Das Jubiläum könnte der Schluss gewesen sein

Zum 20. Erzählcafé hatten Gleichstellungsbeauftragte Annegret Schnieder-Böttinger (links) und Mitorganisatorin Helga von Watzdorf (rechts) mit der neuen Superintendentin Katharina Henking eine interessante Gesprächspartnerin eingeladen.

Zum 20. Erzählcafé war Superintendentin Katharina Henking zu Gast / Wie geht es weiter?

Zum 20. Mal begrüßte Annegret Schnieder-Böttinger die wieder zahlreich erschienenen Gäste zum Erzählcafé im evangelischen Gemeindehaus. Vielleicht zum letzten Mal. Denn die seit 1999 stattfindende, lose Veranstaltungsreihe braucht ein neues Organisationsteam. Das bisherige steht nicht mehr zur Verfügung: „Doch vielleicht findet sich eine Nachfolge. Es muss nicht das Ende, sondern kann auch ein neuer Anfang sein“, sagte Schnieder-Böttinger in ihrer kurzen Eröffnungsrede.
Zu der Jubiläumsveranstaltung war ein besonderer Gast gekommen. Superintendentin Katharina Henking, seit Dezember 2011 im Amt, stellte sich vor. Zunächst wurden jedoch zwei Taizélieder gesungen. Kantor Christoph Pannek begleitete auf dem Klavier. Helga von Watzdorf erklärte den Ursprung dieser Lieder, die meist nur aus wenigen Zeilen bestehen und ständig wiederholt werden. Sie sind daher für jeden leicht zu erlernen.
In Taizé, einem ursprünglich kleinen, verschlafenen Ort in Burgund, gründete Frère Roger im Jahr 1949 den ersten evangelischen Orden. Oberstes Gebot war ihm dabei die Toleranz, heute sind in dem Orden auch Katholiken zugehörig. Es wird weder gepredigt, noch missioniert, trotzdem besuchen heute jedes Jahr hunderttausende, vor allem junge Menschen diesen Ort. 2005 wurde der Gründer von einer psychisch kranken Frau im Alter von 90 Jahren erstochen.
Im Anschluss stellten abwechselnd Annegret Schnieder-Böttinger und Helga von Watzdorf Fragen zum Thema „Wird die Kirche in Zukunft weiblicher?“. Zunächst ging es um den Lebenslauf der Superintendentin, die die Fragen vorher nicht kannte. „Ich ging keinen geraden Weg in Richtung Theologie“, erklärte sie. Sie habe zwar im Kirchenchor mitgesungen und bei der Jugendarbeit mitgemacht. Aber zunächst habe sie Dirigentin oder Medizin studieren wollen. Da das nicht geklappt habe, habe sie es dann mit evangelischer Theologie versucht, da dies „ein Fach mit großer Weite ist.“ Erst im anschließenden Vikariat wurde der „Schalter umgelegt“.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei bei ihrer ersten Pfarrstelle ein Problem gewesen. Kurz nach dem Antritt dort wurde sie schwanger, was bei dem Kirchenvorstand nicht unbedingt auf Verständnis stieß. Doch mit Hilfe bei der Kinderbetreuung habe sie es dann doch geschafft: „Aber auch da musste ich mich rechtfertigen, wie ich denn Kinder haben könne und gleichzeitig arbeiten gehe.“ Heute sei das glücklicherweise schon etwas anders.
Doch die Familie sei auch der Grund gewesen, warum sie nicht eher eine Superintendentur angenommen habe. Schon vor 15 Jahren sei sie gefragt worden, habe jedoch abgelehnt. Vor zwei Jahren habe sie dann die Stellenanzeige für den neuen Kirchenkreis „Hildesheimer Land-Alfeld“ gesehen. Die Kinder hatten inzwischen ihr Abitur und so bewarb sie sich nach vielen Gedanken. „Der Kirchenkreis ist zwar riesig, aber ich bin eine ´Gemeindepastorin´ und möchte daher gerne den Kontakt zu den Gemeinden haben“, sagte Katharina Henking, wofür sie den Applaus der Zuhörer bekam.
Auch heute sei die Gleichberechtigung von Frauen, auch in der Kirche, noch nicht überall gegeben, so die Superintendentin. „Eine 'Margot' alleine reicht nicht“, spielte sie auf die ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland an. In den mittleren Ebenen habe sich kaum etwas getan. Trotzdem sei sie gegen eine Quote. Zum einen, weil sich auch der Kirchen“mann“ gewandelt habe. Zum anderen, weil sich auf der Gemeindeebene Änderungen anbahnen. 60% der angehenden Pfarrerinnen seien weiblich.
Nach dem informativen, gut halbstündigen Gespräch ging es zum gemütlichen Teil des Nachmittags über. Bei einer reich gedeckten Kaffee- und Kuchentafel ließen es sich die Besucher gut gehen. Ob sie das in Zukunft auch noch können, wird sich aber noch zeigen müssen.