Ein Hauch von Hollywood in Bockenem

Im linken Teil des Hauses auf dem Buchholzmarkt beginnen am 24. Februar die Dreharbeiten zum Kurzfilm „Hexenmilch“. Am 27. Februar wird eine Außenszene gedreht, bei der sich die Bockenemer ein Bild über die Arbeit der Filmschaffenden machen können.

Kurzfilm „Hexenmilch“ wird ab kommenden Mittwoch in Bockenem und Bültum gedreht

Zu „Neu-Hollywood“ reicht es noch nicht ganz. Aber zumindest ein wenig Filmluft weht demnächst durch die Bockenemer Altstadt. Nachdem im Kinofilm „Das kleine Gespenst“ bereits eine Uhr aus dem Turmuhren- und Glockenmuseum ganz groß herauskam, wird der Buchholzmarkt, genauer, das Haus Nummer 6, zur Filmkulisse. Denn vom kommenden Dienstag, 24. Februar, an dreht die „anachrom“-Fimproduktion dort den Kurzfilm „Hexenmilch“. Bis zum 5. März sind rund 30 Personen an acht Drehtagen an dem 20-minütigen Film beteiligt. Am Montagabend stellten die Verantwortlichen im Rathaus ihr Projekt vor.


Begeistert über riesiges
Interesse in Bockenem

Vom Interesse der Bockenemer waren alle Beteiligten begeistert. Aufnahmeleiterin Peggy Rieckmann meinte, dass es viele Kleinigkeiten gebe, die dem Team das Leben vereinfachen würden. So steht beispielsweise die Feuerwehr Bockenem bereit, um für den „Regen“ bei den Außenszenen zu sorgen, das Autohaus Lier stellt ein Auto zur Verfügung, die Druckerei Lühmann brachte kostenloses Druckerpapier vorbei. Viele weitere Personen und Unternehmen sorgen fast für ein „Rundum-Sorglos­paket“. „Ich drehe gerne im ländlichen Bereich. Dort sind die Leute meistens interessierter, als in Großstädten, wo viele schnell genervt sind“, erzählt Motivaufnahmeleiterin Christine Duttlinger.

Die „anachrom“-Filmproduktion aus Hildesheim wurde 2010 gegründet. Zwei der Geschäftsführer, Produzent Dominik Wiedenmann und Regisseur Martin Jehle, hatten sich an der Universität kennengelernt, wollten auch nach dem Studium weiter zusammenarbeiten und mit Filmproduktionen ihr Geld verdienen. Die Idee zum Film „Hexenmilch“ hatte Jehle schon damals: „Doch es gab immer wieder Gründe das Projekt aufzuschieben.“ Jetzt, zum fünfjährigen Bestehen ihres Unternehmens, war es dann aber so weit.

Der Film ist ein Beziehungsdrama, das surreale und Horror-Elemente beinhaltet. Als „Horrorfilm“ wollen ihn die Macher allerdings nicht bezeichnen. Zu Beginn überfährt Peter mit seinem Auto die Katze von Susanna. Von Schuldgefühlen geplagt hilft er ihr, das Tier zu begraben, sagt aber nicht, dass er der Verursacher ist. Die beiden kommen sich näher und beginnen eine Beziehung. Plötzlich gibt Susanna Milch und es ist noch unbekannt, warum.

Der Begriff und Titelname „Hexenmilch“ bezeichnet ein Phänomen, bei dem genau das passiert. Das „Milchgeben“ kann nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern und Kindern vorkommen. Regisseur Martin Jehle hat das bei seiner Ex-Freundin erlebt, bei der plötzlich ohne Schwangerschaft Milch floss. Ebenso hat er selbst einmal fast eine Katze überfahren, eigenen Katzen ist dies auch bereits passiert. „Das ist eine starke emotionale Situation, von denen ich beide Seiten bereits kennengelernt habe“, erklärt Jehle die Idee für das Drehbuch. Das habe er vor fünf Jahren innerhalb weniger Tage geschrieben. Bis heute sei es weitestgehend dabei geblieben.

