Böse Liebenswürdigkeiten

Emmi und Herr Willnowski hatten das Publikum von Beginn an auf ihrer Seite. (Foto: Hoffmann)

Emmi und Herr Willnowski begeistern im Bündheimer Schloss

Samstagabend – Kulturklubzeit in Bad Harzburg. Das Bündheimer Schloss war so voll, dass man sich gerade noch einen Weg um die Stuhlreihen herum bahnen konnte. Wer früh da war, konnte sich einen der begehrten vorderen Plätze sichern. Niemand Geringeres als das verrückte Comedy-Duo Emmi und Herr Willnowski gab „Liebenswürdigkeiten“ von sich. Solche wie: „Gestern kam ich nach Hause und wollte mich auf die faule Haut legen, doch die war einkaufen.“ Immerhin ist Herr Willnowski nicht mehr das russische Taigafrettchen, sondern zur Tastenfachkraft am Klavier aufgestiegen. Nach den ersten Takten ein Pfeifen. „Das kam hinten raus“, knarzte Herr Willnowski mit seiner unnachahmlichen Stimme. Dabei war das Mikro schuld.
Und dann: „Ein bisschen Hass muss sein“. Wie spannt man einen Vollidioten auf die Folter? Indem man ihn umbringt. Bitterböser Humor war das. Emmi hatte es mit der berühmten ersten Reihe. Der neunjährige Fabian aus Vienenburg, den Emmi mit Fanta und Naschzeug verwöhnte. Norbert ist 21 und verheiratet. Dann gibt es noch Julian aus Braunschweig. Braunschweig, das so schlampig bombardiert wurde. Mit allen trieb Emmi ihre Späße.
Zwischendurch wieder etwas Klavier, eine flott geklimperte Melodie, die entfernt an die Bachsche Fuge erinnerte. Herr Willnowski konnte auch ganz poetisch sein und betätigte sich als Märchenerzähler vom schwarzen Ritter auf einem schwarzen Pferd. Ralph-Siegel-Kompositionen adaptierten die beiden für ihre versteckten Gemeinheiten. Ich weiß, was ich will. Pause. Brüllendes Gelächter im Publikum und viel Applaus.
Ein besonderer Blickfang war Emmis wechselndes Outfit vom pinkfarbenen Glitzerkleid über ein schwarzes Ledermieder bis hin zu Goldlamee. Emmi an Fabian gewandt: „Was ist dein Lieblingsfach in der Schule?“ Fabian: „Pause.“ Er muss lernen, wann man nicht von hinten kommen darf. Bei Pferden und beim China-Restaurant. Emmi und Herr Willnowski parlierten weiter über Grabstätten auf dem Matterhorn und ihre skurrilen Inschriften. Anfänglich nachdenkliche Chansons wie „Es ist alles nur geliehen“, im Original von Heinz Schenk, geriet zur Lachnummer. Welches Lied soll ihre Liebe beschreiben? Spiel mir das Lied vom Tod. Die Gäste konnten sich vor lauter Lachen gar nicht mehr beruhigen.
Das Paar musste etliche Zugaben geben, ehe es von der Bühne kam. Emmi und Herr Willnowski versuchten sich sogar in englischer Sprache, was leidlich klappte. Last but not least gab’s die Persiflage auf das berühmte Nordseelied von Klaus und Klaus. Die beiden wurden mit frenetischem Beifall bedacht. Sie verabschiedeten sich und wünschten den Gästen auf ihre besondere Art einen guten Heimweg. „...und stürzen Sie sich ins Bad Harzburger Nachtleben“. Einfach herrlich!

Dagmar Hoffmann