Doppik bereitet der Kirche Probleme

Aufmerksam verfolgten die Mitglieder des Kirchenkreistags Hildesheimer Land-Alfeld die Ausführungen der kommissarischen Amtsleiterin Cordula Stepper.
 
Cordula Stepper nahm zu den Fragen aus den Kirchengemeinden zur Einführung der Doppik Stellung.

Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld: Mit verstärkter Kraft nach Lösungen suchen

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld verlangt vom Landeskirchenamt mehr Unterstützung bei der Einführung der Doppik (Doppelte Buchführung in Körperschaften).

Der Kirchenkreistag hat sich einstimmig den Forderungen des Kirchenkreisvorstands angeschlossen, das Doppik-Team im Landeskirchenamt personell aufzustocken und für die Finanzbeauftragten der Kirchengemeinden Schulungen anzubieten. Es müsse außerdem möglich sein, den Kern der Haushaltsergebnisse auf einem Blatt so darzustellen, dass Kirchenvorstände erkennen könnten, wo ihre Gemeinde wirtschaftlich stehe.
Die Synode der Landeskirche Hannovers hatte sich mit Beschlüssen aus 2006 und 2009 für die Einführung der Doppik entschieden. Man erhoffte sich davon eine realistische Darstellung der Wirtschaftslage der Kirchengemeinden und sah auch die Angleichung an kaufmännisches Rechnungswesen als Vorteil an. Neben dem Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck gehörte auch der Kirchenkreis Hildesheimer Land zu den Vorreitern, die diese Umstellung als Pilotkreise vor allen anderen einführen wollten. Start war 2009 mit dem Kirchenkreisverband Hildesheimer Land-Alfeld und drei Gemeinden, bis 2012 kamen die anderen Kirchengemeinden dazu.
Es stellte sich heraus, dass sich die Doppik aber auf die Besonderheiten der Kirche nicht ohne Weiteres anwenden ließ, dass auch das ausgewählte Programm dafür nicht passte. Das führte dazu, dass die Gemeinden jahrelang auf ihre Haushaltsergebnisse warten und ihre Haushalte beschließen mussten, ohne sich auf konkrete Zahlen stützen zu können. Die Einführung der Doppik im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt wurde angesichts der Schwierigkeiten verschoben. Die Anfragen im Kirchenamt häuften sich, die Dreikirchengemeinde in Nordstemmen stellte einen ganzen Fragenkatalog zusammen. Was die Einführung der Doppik koste, ob sie überhaupt Vorteile bringe und ob ein Ausstieg nicht besser wäre, wollte man wissen.
Cordula Stepper, seit Juni 2013 kommissarische Leiterin des Kirchenamtes, nahm die Anfragen zum Anlass einer ausführlichen Stellungnahme in der Sitzung des Kirchenkreistages. Sie benannte die Schwierigkeiten ungeschönt: Noch immer gebe es erhebliche Probleme an den Schnittstellen von Personal-Programm und Doppik-Programm. Verbesserungsvorschläge aus dem Kirchenamt würden vom Programm-Anbieter viel zu langsam umgesetzt. Das Doppik-Team des Landeskirchenamtes sei zu schwach besetzt und noch nie vor Ort in einer Kirchengemeinde gewesen, um sich ein Bild von den Problemen zu machen.
Die kommissarische Leiterin warb aber weiter um Geduld. Das Kirchenamt habe zwei zusätzliche Mitarbeiterinnen eingestellt, um mit verstärkter Kraft nach Lösungen zu suchen. Die Eröffnungs- und Schlussbilanzen bis 2011 wurden den Kirchengemeinden endlich in Workshops vorgestellt. Die Mitarbeitenden im Kirchenamt seien jederzeit für Einzelfragen ansprechbar.
Im Kirchenkreistag wurden dem Kirchenamt und seinen Mitarbeitenden von den Mitgliedern denn auch großer Einsatz und Hilfsbereitschaft bescheinigt. Immerhin hatte das Amt in den letzten Jahren noch viele weitere Sonderaufgaben zu bewältigen, unter anderem die Fusion der Kirchenkreisämter Hildesheimer Land und Alfeld sowie Hildesheim-Sarstedt und zahlreiche Fusionen von Gemeinden. Gleichzeitig musste das Amt Jahr für Jahr die Sparvorgaben der Landeskirche umsetzen.
Dennoch blieb Skepsis. Pastor Bernd-Ulrich Rüter aus der Dreikirchen-Gemeinde in Nordstemmen riet dazu, das Projekt Doppik aufzugeben. Es koste nur Geld, bringe aber keine Vorteile. Diakonin Ilona Wewers sorgte sich um die Motivation der Ehrenamtlichen. In der Kirchengemeinde Bad Salzdetfurth gebe es viele eigenständige Gruppen und Projekte; die Ehrenamtlichen brächten mit hohem persönlichen Einsatz Einnahmen für die Kirche – sie wollten aber dann auch bei der Verwendung mitbestimmen. Das Geld dieser Gruppen dürfe nicht in der Kasse der Kirchengemeinde aufgehen. Die Diakonin fürchtet, die Ehrenamtlichen könnten ihre Mitarbeit aufkündigen.
Auch bei den Kirchenvorständen breite sich Frust aus, hieß es von anderen Mitgliedern des Kirchenkreistages. Dagegen beschwichtigte Hermann Reinhold: Er kenne die Doppik aus seinem Berufsleben, „das ist gar nicht so schlimm“, auch Laien könnten damit zurechtkommen. Er sei bereit, Kirchenvorständen persönlich beim Lesen der Haushalte zu helfen – das gab spontanen Applaus. „In zehn Jahren werden wir sagen, das war die richtige Entscheidung“, sagte Reinhold.
Der Kirchenkreistag hat außerdem zugestimmt, einen gemeinsamen Diakonieausschuss für den Kirchenkreisverband zu bilden und Irmela Wrede als Vertreterin in diesen Ausschuss zu entsenden.