Das Projekt „Hexenmilch“ sei keines, mit dem man Geld verdiene, berichtet Dominik Wiedenmann. Daher verzichten alle Mitwirkenden auf Gagen oder Honorar. Trotzdem wird die Produktion 15 bis 20.000 Euro kosten. Ein Teil kommt von verschiedenen Stiftungen, doch einige Tausend Euro werden auch von „anachrom“ beigesteuert werden müssen. Der Film wird auch als Berufsbildungsprojekt geführt. Das bedeutet, dass die Profis mit Semiprofessionellen oder auch Filmanfängern zusammenarbeiten. So können die Studenten erste praktische Erfahrungen sammeln
.

Ehemalige „GZSZ“-Darsteller spielen die beiden Rollen

Profis sind unter anderem die beiden Darsteller. Lena Ehlers (Susanna) und Aaron Thiesse (Peter) standen beide bereits des Öfteren vor der Kamera. Ehlers wirkte unter anderem zwei Jahre lang in der RTL-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ mit, drehte jüngst einen Film für den WDR. Aaron Thiessen hatte ebenfalls einen kurzen Auftritt bei „GZSZ“ und ist in mehreren Werbedrehs zu sehen gewesen: „Ich bin gerne Teil von Kurzfilmprojekten, weil dort schöne Geschichten erzählt werden. Das fehlt oft bei den langen Filmen.“ Beide haben sich vom Drehbuch überzeugen lassen und haben sich letztlich bei einem Casting in Berlin gegen zahlreiche andere Schauspieler durchgesetzt.

Neben den beiden Darstellern stehen keine weiteren Personen vor der Kamera. Aber zwei weitere „Profis“ sind trotzdem noch zu sehen – zwei Katzen von der Filmtierschule Harsch aus Brandenburg. „Die haben schon viele, auch große Filme gedreht und sind wirklich erfahren. Für die toten Katzen nehmen wir Attrappen.“, beruhigt Rieckmann all diejenigen, die sich Sorgen um die Gesundheit der Tiere machen. Wer sich Hoffnung auf eine Rolle als Statist machte, mussten die Verantwortlichen enttäuschen:  Die wird es bei „Hexenmilch“ nicht geben.
Nach Bockenem sind die Filmschaffenden über Stadtheimatpfleger Dieter Rüdiger gekommen. Ende vergangenen Jahres schrieb Christine Duttlinger zahlreiche Heimatpfleger und weitere Personen im Umkreis auf der Suche nach einer geeigneten Örtlichkeit an. Rüdiger schlug mehrere Häuser im Stadtgebiet vor, darunter auch das Tillyhaus, das Jägerhaus und eben auch das Haus von Marlene Fahnemann auf dem Buchholzmarkt.

„Wir suchten ein schönes, altes Haus mit Charakter und Geschichte“, so Duttlingen. Das Fahnemann-Haus lieferte all dies, sodass es sofort als Filmset „engagiert“ wurde. Da die letzten Mieter ohnehin kurz vor dem Auszug waren, konnte die Besitzerin zustimmen.

Anschließend wurde nach einem passenden Garten gesucht. Hier hatte Bürgermeister Martin Bartölke ein passendes Grundstück in Bültum im Hinterkopf, welches dann ebenfalls als geeignet angesehen wurde.

Inzwischen sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen, in der kommenden Woche beginnen die Dreharbeiten. Insgesamt 37 Szenen müssen in den Kasten, 34 davon spielen nachts. Entsprechend wird vor allem ab dem Nachmittag und bis in die Nacht hinein gedreht. Sorge vor nächtlichem Lärm muss allerdings niemand haben. Denn während der Aufnahmen stört jeder Ton, sodass die Arbeiten entsprechend leise vonstatten gehen werden.

Bockenem mit einem
„Making-Off“ in Szene setzen

Mit dem geplanten Abschluss am 5. März ist das Projekt natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Fertig sein wird er erst zu Beginn des Jahres 2016. Eine der ersten Vorführungen wird dann auch in Bockenem selbst stattfinden. Da der Kurzfilm auch auf Festivals gezeigt werden soll, kann es allerdings nicht die Uraufführung sein, wie Wiedenmann erklärt. Geplant ist jedoch ein „Making-Off“, also ein Film über den Film und die Dreharbeiten. Dabei wird dann auch Bockenem selbst mit in Szene gesetzt.

Wer die Dreharbeiten live erleben möchte, hat dazu übrigens am Freitag, 27. Februar, Gelegenheit. Denn an diesem Tag werden am Nachmittag die Außenszenen vor dem Haus direkt auf dem Buchholzmarkt gedreht. Vorbeischauen lohnt sich!