„Die größte Hürde ist oft die Unwissenheit“

Judith Edel (rechts) hilft bei der Antragstellung für Gelder aus dem Bildungspaket. Auch bei der MiA (Susanne Meyer, links) ist dies möglich, aber die Agentin der Volkshochschule kann nach Absprache auch ganz diskret direkt in die Wohnungen der Betroffenen kommen.

Gelder aus dem Bildungspaket werden immer noch wenig abgerufen / Agentinnen der Volkshochschule helfen

Niemand verschenkt gerne Geld, schon gar nicht diejenigen, die nicht viel davon haben. Und doch: Nur wenige nutzen die Angebote, die ihnen beziehungsweise ihren Kindern zustehen. „Jeder, der Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhält, hat Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe“, erklärt Judith Edel, Agentin für Bildung und Teilhabe bei der Kreisvolkshochschule (KVHS).
Diese Leistungen sind sehr vielschichtig. So gibt es Gelder für ein- oder mehrtägige Ausflüge von Kindertagesstätten oder Schulen, Schülerbeförderung für die älteren Jugendlichen, 100 Euro pro Jahr für Schulbedarf wie Stifte und Hefte und Mappen, Mittagessen in der Schule, Lernförderung oder Teilhabe am soziales und kulturellen Leben. Zu letzterem gehören unter anderem Vereinsbeiträge, Musikunterricht, Ferienfreizeiten, aber auch Aktionen aus dem Ferienpass. „Bis zu 120 Euro können angespart werden. Ob die für Vereinsbeiträge genutzt werden oder für eine Freizeit in den Ferien, ist dabei unerheblich“, erläutert Judith Edel. Bis zum Alter von 18 Jahren werden diese Gelder geleistet, Schülerbeförderung, Schulbedarf oder Lernförderung sogar bis 25 Jahre, solange das Kind keine Ausbildungsvergütung erhält.
Für viele ist das Ausfüllen des Antrages ein großes Hindernis. Dem wird nun Abhilfe verschafft. Bereits seit dem Frühjahr des letzten Jahres hat der Landkreis sechs Agentinnen angestellt. In Bockenem ist prinzipiell die MiA für die Hilfe bei den Anträgen zuständig. „Aber ich kann nach Absprache auch direkt in die entsprechenden Einrichtungen oder sogar nach Hause kommen. Vielen ist es auch unangenehm, wenn sie bei der Antragstellung gesehen werden. Da ich zu den Personen nach Hause kommen kann, ist eine diskrete Abwicklung möglich“, ruft Judith Edel die entsprechenden Personen dazu auf, sich bei ihr zu melden. Zu erreichen ist sie unter der Rufnummer (05121) 67896-96, per Email an edel@vhs-hildesheim.de oder in ihrem Büro in der Marktstraße 40 in Bad Salzdetfurth.
Da nicht jeder Zeitungsartikel wie diesen lesen wird, ist es ihr auch wichtig, dass die Zielgruppe angesprochen wird. Ob von Freunden, Lehrern oder Betreuerin in Kindertagesstätten: „Laut einer aktuellen Studie wissen 80 Prozent gar nicht, was ihnen zusteht. Deswegen sollte jeder als Multiplikator fungieren und die Informationen weitertragen.“ Auch für Vereine sei es eine gute Möglichkeit an ihr Geld zu kommen. Bisher laufe es oft so, dass die auf die Mitgliedbeiträge verzichten würden, wenn jemand nicht zahlen könne, so Edel. Mit dem Landkreis gebe es aber einen verlässlichen Partner, der diese Zahlungen übernimmt.
Besonders bei der Lernförderung möchte der Landkreis noch ansetzen und Angebote direkt in den Schulen etablieren. Neben den bereits vorhandenen Kursleitern der Volkshochschule, kämen dafür auch zum Beispiel ehemalige Lehrer direkt vor Ort in Frage kommen. „Auch die können sich natürlich gerne melden“, schließt Judith Edel.