Die knappen Kassen bleiben

Bürgermeister Martin Bartölke (rechts) freute sich, sechs Mitglieder des ehemaligen Interimsrates aus dem Jahr 1974 begrüßen zu können (von links): Werner Schreiber, Wilhelm Wundenberg, Gerd Brennecke, Bartold von Gadenstedt, Martin Wecken und Erich Wintel.
 
Bürgermeister Martin Bartölke blickte auf 40 Jahre Stadt Bockenem zurück.

Beim Frühjahrsempfang der Stadt blickt Bürgermeister Martin Bartölke auch auf 40 Jahre Stadt Bockenem zurück

Nicht nur wie üblich auf das vergangene Jahr blickte Bürgermeister Martin Bartölke beim Frühjahrsempfang zurück. Denn es gibt ein Jubiläum zu feiern: 40 Jahre Stadt Bockenem. Seit 1974 gibt es das Stadtgebiet in seiner heutigen Form.

Am 1. März des Jahres wurden 18 Ortschaften, inklusive Bockenem, zur neuen Gemeinde zusammengefasst. Aus diesem Grund schaute das Stadtoberhaupt auch auf diese vergangenen 40 Jahre. Zudem waren die noch lebenden Mitglieder des damaligen Interimsrat eingeladen. Die 49 Männer und Frauen hatten die Hauptsatzung zu beschließen und die Voraussetzungen für eine funktionierende Verwaltung zu schaffen. Mit Gerd Brennecke, Bartold von Gadenstedt, Werner Schreiber, Martin Wecken, Erich Wintel und Wilhelm Wundenberg waren immerhin sechs gekommen.
Brennecke blickte stellvertretend noch einmal kurz zurück auf die Anfänge der neuen Gemeinde: „Als die Vertreter aller Dörfer zum ersten Mal zusammenkamen, gab es doch so einige Vorbehalte. Doch nach einer langen und feuchten Sitzung sind wir näher zusammengerückt. Geholfen hat dabei auch der Schulzweckverband, den einige der vorher selbstständigen Gemeinden bereits gegründet hatten. Eine große Schule sollte gebaut werden, da abzusehen war, dass die einzelnen Dörfer das nicht mehr leisten konnten.“ Rückblickend, so Brennecke, hätte man damals richtig gehandelt. Die Wahlen am 9. Juni 1974 und die Einsetzung des ersten Rates zum 1. Juli haben die Arbeit des Interimsrates dann beendet.
Martin Bartölke hatte zuvor auf die vergangenen 40 Jahre zurückgeblickt. Er berichtete, dass damals auch die Ortschaften Bodenstein und Söder gerne mit nach Bockenem gekommen wären, doch das Landesgesetz verhinderte diesen Schritt. Den ersten Stadtdirektor Karl Wilke zitierte das heutige Stadtoberhaupt dahingehend, dass im Jahr 1974 die Minigolfanlage eingeweiht wurde, der Buchholzmarkt umgestaltet werden solle und eine kooperative Gesamtschule angestrebt werde. Der Bau einer Schwimmhalle sei nicht vor 1976 machbar. Grund: die knappen Kassen. „Das war also schon immer so“, merkte Bartölke dazu an. Bekanntlich ist es auch nach 1976 nichts mit einer Schwimmhalle in Bockenem geworden.
Kurt Schierenbeck meinte 1994, dass die Einwohner der Kernstadt und der Ortsteile inzwischen gut zusammengeführt worden seien. Ein Verlust der Identität in den Dörfern sei zudem nicht festzustellen.
Günther Rademacher erinnerte 1999 daran, dass es eine 25-jährige Vorlaufzeit zu der Gemeindereform gegeben habe. Schon kurz nach dem Krieg hätte es erste Überlegungen über eine Zusammenlegung kleiner Gemeinden gegeben. Zudem bemerkte er, dass der Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen sei.
Auch heute gebe es wieder Überlegungen zu Fusionen, wusste Martin Bartölke zu berichten. So wolle Lamspringe möglichst im Jahr 2016 erstens zu einer Einheitsgemeinde werden und suche darüberhinaus einen weiteren Partner. Mit allen direkten Nachbarn werde gesprochen und daher auch mit Bockenem. „Sollte es konkreter werden, muss natürlich eine intensive Diskussion auch mit den Bürgern stattfinden. Aber soweit ist es längst noch nicht“, erklärte der Bürgermeister. Sinn mache das zudem nur, wenn sich dadurch Verbesserungen ergäben.
In den vergangenen 40 Jahren habe es viele Veränderungen gegeben, blickte Bartölke noch einmal zurück. Beim Buchholzmarkt sei die Diskussion auch heute noch, ob das ein „Parkplatz oder Marktplatz“ sei. In elf Dörfern habe es seit 1989 Dorferneuerungen gegeben. Aktuell laufe ein Antrag für das Gebiet „Harplage“ von Königsdahlum bis nach Ilde.
Zu den auch heute noch „knappen Kassen“ erklärte Martin Bartölke, dass Bockenem grundsätzlich gut aufgestellt sei. Die Kredite seien für den Bau der Abwasserbeseitigung aufgenommen wurden: „Das hat natürlich viel gekostet. Mit 109 Quadratkilometern ist unser Stadtgebiet 20 Quadratkilometer größer als die Stadt Hildesheim, hat aber nur ein Zehntel der Einwohner. Allerdings haben wir für die Kredite auch einen Gegenwert in Höhe von 30 Millionen Euro. Andere Gemeinden mögen fast schuldenfrei seien, haben dafür aber diesen Gegenwert nicht.“
Er erinnerte auch noch einmal an die 850-Jahr-Feier, die im Jahr 2004 stattgefunden habe: „Das wohl größte Fest, dass wir je hatten.“ 1800 Personen seien bei dem Umzug durch die Stadt mitgelaufen. Es sei zudem der Auftakt für die neuzeitlichen Han­-setage gewesen, die nun in einem Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt werden. Nach dem Reinfall des vergangenen Jahres, hoffe man auf besseres Wetter in 2015.
Viele Dankesworte konnte der Bürgermeister an diesem Tag in seine Worte mit einbauen. Dank an die MiA für das vorbereitete Essen, den Betriebshof für den Aufbau und das Rathaus für die gesamte Vorbereitung. Dank aber natürlich auch an die zahlreichen Feuerwehrleute und die Polizei. Und nicht zuletzt natürlich auch Dank an die vielen Ehrenamtlichen, die jeden Tag dafür sorgen würden, dass Bockenem eine lebenswerte Stadt sei. Zwischen den Wortbeiträgen konnte die zwölfjährige Victoria Freiin von und zu Aufseß noch einmal ihre drei Musicalbeiträge vortragen, mit denen sie den Bockenemer „Hört! Hört!“-Vorentscheid gewonnen hat. Beim Entscheid in Hildesheim reichte es dann allerdings nicht zu einem vorderen Platz.