„Es gibt in Bockenem keine Kernstadt-Lobby!“

Ein Dauerbrenner: Die unansehnlichen Container am Lappenberg möchte die BIBI lieber heute als morgen verschwunden sehen. (Foto: Knoblich)

Stillstand und Frust: „BIBI“ zieht ernüchternde Bilanz / Bürgermeister verteidigt Einzelhandelskonzept

Von Karsten Knoblich
Bockenem

Nicht nur die Mitglieder der Vereine im Bockenemer Stadtgebiet treffen sich bevorzugt nach dem Jahreswechsel, um Bilanz zu ziehen. Auch bei der Bürgerinitiative Bockenemer Innenstadt, kurz BIBI, war es jetzt an der Zeit, eine Bestandaufnahme für 2011 vorzunehmen. Die allerdings fällt nach den Worten der BIBI-Repräsentanten Hans-Jürgen Wundenburg und Dieter Meyer mehr als ernüchternd aus.
„Mit der Entwicklung und den Ergebnissen können wir nicht zufrieden sein“, stellt Wundenberg fest. Die von der BIBI erarbeiteten und auch dem Rathaus vorliegenden Eckpunkte hätten kaum Resonanz gefunden. Von der angedachten Informations-Tafel am Ortseingang sei mittlerweile keine Rede mehr, und auch der Vorschlag einer Zentralisierung der Vereinsinformationskästen im Stadtgebiet sei nicht aufgenommen worden. Nichts Greifbares gebe es zudem mit Blick auf die Verkehrsberuhigung und ein vernünftiges Parkkonzept für die Innenstadt. „Dabei liegen konkrete Vorschläge, wie man Anliegern und Kunden gleichermaßen gerecht werden kann, schon lange vor“, sagte Hans-Jürgen Wundenberg. Dieter Meyer pflichtet ihm bei: „Für die Bürgerinnen und Bürger haben sich in der Innenstadt keine sichtbaren Ergebnisse ergeben.“ Im Gegenteil: Weitere Leerstände ließen befürchten, dass es noch schlimmer komme und sich die Abwärtsentwicklung beschleunige.
Man sei sich durchaus im Klaren, dass die Gesamtsituation in der Kernstadt äußerst schwierig sei und es Patentrezepte nicht gebe. Doch dann müssten die Verwaltung, allen voran der Bürgermeister, die Politik, der örtliche Einzelhandel, Bürgerverein und BIBI gemeinsam Ideen entwickeln und darüber sprechen, wo genau es hingehen soll. Stattdessen habe man erstaunt zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Stadt die Erstellung eines Einzelhandelskonzeptes auf den Weg bringen will. Kosten von mehr als 11.000 Euro müssten dafür außerplanmäßig bereitgestellt werden. „Damit wird doch der zweite Schritt vor dem ersten gemacht“, meint Hans-Jürgen Wundenberg. Die Kernarbeit müsse man schon selbst erledigen, „sich selbst auf den Hosenboden setzen und nach Lösungen suchen“.
In diesem Zusammenhang frage man sich bei der BIBI, was denn aus dem für Oktober vergangenen Jahres angekündigten „Tag des Leerstandes“ geworden sei und wann dieser denn stattfinden soll. Dann gebe es da noch den Dauerbrenner „Lappenberg“. Seit Jahren setze sich auch der Ortsrat dafür ein, dass die unansehnlichen Container hier verschwinden. Stattdessen: Stillstand. „Wenn sich nichts bewegt, dann sorgt das nicht nur bei uns, sondern auch in weiten Teilen der Bevölkerung für Frust“, weiß Wundenberg. So könne man niemanden zur Mitarbeit motivieren. In eine Ende 2011 ausgelegte BIBI-Unterstützerliste hätten sich binnen einer Woche rund 300 Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtgebiet eingetragen. Das ist für Hans-Jürgen Wundenberg der Beweis: „Die Leute sind stark daran interessiert, dass endlich etwas passiert“. Und Dieter Meyer ergänzt: „Es gibt hier keine Kernstadt-Lobby. Das macht es nicht eben leichter, die noch vorhandene Restenergie in Bockenem zu hebeln“. Große Hoffnungen setze man daher in den neuen Bockenemer Ortsrat. Der habe signalisiert, sich in Kooperation mit Bürgerverein, Gewerbeverein und BIBI verstärkt um die Innenstadt zu kümmern.
Für Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke ist die harsche Kritik, gerade an einem zu erstellenden Einzelhandelskonzept, nur schwer nachvollziehbar. „Wir müssen jetzt mal Schluss machen mit Aktionismus und dem pünktchenweisen Beackern von Themen. Das holt keinen Kunden in die Innenstadt. Jetzt gilt es im Sinne der Nachhaltigkeit endlich Nägel mit Köpfen zu machen“, so der Verwaltungschef. Welcher Wettbewerb ist zuzulassen, wie können Läden geschützt, wie kann der Einzelhandel gefördert werden, welches ist der zentrale Versorgungsbereich, was kann ich heute für die Stadt noch tun? Das alles seien Fragen, denen jetzt einmal außenstehende Experten auf den Grund gehen müssten. „Nehmen wir mal das Beispiel Dorferneuerung. Da wird doch auch nicht der erstbeste Vorschlag aufgegriffen und einfach so umgesetzt; dazu bedarf es einer durchdachten Planung“, erläuterte der Bürgermeister.
Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse könne dann der Dialog- und Diskussionsprozess einsetzen. „Es steht doch ganz außer Zweifel, dass sich alle an dem Konzept beteiligen können und sollen, insbesondere Ortsrat und Gewerbetreibende“, betonte Bartölke. Auch eine öffentliche Veranstaltung und die Bildung eines Arbeitskreises nannte er in diesem Zusammenhang.
Was den „Tag des Leerstandes“ angehe, so hätten einer vernünftigen Durchführung schlicht und einfach nicht zu kompensierende krankheitsbedingte Personalausfälle in der Verwaltung und auch der mit der Kommunalwahl verbundene Arbeitsaufwand entgegen gestanden.
Und Ortsbürgermeister Siegfried Berner (SPD)? Der sieht in dem Einzelhandelskonzept „grundsätzlich einen guten Ansatz“. Die Schrittfolge sollte seiner Ansicht nach aber eine andere sein. So müsse man zunächst einmal mit den Gewerbetreibenden sprechen und den Weg beschreiben, den man gehe wolle.

Mit dem erwähnten Einzelhandelskonzept wird sich auch der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Bauwesen in öffentlicher Sitzung am Dienstag, 14. Februar, um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses beschäftigen.