Die Freunde der Natur – lieben Käse pur!

Wieder einmal ausgebucht: das Historische Käsebrotessen im Hotel „Zum Rathaus“.
 
Sie halten dem Verein seit 50 Jahren die Treue.
 
Ausrufer Hans-Werner Behnke.

Seit 50 Jahren gehören die Natur- und Heimatfreunde Rhüden unverzichtbar zum Dorfleben / Mitglieder geehrt

Am vergangenen Freitag trafen sich die Rhüdener Natur- und Heimatfreunde zu ihrem traditionellen Käsebrot-Essen im Hotel „Zum Rathaus“, um bei Speis und Trank gesellige Stunden zu verbringen und um das 50. Jahr ihres Bestehens fröhlich zu feiern.
Zunächst begrüßte Vorsitzender Burkhard Heunecke die rund 250 erschienenen Gäste und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Mitglieder der Rhüdener Ortsfeuerwehr und das Deutschen Roten Kreuzes. Der traditionelle Ausrufer, der im Jahre „Anno Dazumal“ mit dem Drahtesel im Ort unterwegs gewesen war, wurde an diesem Abend perfekt durch Hans-Werner Behnke nachgestellt.
Die anschließende leibliche Stärkung – diese besteht seit 25 Jahren aus leckerem Harzer Käse und ofenfrischem Brot aus der Region – geht übrigens auf einen sehr alten Brauch zurück: Am Ende des (Kirchen-) Jahres belohnten die Landwirte einst diejenigen, die sie bei sich zu Hand- und Spanndiensten verpflichten konnten. Die Festteilnehmer jedenfalls hatten nach der Stärkung ein offenes Ohr für den Rückblick auf die 50-jährige Vereinsgeschichte, die Burkhard Heunecke bestens präpariert vortrug.
Im Gründungsjahr 1962 hatten der damalige „Klein Rhüdener“ Bürgermeister Fritz Kölle und sein Gemeindedirektor Johannes Sälzer die Rhüdener Öffentlichkeit zur Gründungsveranstaltung eingeladen. Da damals Rhüden noch ein geteilter Ort war, kann man im Rückblick besser verstehen, warum der Verein bis heute mehr Mitglieder aus dem einstigen Klein Rhüden hat. Seinerzeit meldeten sich überwiegend 23 Gründungsmitglieder aus „Klein Rhüden“ verbindlich an. Der erste Vorstand wurde gewählt. Vorsitzender wurde Otto Fiedler, die Wahl des Heimatpflegers entfiel auf Gustav Fricke.
Nach diesem erfolgreichen Senkrecht-Start gingen die Verantwortlichen alsbald daran, die ideellen Vereinsziele auch in die Wirklichkeit zu überführen. Auf der satzungsgemäßen Agenda stand zunächst die Dorfverschönerung: Es wurden Bäume angepflanzt – beispielsweise die Birken am städtischen Friedhof; eine Pumpe an der Friedenseiche zeugt noch heute vom damaligen Tun.
Kultur hat allerdings viele Gesichter. Eines davon ist die volksnahe Weiterbildung. Und dies vor allem in Sachen Heimatkunde. Daher traten alsbald die bis heute lebendigen monatlichen Versammlungen auf den Plan. An ihnen werden bis heute dörfliche Themen präsentiert und heimatkundliche Vorträge diskutiert. In der ersten Zeit beispielsweise mit dem Heimatdichter Wilhelm Kaune, dem Oberförster Bauer aus Seesen und mit Heimatgruppen des Harzklubs. Letztere Beteiligung weist bereits in die nächste kulturelle Dimension.
Was nützen denn alle noch so gut vorbereiteten Beiträge über die liebe Natur vor der Haustür, wenn man nicht auch selbst unter die Füße nimmt, was man begeistert im Herzen trägt. Daher folgten alsbald erste gemeinsame Wanderungen mit dem Nachbarverein in Bornum und ab 1970 jedes Jahr zu Himmelfahrt bis heute mit dem Bockenemer Verein für Heimatkunde. Die Erstellung von Bilderserien über Alt-Rhüden und auch über alle Wassermühlen im Nettetal kann man wohl nirgends besser vorbereiten als auf Schuster Rappen.
Ein für Rhüdener bedeutsames Detail hob Burkhard Heunecke bei seiner Adresse alsbald hervor: Im Jahre 1970 wurde wegen der bevorstehenden Eingemeindung zur Stadt Seesen der Vereinsname umgeändert von „Klein Rhüden“ in Rhüden. Mit diesem Schritt erwies sich der auf lokale Tradition bedachte Verein als absolut zukunftsgerichtet. Denn damit hat er einen bedeutenden Beitrag zur Einigung des lange geteilten Ortes geleistet. Auf dieser Linie lag auch der damalige Beschluss, sich künftig an allen örtlichen Vereinsjubiläen zu beteiligen, und sich nicht nur am eigenen Entstehungs-Terrain zu orientieren.
