Der Gesangverein Bornum ist nun Geschichte

Nun gibt es kein zurück mehr: Die Mitglieder stimmten für die Auflösung des Gesangvereins Bornum von 1858. (Foto: Vollmer)
 
Ein letztes Foto: Der Vorstand des Bornumer Gesangvereins mit dem Vorsitzenden Manfred Pohl, Stellvertreter Horst Kleimann, Schriftführer Gerhard Haetscher und Kassenwart Fritz Dröge verabschiedet sich. (Foto: Vollmer)

Mitglieder stimmten für die Auflösung / Zuletzt nur noch 20 Aktive / 100 Jahre altes Klavier für die Grundschule

Von Michael Vollmer
Bockenem

Außerordentliche Mitgliederversammlungen sind oftmals kein gutes Zeichen, vor allem wenn wie beim Gesangverein von 1858 Bornum die Auflösung des Chores auf der Tagesordnung steht.
Dunkle Wolken waren bei den Bornumer Sängern schon lange aufgezogen. Die Zahl der Aktiven war zuletzt auf etwa 20 zurückgegangen und Chorleiter Heinz Siegert, der seit 1983 als Dirigent tätig ist, wollte im kommenden Jahr zum 80. Geburtstag ohnehin seine Tätigkeit an den Nagel hängen. Spätestens dann wäre Schluss gewesen. Nun kommt das Ende des Gesangvereins, der immerhin auf eine 153-jährige Geschichte zurückblicken kann, doch schon früher als erwartet. Ende 2011 ist der Verein abgewickelt. Bei einer Gegenstimme fiel schließlich das Votum für die Auflösung aus.
Bereits im April hatten die Verantwortlichen festgelegt, keine Singabende oder öffentliche Auftritte mehr zu veranstalten. Einen Monat später folgte noch einmal eine ausführliche Diskussion über die Zukunft des Gesangvereins. „Wir wären im Frühjahr 2012 eh so verfahren. Die Auflösung kommt nun unwesentlich früher“, erklärte Vorsitzender Manfred Pohl bei der letzten Zusammenkunft der Mitglieder. So wurden bereits für 2011 keine Beiträge mehr erhoben. Es standen aber noch verschiedene Aktivitäten für die Aktiven auf dem Programm, wie zum Beispiel ein Spargelessen oder eine Adventsfahrt. Die Finanzierung erfolgte aus der Vereinskasse.
„Irgendwann ist eben der unausweichliche Punkt gekommen. Wir haben den Niedersächsischen Chorverband über unseren Austritt unterrichtet. Der Präsident hat mit Bedauern auf diesen Schritt reagiert“, erläuterte Manfred Pohl. Weitere Formalien mussten erledigt werden, so zum Beispiel die Kündigung der Feuerversicherung oder die Information der übrigen Bornumer Vereine. „153 Jahre sind eine lange Zeit. Rumquälen muss nicht sein. Ich bin froh, wenn die Sache dann über die Bühne gegangen ist. Wir sind sicherlich nicht der letzte Verein, andere stehen schon auf der Treppe“, meinte Pohl, der mit einer großen Portion Wehmut die Sitzung leitete.
Die Mitglieder beschlossen, das über 100 Jahre alte Klavier der Grundschule zu vermachen. Es muss allerdings wohl noch gestimmt werden. Außerdem sind einige kleine Reparaturen fällig. „Die Schule hatte im Vorfeld ihr Interesse angemeldet“, so Pohl. Die Schränke samt Inhalt können in dem Raum verbleiben. Anders sieht es mit den Dokumenten wie den Protokoll- oder Kassenbüchern aus. Die Relikte aus vergangenen Tagen sollen dem Stadtarchiv in Bockenem übergeben werden, um sie für die Nachwelt zu erhalten. „Da kann jeder dann auf die Daten zurückgreifen“, meinte Manfred Pohl. Immerhin stammt das älteste Kassenbuch aus dem Jahr 1865. Auch die Gründungsurkunde liegt noch vor. Die historischen Fahnen sind im Schrank in der Turnhalle derzeit noch gut aufgehoben.
Nach Abzug aller Kosten verbleiben 140 Euro in der Kasse des Gesangvereins, teilte Kassenwart Fritz Dröge mit. Das Geld geht nach dem Willen der Mitglieder an den Förderverein der Grundschule.
Mit großem Bedauern sieht Ortsbürgermeister Hans-Hermann Niehoff die Auflösung des Gesangvereins. Er richtete einen besonderen Dank an den Vorstand, den Dirigenten und die Aktiven. „Das ist ein bedeutsamer Schritt, den ein Ort nicht alle Tage erlebt. Der Gesangverein war stets eine feste Größe in Bornum. Bald wird eine Lücke da sein“, erklärte der Ortsbürgermeister. Vor allem gehe auch der gemütliche Klönschnack nach manch einer Sitzung verloren. „Der Ort verliert ein Stück Kultur“, sagte Niehoff zum Abschied.
Beim Gesangverein bleibt es nicht: Als nächstes wird sich wohl die Siedlergemeinschaft Bornum für immer verabschieden.