Das Einzelhandelskonzept liegt nun komplett vor

Die verbliebenen Geschäfte in der Innenstadt sollen mit einer neuen Vorschrift besser vor großen Verkaufsketten geschützt werden.

Auf der jüngsten Ortsratssitzung wird auch über die Sauberkeit der Stadt, den Lappenberg und die Nordstraße gesprochen

Mit großer Eile läuft derzeit durch den Bockenemer Ortsrat, den Stadtentwicklungsausschuss, den Verwaltungsausschuss und am 24. September durch den Rat, die Festlegung eines Zentralen Versorgungsbereichs der Stadt Bockenem, verbunden mit einer Sortimentsliste. Damit wollen Rat und Verwaltung Klarheit schaffen, was künftig wo in der Stadt angeboten werden kann, ohne die vorhandene Geschäftssubstanz weiter zu gefährden. Möglicherweise wird damit auch einem neuen Inte­ressenten entgegengekommen, der sein Interesse für eine Ansiedlung bekundet hat.
Grundlage dieser Festlegung ist das Einzelhandelsgutachten, das der Stadt jetzt komplett vorliegt, und zwar mit 56 Seiten Untersuchungsergebnis und 18 Seiten Handlungsempfehlungen. Dieses 10.000 Euro teure Gutachten sei laut geltender Vorschrift notwendig gewesen, um überhaupt einen sogenannten Zentralen Versorgungsbereich ausweisen zu können, ohne dass in Zukunft bei größeren Geschäftsgründungen der Landkreis weiterhin das Sagen habe, informierte Bürgermeister Martin Bartölke.
Der Inhalt der Neuregelung besagt, das sogenannte zentralrelevante Sortimente wie Bekleidung, Schuhwaren, Bücher, Elektroartikel, Computer und Fotowaren von größeren Firmen über 150 Quadratmetern Verkaufsfläche nur innnerhalb einer festgelegten Zone in der Kernstadt angeboten werden können. Kleinere Geschäfte betrifft dies nicht. Bereits vorhandene Supermärkte genießen Bestandsschutz. Nichtzentralrelevante Sortimente, beispielsweise Auto- oder Motorradartikel, dürfen dagegen verkauft werden.
Die Intention der jetzigen Regelung läuft auf den Schutz der in der Innenstadt noch vorhandenen wenigen Geschäfte hinaus. Künftig soll aus diesem Zentralen Versorgungsbereich die zentralrelevanten Sortimente betreffend keine Kaufkraft mehr abgezogen werden. Allerdings wurde innerhalb der laufenden Beratungen auch bekannt, das auf Antrag Ausnahmeregelungen möglich seien.
Der Landkreis befürworte dieses Vorgehen der Stadt, teilte der Bürgermeister mit, und der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses Dr. Gerhard Bartels unterstrich die Wichtigkeit und die Bedeutung des anstehenden Ratsbeschlusses. Im Bockenemer Ortsrat und im Stadtentwicklungsausschuss gab es keine Gegenstimmen.
Ein weiteres Thema auf der jüngsten Ortsratssitzung war die Sauberkeit der Stadt. Unkraut auf Verkehrsinseln, Unrat vor Grundstücken, ungepflegte Gehwege – SPD-Ortsratsmitglied Tanja Lichthardt forderte ihre Mitmandatsträger bereits auf dessen letzter Zusammenkunft auf, „mit offenen Augen“ durch die Stadt zu gehen. Dem stimmte Ortsbürgermeister Siegfried Berner zu, der zu dieser Anregung umgehend einige Bilder per Beamer beisteuerte und damit die Kritik von Frau Lichthardt untermauern konnte.
Erörterungsthema war zudem erneut der Containerstandort Lappenberg. Der Kleidercontainer ist inzwischen fortgenommen worden, und möglicherweise könnte das auch mit dem Papiercontainer geschehen. Aktuell hätten 60 Prozent der Bevölkerung die „Blaue Tonne“, informierte Bürgermeister Martin Bartölke. In der nächsten Zeit werde die Füllmenge dieses Papiercontainers überprüft und dann darüber entscheiden. Für die anderen Container zeichne sich noch keine Lösung ab.
Zu der Verkehrssituation in der Nordstraße wolle man die vorgenommenen Messungen noch einmal überarbeiten und sich dann Maßnahmen überlegen, teilte die Verwaltung mit. Noch keine „finale Lösung“ gäbe es auch hinsichtlich der Verkehrssituation im Bereich Danziger Straße/Vogesberg. Das tatsächliche Verkehrsaufkommen müsse dort erst noch ermittelt werden. Der Fußweg in der Wiesenstraße sei zur Erneuerung ausgeschrieben, und die Maßnahme werde noch in diesem Jahr fertig gestellt.