Das kleine Einmaleins in vier Stunden erlernen

Gedächtnistrainer Gregor Staub begeisterte auch am Abend die knapp 250 Besucher. Viele Eltern waren von ihren Kindern hingeschickt worden.
 
Gregor Staub auf Tuchfühlung zu den Schülern.

Gedächtnistrainer Gregor Staub begeistert Jung und Alt in der Ambergausporthalle

Wer Kinder im Grundschulalter hat, die gerade das Malnehmen erlernen, kennt es: Wochen-, ja monatelang muss man immer wieder die Vierer- Neuner- oder Dreierreihe durchgehen. Oder wer kann schon 9956 mal 9993 im Kopf ausrechnen? Mit wenigen Tricks geht es ganz einfach. Vedische Mathematik heißt das Zauberwort. Der Gedächtnistrainer Gregor Staub stellte die aus Indien stammende Technik, und noch vieles mehr, bei seinen Vorträgen in der Ambergausporthalle vor. Nicht umsonst seien die Inder was die Mathematik angeht, den meis­ten Deutschen weit voraus. Mit einfachen Mitteln könnten jedoch auch die Kinder hierzulande ganz einfach Zahlen, Daten oder Vokabeln deutlich besser erlernen. „Wenn sie das Erfolgserlebnis bemerken, macht das Lernen sogar Spaß. Denn wir lieben es, etwas zu tun, was wir gut können“, erläutert Staub.
Seinen langen Tag begann er mit zwei Vorträgen vor den 600 Schülern der Oberschule. In den ersten 90 Minuten waren die Jahrgänge fünf bis sieben an der Reihe, anschließend die Acht- bis Zehntklässler. Die hatte der „Gedächtnispapst“ schnell in seinen Bann gezogen. „Früher war ich Schweizer Meister im Video-Game-Spielen. Ich habe an drei Tagen nur vier Stunden geschlafen.“ Begeisteter Applaus der Zuhörer war die Folge. Mit 16 ist Gregor Staub vom Gymnasium geflogen, weil er nicht lernen konnte. „Ich dachte, es sei ganz normal, dass sich mein Gedächtnis nichts merken kann.“ Gedanken habe er sich erst mit 32 Jahren gemacht. Da habe er nach einem langen Flug eineinhalb Stunden sein Auto im Parkhaus gesucht, ehe ihm einfiel, dass er mit dem Zug gekommen war.
Anschließend war Lernen angesagt. „Wer glaubt, dass er in zwölf Minuten 20 thailändische Wörter lernen kann?“ Nur wenige Hände gingen in die Höhe. Keine vier Minuten später hatte Gregor Staub das Gegenteil bewiesen: „Die Schlange Kaa, aus dem Dschungelbuch, schlängelt sich mein Bein herunter – Bein heißt Kaa. Mit den Füßen gehe ich durch das nasse Tau – Fuß heißt Tau.“ Schlag auf Schlag ging es. Wiederholen, vorwärts, rückwärts, durcheinander und die meisten Schüler machten gerne mit. Der Traum eines jeden Lehrers. „Die Kreativität zu solchen Geschichten kommt nach kurzer Zeit. Dreißigmal gemacht und schon ist das kein Problem mehr“, erklärt der Gedächtnistrainer. Entscheidend sei das regelmäßige Wiederholen. Mit einer halbe Stunde am Tag sei es dabei allerdings schon getan.
Fehler sind dabei durchaus erlaubt: „Wenn ich etwas weiß, freue ich mich. Wenn ich einen Fehler mache freue ich mich auch. Schließlich habe ich den Fehler gefunden und kann ihn verbessern. Somit gibt es beim Lernen nur zwei Zustände – Freude und Freude.“ Fehler machen sei ein Prozess des Lernens. „Kleinkinder müssen tausende Male üben, bis sie endlich sicher auf beiden Beinen stehen können. Erwachsene würden nach fünfmal aufgeben und akademisch begründen, warum das Kriechen sinnvoller sei als Laufen.“ Alle 27 EU-Länder, die letzten zehn amerikanischen Präsidenten in der richtigen Reihenfolge oder die verschiedenen Bundesministerien inklusive Minister, alles war in wenigen Minuten gelernt. Sowohl am Vormittag bei den Schülern, als auch bei der öffentlichen Veranstaltung.
„Ich höre mir das heute zum dritten Mal an, aber sie müssen mich nicht bedauern“, war Schulleiterin Dagmar Pallinger auch am Abend noch vollauf begeistert. Viele Schüler und Schülerinnen hätten ihre Eltern nach dem vormittäglichen Vortrag geradezu bedrängt, sich das selbst auch einmal anzuhören. So war die Sporthalle mit knapp 250 Personen gut gefüllt. Und auch hier sprang der Funke schnell über. Selbst als am Ende eine Viertelstunde überzogen wurde, protestierte niemand. Am Ende gab es Standing Ovations für Gregor Staub. Der nahm sich im Anschluss Zeit, persönlichen auf alle Fragen der Eltern einzugehen. Dieses Angebot nahmen viele gerne in Anspruch. Auch vom Sonderangebot seiner CD „mega memory“, das von ihm entwickelte Gedächtnistrainig und „vedische Mathematik“ wurde reger Gebrauch gemacht.
Am Nachmittag gab es für die Lehrer der Oberschule eine Fortbildung. Wie kann man den Spaß am Lernen ermitteln und die Motivation erhöhen? „Zuhören und gleichzeitig schreiben ist nicht möglich. Das verlangsamt unser Denken um 90 Prozent“, gab der Gedächtnistrainer zu bedenken. Stattdessen solle man lieber jede Viertelstunde innehalten und die Schüler die wichtigsten Stichworte der letzten Minuten sammeln lassen. Ein Schuldirektor habe ihn einige Wochen nach einem dortigen Vortrag angerufen und mitgeteilt, dass ein regelrechtes „Lernfieber“ ausgebrochen sei. Auf dem Schulhof würden sich die Schüler die Namen amerikanischer Präsidenten zurufen oder schwere Kopfrechenaufgaben durchführen.
Ob es bei den Bockenemer Schülern soweit kommt, bleibt abzuwarten. Doch wenn nur einige der jungen oder älteren Leute Anregungen bekommen würden, habe es sich schon gelohnt, erklärt Gregor Staub. 9956 mal 9993 ist übrigens 99.490.308, mit etwas Übung in weniger als zehn Sekunden auszurechnen.

Weitere Informationen gibt es auf www.gregorstaub.com.