Bockenemer zeigen Flagge

Rund 700 Personen hatten sich vor den Werkstoren der Meteor eingefunden und zeigten so ihre Entschlossenheit.
 
Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Opitz (rechts) spricht vor den Kameras von NDR und Sat.1 zur Belegschaft und Bürgern.

Übergabe von Unterschriftenlisten und Resolutionen an den Betriebsrat der Meteor

Wie das Kaninchen vor der Schlange, so beschreibt Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke die derzeitige Situation der Meteor, Bockenems mit Abstand größtem Arbeitgeber: „Ohne neue Aufträge kein neuer Investor, ohne neuen Investor, keine neuen Aufträge.“ Gegen diese verfahrene Situation wollen nun nicht mehr nur die Mitarbeiter etwas tun.
Vor knapp zwei Wochen sprach Meteor-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Opitz im Bockenemer Stadtrat (der „Beobachter“ berichtete). Er wolle, nachdem es nach eineinhalb Jahren Insolvenz immer noch keine klaren Verhältnisse gebe, nun die Öffentlichkeit mit einbeziehen. Das ließen sich die Bockenemer nicht zweimal sagen und reagierten schnell.
Am Donnerstag verabschiedete der Stadtrat eine Resolution. Darin heißt es: „der Rat der Stadt Bockenem verfolgt seit vielen Monaten mit Sorge die Entwicklung der Meteor Gummiwerke K. H. Bädje GmbH & Co. KG, dem wichtigsten Arbeitgeber unserer Stadt und der umliegenden Region.“ Der Rat bitte darum „Zum Wohl der Stadt Bockenem (...), bei Vergaben von Neuaufträgen zu Gunsten von Meteor zu entscheiden. Somit kann auch die Investorensuche erfolgreich abgeschlossen werden. Das Unternehmen wird dann langfristig als kompetenter Partner weiterhin für Sie zur Verfügung stehen.“ Denn die aufgetretenen Schwächen, durch die das Unternehmen in die Insolvenz rutschte, seien in den vergangenen Monaten abgestellt worden.
Der Ortsrat, als „kleinstes Licht der Politik“, wie es Ortsbürgermeister Siegfried Berner ausdrückte, schickte seine Resolution speziell an die Einkaufsabteilungen von VW, BMW und Daimler. „Wir hoffen, dass die Unternehmen verstehen, was die Meteor für unsere Stadt und die gesamte Region bedeutet und entsprechend handeln“, so der Ortsbürgermeister.
Doch nicht nur die Politik war in den letzten Tagen aktiv. Auch aus der Bürgerschaft kommt nun immer größere Unterstützung. Innerhalb einer Woche konnte der Bürgerverein Bockenem 1366 Unterschriften sammeln. Auch diese wurden nun vom Vorsitzenden Thomas Schneider vor den Fernsehkameras von NDR und Sat.1 an den Betriebsrat übergeben.
Über so viel Zuspruch war Wolfgang Opitz natürlich sehr erfreut. Rund 700 Personen, davon zirka 500 aus dem Unternehmen, hatten sich gestern morgen zu der kleinen Kundgebung vor den Werkstoren eingefunden. Viele hatten Gewerkschaftsfahnen oder selbstgebastelte Schilder mit Aufschriften wie „Geh’n bei Meteor die Lichter aus, dann wird’s auch in Bockenem finster“ oder „Meine Mutti arbeitet bei Meteor und das soll auch so bleiben“. „Ich hätte nicht mit so vielen Leuten gerechnet. Dafür danke ich euch. Ich bin mir sicher, dass die Aktionen Wirkung zeigen wird. Die Meteor ist eine 60-jährige Erfolgsgeschichte und die Existenzgrundlage vieler Familien und Zulieferer. Dem können sich die Kunden nicht verschließen“, ist Opitz optimistisch.
Er versprach, dass sich der Betriebsrat weitere Aktionen ausdenken wird, notfalls würden Busse gechartert und zu den Konzernzentralen nach Wolfsburg oder Stuttgart gefahren. „So schnell geben wir nicht auf. Viele bekannte Unternehmen in der Region wie Joba, Fuba oder K&S sind in den vergangenen Jahren pleitegegangen, das wird uns nicht passieren“, rief er den Anwesenden zu. Als Vertreter der IG  BCE war Bernd Westphal vor Ort, der den Anwesenden und vor allem den Beschäftigten ebenfalls Mut zusprach. Nun heißt es erst einmal abwarten, ob der öffentliche Druck die Großkunden beeindruckt und die Meteor das bekommt, was es derzeit am dringendsten braucht: neue Aufträge.