Eine Ära geht zu Ende

Heinrich Meyer (rechts) übergibt dem neuen Verbandsvorsteher Martin Bartölke symbolisch einen Aktenordner mit den Planfeststellungsunterlagen für die geplante Talsperre. Einer der beiden Stellvertreter ist Seesens Bürgermeister Erik Homann. Geschäftsführer Horst Hache (links) scheidet ebenfalls nach jahrzehntelanger Arbeit aus dem Verbandsvorstand aus.

Martin Bartölke übernimmt den Vorsitz des Ausbauverbandes Nette von Heinrich Meyer

Noch gut kann sich Heinrich Meyer an sein erstes großes Vorhaben im Ausbauverband Nette erinnern. „Damals ging es um den Hochwasserschutz in Holle“, erklärte der Verbandsvorsteher, der sich nun nach fast 50-jähriger Tätigkeit aus der Führungsetage des Verbandes verabschiedete.

Die Bilanz seiner Arbeit kann sich sehen lassen: In seiner Amtszeit wurden rund zwölf Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Mit ihm tritt auch Geschäftsführer Horst Hache ab, der seit 1993 genauso engagiert bei der Sache war. „Das Ende meiner Tätigkeit war lange geplant. Bereits vor zwei Jahren hatte ich meine Absicht, nicht wieder bei der Wahl anzutreten, mitgeteilt“, erklärte Heinrich Meyer.
Unvergessen sind bis heute die Bestrebungen, die Ortschaft Werder vor dem Wasser der Nette zu schützen. „Plötzlich wurde Geld für den Hochwasserschutz gewährt. Das Projekt musste aber binnen eines Jahres umgesetzt werden“, erinnert sich Meyer noch ganz genau. Die damalige Umweltministerin Monika Griefahn hatte den Weg für die von den Bürgern lang ersehnte Maßnahme frei gemacht. „Wir haben oftmals sechs oder sieben Stunden mit den Grundstücksbesitzern verhandelt. Am Ende lagen alle erforderlichen Unterschriften vor. Heute ist Hochwasser in Werder kein Thema mehr“, so Meyer. Er habe in den beinahe 50 Jahren immer gern den Ausbauverband geleitet. Ganz besonders schätzte er die stets sachliche und freundschaftliche Ebene.
Das gelte genauso für den Unterhaltungsverband, dessen Chef Heinrich Meyer ebenfalls war. Parteipolitik sei niemals ein Thema gewesen. Einen großen Dank richtete er an sein Team, ohne das keine erfolgreiche Arbeit möglich gewesen wäre. „Ein wenig Wehmut spielt schon mit“, sagt der langjährige Verbandsvorsteher. Auf der anderen Seite bleibe nun mehr Zeit, um sich mit den vier Großkindern zu beschäftigen. Nach seiner Ankündigung, von dem Amt zurückzutreten, begannen hinter den Kulissen die Überlegungen, wie sich die Zukunft für den Ausbauverband gestaltet

Bartölke übernimmt Vorsitz, Huchthausen und Homann Stellvertreter

„Wir hatten zwei Jahre Zeit, um uns vorzubereiten. Die Monate sind schnell verstrichen“, erklärte Seesens Bürgermeister Erik Homann. Mit Heinrich Meyer gehe ein immenses Fachwissen von Bord. „Er kennt jede Ecke und Vorgeschichte“, brachte es der Seesener auf den Punkt. Am Ende haben die drei Bürgermeister Erik Homann, Martin Bartölke (Bockenem) und Klaus Huchthausen (Holle) nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht, zumal sie als Jurist, Betriebswirt und langjähriger Verwaltungschef die besten Voraussetzungen mitbringen. In Zukunft übernimmt Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke die Tätigkeit als Verbandsvorsteher. Als Stellvertreter arbeiten Huchthausen und Homann. Im Unterhaltungsverband steht künftig Erik Homann an der Spitze, Bartölke und Huchthausen vertreten ihn. Die Überlegungen gehen dahin, die Verwaltungen der Kommunen mit einzubinden. Eine Würdigung der Verdienste von Heinrich Meyer soll in einer gesonderten Veranstaltung Ende Januar erfolgen.
Als eine seiner letzten Amtshandlungen setzte Heinrich Meyer an die 100 Unterschriften unter den Antrag zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens zum Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens an der Schildau oberhalb von Bornhausen. Im Januar beginnt dann das förmliche Verfahren. Dann können sich auch die Bürger zu dem Projekt äußern. Ein Beschluss rückt dann in 2014 in greifbare Nähe, sodass frühestens 2015 mit dem Bau der Talsperre begonnen werden kann. Natürlich muss dann auch die Finanzierung der veranschlagten acht Millionen Euro stehen. Das Stauvolumen beträgt rund 810.000 Kubikmeter Wasser. „Ohne die Hilfe von Land und Bund kann das natürlich nicht gestemmt werden“, so Meyer. Vorstand und Verbandsversammlung unterstützen das Projekt.
Die Beiträge des Ausbauverbandes, der im Jahr 1959 gegründet wurde, bleiben im kommenden Jahr stabil. Von den im Finanzplan festgesetzten 80.000 Euro fließen allein 48.000 Euro in die Tilgung des Hochwasserschutzes Werder und Rhüden.