transparent über die jeweiligen Sachstände, aber auch über Probleme informiert worden und damit stets beteiligt gewesen seien.
Durch den Betrieb der Bioenergieanlage wird eine CO2-Einsparung von 3500 Tonnen pro Jahr erreicht. Und der Erfolg scheint durchaus übertragbar zu sein: Im Landkreis Göttingen gibt es weitere vier, in Deutschland 50 Bioenergiedörfer. Zusätzlich sind 150 Projekte in der Planungs- beziehungsweise Realisierungsphase.