Heunecke schwenkte danach herüber zum bis heute wichtigsten Vereinsziel: dem Rhüdener Heimatmuseum. Zunächst konnte im Jahre 1964 eine „Heimatstube“ eingerichtet werden. Sie bestand aus einem Raum auf dem Kornboden von Elfriede Tangemann an der heutigen Kirchstraße. Den Grundstock bildeten die umfangreiche Mineralien- und Steinsammlung und die gesammelten historischen Gegenstände von Gustav Fricke, die er der Gemeinde schenkte. Die Steinsammlung besteht aus bis zu 450 Millionen Jahre alten, versteinerten Pflanzen aus dem um 1874 geschlossenen Kupfersteinbruch bei Seesen, weiteren Versteinerungen und Schnecken vom Dannhäuser Berg, Seeigeln vom Kanstein bei Langelsheim und vom Weinberg bei Nette, Muscheln vom Jerzer Berg und vom Steimker Berg bei Neuekrug: alles Funde aus der Umgebung.
In den folgenden Jahren konnten durch die fleißigen Mitglieder zahlreiche weitere historische Gegenstände aus Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Kalibergbau zusammengetragen werden, so dass dieser Raum bald aus allen Nähten zu platzen drohte. Einen herben Rückschlag allerdings erlitten diese emsigen Bemühungen, als 1974 bei einem Einbruch über 50 wertvolle Gegenstände gestohlen wurden. Der Verbleib dieser unwiederbringlichen Exponate konnte leider nicht aufgeklärt werden.
Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Daher beschloss der amtierende Vorstand im Jahre 1974, mit Mann und Maus in die Verwaltungsräume der ehemaligen Gemeinde Klein Rhüden umzuziehen. Ein kluger und weitsichtiger Beschluss, denn nach rund 40 Jahren kann man zu den Öffnungszeiten auch heute die mit großem Sachverstand hergerichteten Räume aufsuchen.
Natürlich gäbe es nach 50 Jahren aktiven öffentlichen Wirkens unendlich viel zu berichten. Burkhard Heunecke lenkte den Blick der Anwesenden daher fokussiert auf wesentliche Etappen im quirligen Leben des weiterhin durch reichlich ehrenamtliches Engagement ausgezeichneten Rhüdener Vereins. Im Jahre 1985 betrat Herbert Timm als Heimatpfleger das Parkett des Vereins. Er hat mit zahlreichen kundigen Veröffentlichungen nicht nur im Ambergau für eine differenzierte Wahrnehmung der Heimat beigetragen. In der Folgezeit gab es historische Erntefeste auf dem Hof von Familie Harenberg, plattdeutsche Abende und zahlreiche Fahrten, die vom langjährigen Vorsitzenden Gustav Bokelmann akribisch vorbereitet waren.
Derzeit verfügt der Verein über 250 Mitglieder, die auch in Zukunft die Ziele der Natur- und Heimatfreunde sorgsam pflegen werden. Der derzeitige Heimatpfleger Gerd Syniawa hat dazu auch für die passenden Orientierungs-Marken gesorgt. Hinweistafeln querfeldein durch den Ort nehmen punktgenau Bezug auf wichtige Stationen auf der über 1000-jährigen Geschichte einer durch Wasser und Hochwasser unterschiedlich geprägten und oft genug auch gequälten Ortschaft, die wohl nur durch einen Zusammenhalt durch „Dick und Dünn“, aber nicht durch „Groß und Klein“ letztendlich geeint werden kann. Burkhard Heunecke sagte am Ende seiner vielbeachteten Ausführungen jedenfalls die Unterstützung durch die Rhüdener Heimatfreunde auf diesem Wege zu.
Natürlich darf auf einer so wichtigen Feier die Ehrung langjähriger Mitglieder nicht fehlen. Burkhard Heunecke dankte im Namen des Vorstandes für 25-jährige Mitgliedschaft Gerd Wienecke, Margarete Struß, Karl-Heinz Schlüter, Hartmut Kronemann, Heinz-Wilhelm Kothe, Erika Hartung, Heiner Harenberg, Irmtraud Flüg, Ira Goloati, Ilona Born, Manfred Böhm, Hans-Werner Behnke, Willi Affeln, Andreas Adorf, Hannelore Dinter, Karl-Heinz Pülm und Klaus Rühmann.
Für 40 Jahre treue Mitgliedschaft wurde Heinz von den Berg ausgezeichnet. Dieser hatte als ehemaliger Rektor der Grundschule seine Dienstwohnung Wand an Wand direkt neben den Räumen des Heimatmuseums bezogen und rasch den Wert der Vereinstätigkeit klar erkannt. Über satte 50 Jahre Mitgliedschaft konnten sich freuen: Friedrich-Wilhelm Harenberg, Robert Rittgerodt, Hermann Stelter und Gerhard Tangemann. Diese Herren wurden aufgrund eines Beschlusses der letzten Jahreshauptversammlung im Frühjahr unisono zu Ehren-Mitgliedern ernannt. Daher erhielten sie auch gleich zwei Urkunden und zwei freundliche Angebinde.
Plattdeutsche Beiträge von Friedrich-Wilhelm Harenberg und frisch intonierte Melodien durch das Florian-Echo rundeten den entspannten Abend angenehm ab. Seit nunmehr 50 Jahren pflegt der Verein beides: die Natur und die Heimat. An diesem Jubiläums-Abend trat deutlich spürbar hervor, was so formuliert wohl in keiner Satzung steht: die Pflege einer nach Möglichkeit vielseitig aufgestellten, intakten Dorfgemeinschaft.