Bürgermeister diskutieren über neue KiTa-Trägerschaft

Kirchenkreis hat die Aufgaben von vielen Kirchengemeinden übernommen / 41 KiTas sind betroffen

„Never change a winning team“ lautet eine Fußballerweisheit. Die evangelischen Kirchenkreise Hildesheimer Land-Alfeld und Hildesheim-Sarstedt haben es dennoch gewagt, das Bewährte hinter sich zu lassen. „Für die Championsleague haben wir uns nicht qualifiziert, aber in der Bundesliga wollen wir mitspielen“, erklärte Cordula Stepper vom Hildesheimer Kirchenamt Bürgermeistern und Fachbereichsleiter aus Kommunen in den Landkreisen Hildesheim und Hameln-Pyrmont. Allerdings ging es nicht um Fußball, sondern etwas viel Wichtigeres: die Betreuung der Kinder in Kitas und Krippen.
Im August vorigen Jahres haben die Kirchenkreise die Trägerschaft der evangelischen Kindertagesstätten umgestellt. Die Federführung liegt in den meisten Fällen nun nicht mehr bei den einzelnen Gemeinden, sondern zentral bei den Kirchenkreisen, und im Kirchenamt wurden betriebswirtschaftliche und pädagogische Leitungen für diesen Bereich eingerichtet. Der Wechsel war freiwillig: Sieben Gemeinden behielten ihre Kitas in der eigenen Obhut, doch die weitaus meisten nahmen den Vorschlag auf, so dass nun 41 Kitas zentral gemanagt werden.
„Das ist schon eine Veränderung größeren Ausmaßes“, sagte Hildesheims Superintendent Helmut Aßmann. Deshalb habe die Kirche Bürgermeister aus den 19 betroffenen Kommunen eingeladen, um das neue Modell im persönlichen Gespräch vorzustellen und Fragen zu beantworten. Fast alle Kommunen entsandten Vertreter. „Es verwundert, dass von der großen Stadt Hildesheim niemand anwesend ist“, bemerkte der Holler Bürgermeister Klaus Huchthausen und fügte hinzu: „Wir haben eine gewisse Empfindlichkeit, ob mit zweierlei Maß gemessen wird.“
Die evangelische Kirche komme der Stadt Hildesheim in der Kita-Frage nicht mit besonderen Angeboten entgegen, betonten Helmut Aßmann und Katharina Henking. Für die Eltern ändere sich ohnehin nichts, die Gebühren und Konditionen seien nicht verändert worden.
Ziel der neuen Trägerschaft sei es, besser auf die Entwicklungen der Bevölkerungsstruktur reagieren und zugleich Kosten reduzieren zu können, erklärte Kirchenamtsleiter Klaus Kastmann: Die Kinderzahlen nähmen rapide ab, im Verbund sei es leichter, auf diesen Strukturwandel zu regieren – zumal sich der Wettbewerb der Anbieter verstärke und ein Mangel an Fachkräften entstehe.
Sabine Schommartz, Pädagogische Leitung, zählte die inhaltlichen Vorteile auf, die die zentrale Trägerschaft mit sich bringe. Jetzt könne viel besser an gemeinsamen pädagogischen Standards gearbeitet werden. Aktuelle Themen seien die Umsetzung des neuen Kinderschutzgesetzes sowie ein verbessertes Qualitäts- und Beschwerdemanagement. Die Kirchenvorstände der Gemeinden seien von der Verwaltungsarbeit befreit und könnten sich stärker gestalterisch einbringen.